Herford Künstlerin zeigt das Tier als ein sich seiner selbst bewusstes Wesen

Für Alexandra Sonntag ist die Ausstellung in der Treppenhausgalerie des Elsbach-Hauses die erste Einzelausstellung in ihrer Geburtsstadt

Herford. "Ich habe über Jahre vorwiegend Figuren im Raum, meistens Frauen, gemalt", sagt Alexandra Sonntag, deren Ausstellung "Die Herrschaft des Tieres" heute um 19 Uhr in der Treppenhausgalerie im Elsbach-Haus zu sehen ist. Wie es der Titel andeutet, hat sich ihr Thema geändert. Sie zeigt nun Tiere, die sich selbst bewusst und mit Vernunft begabt, den anthropozentrischen Spieß umdrehen und den Betrachter betrachten. "Das Tier ist für mich kein Nutztier, keine Sache und nicht nicht in der Masse gefangen zu halten", sagt Sonntag: "Für mich ist es zuallererst souveränes Geschöpf und Mitgeschöpf, und damit das Gegenteil des Tieres aus menschlicher Verwertungsperspektive. Die Tiere in meinen Bildern stehen auch nicht wie in der Fabel stellvertretend für bestimmte menschliche Eigenschaften, sondern sie stehen ganz für sich." Jedes neue Bild sei für sie ein Potenzial, sagt sie. Sie könne Bühnen für absurde, fantastische Szenen erfinden, Bilder entstehen lassen, die verrätselt und nicht auslesbar sind, geheimnisvoll, düster und komisch sein dürfen oder unvollendete Geschichten anstoßen, die der Betrachter in seinem Kopf zu Ende erzählen könne. Die Bilder stehen aber nicht für sich, sondern sind voller kunstgeschichtlicher oder gesellschaftlicher Bezüge. Velasquez? "Infantin Margarita Theresa" wird bei ihr zu einem aufrechtstehenden Eichhörnchen, das ebenso majestätisch wirkt wie das ikonenhafte Vorbild. Sie vermenschliche die Tiere aber nicht, sagt Sonntag, so können sich Eichhörnchen ja tatsächlich aufrichten. "Bachelors Hall" spielt auf die gesellschaftlichen Gepflogenheiten der Jagdgesellschaften an. Der "Junge Wolf" tritt selbstbewusst dem Betrachter aus dem Dunkel entgegen. Als "Idol" scheint sich der Wolf dagegen in wirbelnden Farben und Formen aufzulösen. Gelassen scheint er die an ihn herangetragene Überhöhung durch den Menschen zu ertragen. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist uralt und gleichzeitig brandaktuell. Das Tier war und ist Ernährer, Nahrung, Freund, Feind. Tiere sind Akteure in Religionen, Objekte kultischer Handlungen, sie sind Opfer und Täter. Das Tier bewohnt seit jeher die Gehirne der Menschen, es geistert durch seine Fantasien, seine Ängste. Angesichts dieser uralten Beziehung ist es nicht verwunderlich, dass Sonntags konsequente Umkehr des gewohnten Blicks ebenfalls fasziniert und berührt. Für die 1969 in Herford geborene, in Bielefeld und Genf lebende Sonntag ist die vom Verein Kulturbeutel präsentierte Ausstellung die erste Einzelausstellung in der Werrestadt. Bis auf eine Bleistiftzeichnung und eine in Pigment/Gouache ausgeführte Arbeit sind 15 meist großformatige und 2018 entstandene Ölgemälde zu sehen. Zu sehen ist die "Herrschaft des Tieres" bis zum 29. März in der Treppenhausgalerie, Elsbach-Haus, Goebenstraße 3-7. Eröffnung mit Einführung durch Ingo Meyer ist heute, 19 Uhr. Am Donnerstag, 7. Februar, bieten Sonntag und Künstler Weizenfeld um 19 Uhr eine Ausstellungsführung mit anschließendem Künstlergespräch an. www.alexandrasonntag.de

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