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Hört auf ihr Kommando: Erwin (v. l.), Yousaph, Liane und Leonie aus der Klasse 3a mit dem voll programmierbaren "mBot" der Digitalwerkstatt. - © Eike J. Horstmann
Hört auf ihr Kommando: Erwin (v. l.), Yousaph, Liane und Leonie aus der Klasse 3a mit dem voll programmierbaren "mBot" der Digitalwerkstatt. | © Eike J. Horstmann

Herford Mobile Digitalwerkstatt lässt Grundschüler kreativ werden

Digitale Denkanstöße

18.12.2018 | Stand 18.12.2018, 15:43 Uhr

Herford. Mit Computern, Tablets oder Smartphones kennen sich die meisten Kinder bestens aus. Ein Wisch, ein Klick - schon flimmert ein Video über den Bildschirm oder wird das nächste Spiel gestartet. Was allerdings hinter der Technik steckt, wie sie funktioniert und wie die Kinder selbst mit digitalen Medien produktiv und kreativ werden können, erfahren die Dritt- und Viertklässler der Grundschule Landsberger Straße durch die "Mobile Digitalwerkstatt" des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW, die bis Ende dieser Woche in Herford Station macht. Während die technischen Geräte immer kleiner und kompakter werden, ist die Digitalwerkstatt von stattlicher Größe und für Schüler und Lehrer praktisch unübersehbar. Zwölf Meter lang und 20 Tonnen schwer ist der Container, in dessen futuristisch anmutender Ausstattung den Kindern digitale Grundkenntnisse vermittelt werden. Die Eltern der Kinder erhalten Informationen in einer eigens für sie von der Landesanstalt für Medien organisierten Abendveranstaltung. »Selbst ein Kuchenrezept ist ein Algorithmus« Und auch die Lehrer werden durch den Besuch der Trainerinnen Nina Redemann und Katarina Dopheide eine Menge lernen. "Unsere Schule hat in der vergangenen Woche iPads bekommen", sagt Schulleiterin Sabine Zülka. "Das passt sehr gut." Das vergleichsweise junge Kollegium der Schule sei der neuen Technik gegenüber sehr aufgeschlossen und habe sich schon im Vorfeld in dem Thema fortgebildet - etwa zu der Frage, was ein Algorithmus überhaupt ist. "Das kann auch ein Kuchenrezept sein", sagt Zülka. Ohnehin habe die bislang gemachte Erfahrung der Digitalwerkstatt gezeigt, dass auch skeptische Pädagogen vom Einzug der digitalen Welt in den Unterricht überzeugt werden konnten. "An vielen Schulen hieß es erst: O Gott, jetzt kommt auch das noch auf uns zu", sagt Monika Pieper, Referentin für Digitales am Schulministerium. Am Ende seien aber alle begeistert und voller Ideen gewesen, wie sie selbst beispielsweise Tablet-Computer wie iPads in ihrem jeweiligen Fach einsetzen können. Denn wenn es nach dem neuen Medienkompetenzrahmen des Landes NRW geht, beschränkt sich die technische Revolution keineswegs nur auf Fächer wie Informatik oder Technik. Die 24 Arbeitsfelder, die von den Schülern durchlaufen werden müssen, umfassen auch Themen wie Informationsrecherche, Cyberkriminalität oder Medienanalyse. "Digitales Lernen ist eine Querschnittsaufgabe", sagt Michael Feldkamp, Medienberater beim Kreis Herford. Wo und wie die Themen im Unterricht behandelt werden, obliege derweil den Schulen. "Es wird einen Austausch unter den Grundschulleitern geben" Die Digitalwerkstatt, die Woche für Woche jeweils eine Schule in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten des Landes anfährt, soll dafür Initialzündung und Denkanstoß sein. Den Kindern zeigen die Trainerinnen in vier verschiedenen Workshops, dass sie sich von Smartphone, Tablet und Computer nicht nur berieseln lassen, sondern dass sie selbstbestimmt mit ihnen umgehen können und die Geräte aktiv nutzen. "Sie sollen vom Konsumenten zum Produzenten werden", beschreibt Nina Redemann das Ziel des einwöchigen Programms. Entsprechend werden die Schüler auch von den Trainerinnen nicht stumpf vor einen Bildschirm gesetzt. Bewusst werden analoge mit digitalen Elementen vermengt, etwa bei der Einführung in das Programmieren. "Im ersten Schritt wird keine Maschine, sondern ein Mensch programmiert", erläutert Katarina Dopheide. So begreifen die Kinder spielerisch, dass die durch einen Helm in einen Roboter verwandelte Trainerin nur noch präzise die Befehle ausführt, die ihr auch gegeben wurden - und dass sie als Maschine über keinen menschlichen Verstand verfügt, mit dem sie von allein den Raum der Digitalwerkstatt durchqueren kann. Auch in den weiteren Workshops sind eher "analoge Skills" und "Meta-Kompetenzen" als reines technisches Können gefragt, etwa beim Basteln der Kulisse eines eigenen Stop-Motion-Films oder die Teamfähigkeit beim Programmieren eines eigenen Computerspiels. Gleichwohl die Grundschule Landsberger Straße die einzige Schule in der Stadt und im Kreis Herford ist, an der die Digitalwerkstatt Station macht, sollen auch weitere Schulen von dem Erarbeiteten und Erlebten profitieren. "Es wird einen Austausch unter den Grundschulleitern geben", sagt Dezernentin Birgit Froese-Kindermann. Auch Monika Pieper vom NRW-Schulministerium wünscht sich, dass die Digitalwerkstatt auf vielen Ebenen Dialoge anstößt: "Wir wollen mit dem Projekt eine möglichst breite Wirkung erzielen."

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