Beliebt: Blumen pflanzen, Beete anlegen und Pflanzen schützen - die Aufgaben im Gartenbau sind vielfältig. Am Herforder Berufskolleg können sich Schüler in sieben verschiedenen Fachrichtungen ausbilden lassen. - © Ralf Bittner
Beliebt: Blumen pflanzen, Beete anlegen und Pflanzen schützen - die Aufgaben im Gartenbau sind vielfältig. Am Herforder Berufskolleg können sich Schüler in sieben verschiedenen Fachrichtungen ausbilden lassen. | © Ralf Bittner

Kreis Herford Warum junge Menschen Gärtner werden

Ausbildung: In OWL gibt es die Fachrichtung Gartenbau nur an zwei Berufskollegs. Eins davon liegt in Herford. Drei Azubis erzählen, wieso sie ihren Job jetzt schon lieben

Kreis Herford. Eigentlich will Jennifer Nasser (19) Konditorin werden. Die Ausbildung fängt sie auch an, aber schnell wird ihr klar, dass das nicht das Richtige ist. "Ich bin großer Naturfan und wollte der Natur was zurückgeben", sagt sie. Ihr Weg hat sie mittlerweile in einen Klassenraum des Wilhelm-Normann-Berufskollegs geführt - Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau. Sie weiß, dass sie jetzt richtig ist. Mit zwei Klassenkameraden sitzt sie an einem Tisch und bastelt an einem Schaubild zum Thema "Kies-Einfahrt" herum. Die Einfahrt mit Kies, anstatt mit Grünpflanzen auszustatten, finden Jennifer und ihre Mitschüler gar nicht gut. Das versuchen sie, auf einem Plakat darzustellen. Gerade läuft in den Klassenräumen für die Azubis im ersten und zweiten Lehrjahr der "Berufswettbewerb für junge Gärtnerinnen und Gärtner". Es gibt unterschiedliche Stationen, an denen die Schüler in Dreier-Teams Aufgaben erfüllen müssen und Punkte sammeln können. Das beste Team der Schule (s. Infokasten) darf danach weiter zum Landesentscheid. Gartenbau ist nicht gleich Gartenbau Während des Wettbewerbs sollen sich die Schüler aber auch mit den anderen Gartenbaubereichen beschäftigen. Gartenbau sei nämlich nicht gleich Gartenbau, sagt Lehrerin Eva Maria Muhle. "Wenn man sich bewirbt, dann muss man sich klar sein, was man will: Garten- und Landschaftsgärtner, Obstgärtner, Gemüsebauer, Stauden-, Zierpflanzen-, Friedhofs- oder Baumschulgärtner?", sagt sie. Nach der Ausbildung können die Gesellen dann immer noch überlegen, ob sie lieber in einem anderen Bereich arbeiten wollen, erklärt Muhle. Für die Ausbildungszeit müssen sie sich aber für eine der sieben Fachrichtung entscheiden. Wie Jennifer hat sich auch Sean Franke (25) für die Ausbildung zum Garten- und Landschaftsgärtner entschieden. "Ich hab vorher Bäcker gelernt" sagt er. Aber der Kundenkontakt sei wegen der Arbeitszeiten komplett ausgeblieben. "Dann wollte ich was komplett anderes machen. Aber nicht wie mein Vater im Büro sitzen." In seiner Freizeit habe er sich schon immer für die Natur, den Garten und auch Maschinen interessiert. Der Wechsel zum Gartenbau sei eine gute Entscheidung gewesen. Die Zahlen der Auszubildenden gehen zurück Dass es im Handwerk immer weniger Auszubildende gibt, merken auch die Berufskollegs. Die Schülerzahlen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. "Im Handwerk gab es einen Einbruch", sagt auch Heinz-Ludwig Wehmeyer, Schulleiter des Wilhelm-Normann-Berufskollegs. Nur bei einer Fachrichtung sei das ausgeblieben, sagt er. Nämlich im Gartenbau. Dort seien die Schülerzahlen sogar wieder leicht angestiegen. In OWL gebe es auch nur zwei Standorte für die schulische Ausbildung im Gartenbau: Paderborn und Herford. Auf dem Wilhelm-Normann-Berufskolleg lassen sich zurzeit über 350 Schüler im Alter von 16 bis 60 Jahren ausbilden. Insgesamt gibt es in NRW sogar 5.600 Ausbildungsplätze. Ein Grund für die beständige Attraktivität des Gartenbaus: die Quereinsteiger. Das denkt auf jeden Fall Nico Tielker (32). "Wir haben fast alle vorher was anderes gemacht", sagt er. Neben dem Maschinenbaustudium habe er immer auf einem Bio-Bauernhof ausgeholfen. Jetzt lässt er sich zum Gemüsebauer ausbilden. "Das ist zwar auch komisch, wenn man schon studiert hat, wieder zur Schule zu gehen. Aber ich möchte nichts lieber machen", sagt Tielker.

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