Namibia von oben: Das Foto zeigt einen Blick vom Segelflugzeug aus auf einen Teil des "Bitterwasser Lodge & Flying Centre". - © Privat
Namibia von oben: Das Foto zeigt einen Blick vom Segelflugzeug aus auf einen Teil des "Bitterwasser Lodge & Flying Centre". | © Privat

Herford Herforder Segelflieger erlebt unvergessliche Tage in Namibia

Jens Böske, Geschäftsführer des Herforder Vereins für Luftfahrt, erkundet mit einem Fliegerfreund die unendlichen Weiten der dortigen Landschaft

07.01.2019 | Stand 07.01.2019, 17:10 Uhr

Herford. Jens Böske (45), Geschäftsführer des Herforder Vereins für Luftfahrt (HVfL), ist wieder zurück im winterlichen Ostwestfalen. Wenn er von seinen Erlebnissen in Namibia erzählt, kriegt er das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Zusammen mit seinem Fliegerfreund Andreas Hillebrand von der Leistungsfluggemeinschaft Lippe verbrachte Jens Böske zwei Wochen Trainingsurlaub auf dem Flugplatz des "Bitterwasser Lodge & Flying Centre" in Namibia. Dort, rund 180 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Windhoek, ist jetzt Sommer mit Tagestemperaturen um 35 Grad und Haupt-Flugsaison. Auf einer gecharterten Maschine vom Typ ASG-32 Mi des Herstellers Alexander Schleicher erflogen sich die beiden Piloten innerhalb von rund 50 Flugstunden mehr als 6.000 Streckenkilometer über nahezu menschenleere Landschaften am Rande der Namib-Wüste. »So schnell war ich auf Langstreckenflug noch nie« Darunter waren zwei Flüge, die jeweils über 1.000 Kilometer reichten, zwei weitere lagen mit 900 und 950 Kilometern knapp unter den für jeden Segelflieger magischen 1.000 Kilometern. Bei einem Flug gelang es dem Team aus Ostwestfalen-Lippe, innerhalb von 150 Minuten 502,89 Kilometer zurückzulegen. Das entspricht der unglaublichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 201,16 Kilometer pro Stunde, geflogen mit einem Segelflugzeug. "So schnell war ich auf einem Streckenflug noch nie unterwegs" berichtet Jens Böske. Am heimatlichen Flugplatz Oerlinghausen gibt es nur wenige Tage im Jahr, an denen solch große Strecken und Geschwindigkeiten geflogen werden können. In Namibia sind sie von November bis Februar fast schon Normalität. Während in OWL das Pilotenherz schon bei Steigwerten von fünf Metern pro Sekunde in der Thermik jubele, beginne der Spaß in Afrika da gerade erst, so Jens Böske. Die Instrumente im Cockpit der ASG-32 Mi zeigten mehrmals Werte von 12 Metern Steigen pro Sekunde und mehr. Diese perfekten Bedingungen ergeben sich bereits am frühen Vormittag, wenn sich die ersten kleinen Kumuluswolken bilden, die im weiteren Tagesverlauf zu imposanten Wolkenstraßen anwachsen. Darin bilden sich oft kleinräumige, aber heftige Gewitterschauer, die geschickt umflogen werden wollen. So spielt sich der Segelflug in Namibia in wesentlich größeren Höhen ab; 4.000 bis 5.000 Meter über den Wüstenlandschaften gleiten die Flugzeuge mit Geschwindigkeiten jenseits von 200 km/h dahin. »So etwas habe ich noch nie erlebt« Jens Böske, der seit 31 Jahren als Segelflieger im Cockpit sitzt und an Wettbewerben und Qualifikationen unter anderem zur Deutschen Meisterschaft teilnimmt, ist fasziniert von den Abenteuern in Afrika. "So etwas habe ich noch nie erlebt" sagt er. "Nach dem morgendlichen Briefing haben wir das Flugzeug startklar gemacht und sind durch eine Palmenallee zum Flugplatz, der 'Pfanne', gerollt. Das ist ein im Sommer trockener See mit drei Kilometern Durchmesser; völlig andere Dimensionen als man es von europäischen Segelfluggeländen kennt. Nach dem Start ging es viele hundert Kilometer weg vom Platz unter Wolkenstraßen über Dünenlandschaften, Wüsten und grünen Flusstälern." Für den seltenen Fall, dass sie den Flugplatz nicht mehr erreichen und eine Außenlandung machen müssen, tragen die Piloten Notfallsender am Fallschirm, der es den Helfern erleichtern soll, die im Nirgendwo gestrandeten Flieger zu finden. Handys funktionieren dort fast nirgends. Aus Gründen der Sicherheit dürfen in Bitterwasser nur eigenstartfähige Segelflugzeuge mit einem ausklappbaren Triebwerk fliegen. "Der Motor hilft uns, notfalls sicher zum Flugplatz zurückkehren zu können, was uns jedes Mal auch ohne Einsatz des Triebwerks gelungen ist" berichtet der Herforder. "Außerdem führen wir immer Sauerstoffsysteme an Bord mit, weil wir sehr oft in großen Höhen unterwegs sind, wo selbst erfahrene Piloten ohne diese Hilfe nicht fliegen können. Taschenlampen, ausreichend Wasser und Proviant gehören ebenfalls zur Ausrüstung im Cockpit, da die Flüge häufig über viele Stunden dauern. Körperliche und vor allem mentale Fitness sind neben einer großen Erfahrung im Streckenflug Grundvoraussetzungen für den Segelflug südlich des Äquators."

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