Der Klinikvorstand Stephan Judick hat im Juni ein Defizit von 4,5 Millionen Euro am Herforder Klinikum ausgemacht. - © Peter Steinert
Der Klinikvorstand Stephan Judick hat im Juni ein Defizit von 4,5 Millionen Euro am Herforder Klinikum ausgemacht. | © Peter Steinert

Herford/Celle Klinik-Chef wegen Zweckentfremdung eines Celler Kredits unter Beschuss

Klinikum Herford: Vorstand Stephan Judick erneut mit Vorwürfen aus Celle konfrontiert

Herford/Celle. Die niedersächsische Kreisstadt Celle lässt Klinik-Chef Stephan Judick so schnell nicht los. Und das nicht nur, weil er nach wie vor in Celle wohnt. Obwohl Judick zum 15. Februar 2018 seinen Posten als Vorstandssprecher des Klinikums Herford angetreten hatte, belasten ihn Vorwürfe aus seiner beruflichen Vergangenheit als Vorstand des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Celle, wo er bis Ende 2017 tätig war. Denkbare Parallelen scheinen dabei nur zufällig. Denn nachdem Judick in Herford angetreten war, machte er im Juni zum Erstaunen von Mitarbeitern und Verwaltungsrat ein Defizit von 4,5 Millionen Euro für das Jahr 2017 aus, seine Vorgänger seien dafür verantwortlich. Gut drei Monate später zog wiederum sein Nachfolger in Celle Bilanz und entdeckte dort ein Minus von 16,5 Millionen Euro. Noch im Oktober hieß es, dass geprüft werde, inwiefern Stephan Judick deswegen belangt werden könne. Inzwischen ist geprüft worden. Das Ergebnis fällt laut Cellischer Zeitung (CZ) vom gestrigen Freitag für das AKH desaströs aus. Zugleich steht Stephan Judick zunehmend in der Kritik. So soll die finanzielle Situation am Celler Krankenhaus die schlimmsten Befürchtungen noch übertreffen. Mit einer am Donnerstag vom Celler Kreisausschuss bewilligten Finanzspritze in Höhe von 12 Millionen Euro an das AKH sei eine drohende Insolvenz der Klinik abgewendet worden. "Ohne die Soforthilfe des Landkreises hätte demnach eine Zahlungsunfähigkeit der AKH-Gruppe gedroht, laufende Rechnungen und die Dezember-Gehälter hätten nicht mehr bezahlt werden können", schreibt die CZ. Konkret wird Stephan Judick in die Pflicht genommen. "Ausschlaggebend für die akute Finanznot ist die Zweckentfremdung eines Kredits zu Zeiten, in denen der ehemalige Vorstand Judick in der Verantwortung stand", so die CZ, nach deren Recherchen seit dem Frühjahr 2016 auch laufende Ausgaben von diesem Kredit bestritten worden sein sollen. Eigentlich sei dieser Kredit zur Finanzierung für Neubauten und die Neustrukturierung des Funktions- und Pflegebereichs geplant gewesen. Die gesamte Summe der zweckentfremdeten Gelder liege bei etwa 6 Millionen Euro. Klinik-Chef Stephan Judick möchte sich laut CZ zu dem Sachverhalt nicht äußern. Er lässt sich mittlerweile durch einen Anwalt vertreten, der auch "die Presseberichterstattung aufmerksam und gründlich verfolgen und rechtliche Schritte einleiten" werde, "sofern dies zur Wahrung der Rechte unseres Mandanten erforderlich ist".

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