Stadtkämmerer: Matthias Möllers ist seit 2016 auch Geschäftsführer der HVV. - © Stadt
Stadtkämmerer: Matthias Möllers ist seit 2016 auch Geschäftsführer der HVV. | © Stadt

Herford Stadt will Kosten für die Kultur reduzieren

Einsparungen: Das Minus, das das Marta, die Kultur Herford und die Pro Herford jährlich machen, soll für die Jahre 2020 bis 2023 gedeckelt werden. Der Rat entscheidet am kommenden Freitag über diesen Vorschlag

Natalie Gottwald

Herford. Dass Kultureinrichtungen sich meist nicht selbst über ihre Eintrittspreise tragen, ist keine Überraschung. Dennoch gibt es jetzt Überlegungen, den Zuschussbedarf der Herforder Kultureinrichtungen zu beschränken. Für das Jahr 2018 steht unter der Überschrift "Marta" ein Minus von 2,23 Millionen Euro, unter der "Kultur Herford gGmbH" eines von 4,1 Millionen Euro, die "Pro Herford" schreibt in 2018 ein Minus von knapp 900.000 Euro und die "HSS" (Herforder Stadtgarten- und Schützenhof GmbH) eines von 184.000 Euro. Und ähnlich sehen die Zahlen auch für die Vorjahre aus. Deshalb hat der Aufsichtsrat der Herforder Versorgungs- und Verkehrs-Beteiligungs-GmbH (HVV) in seiner jüngsten Sitzung am 27. November einen "zwingenden Konsolidierungsbedarf" festgestellt. Langfristig soll also eine "schwarze Null" für die HVV her. Das hat Auswirkungen - nicht zuletzt auf die kulturellen Einrichtungen der Stadt, die zusammen mit vielen anderen Beteiligungsgesellschaften unter dem Dach der HVV zusammengefasst sind. »Es besteht Handlungsbedarf« Der Vorschlag: Ab dem Jahr 2020 soll - zunächst bis 2023 - eine Begrenzung der Jahresfehlbeträge von sogenannten "dauerdefizitären Tochterunternehmen" umgesetzt werden. Ob das so umgesetzt wird, entscheidet der Stadtrat in seiner Sitzung am Freitag, 14. Dezember. "Die primäre Idee ist, dass wir künftig mit dem Geld, das wir innerhalb der HVV haben, auch auskommen", sagt Kämmerer Matthias Möllers auf Nachfrage der NW. Mit anderen Worten: Die Erträge, die die gewinnbringenden Gesellschaften unter dem Dach der HVV (das sind in erster Linie die Stadtwerke und die Beteiligung an der Westfalen Weser Energie GmbH) erwirtschaften, sollen künftig ausreichen, um die Defizite der anderen auszugleichen. Um das mittelfristig zu erreichen, sollen die roten Zahlen für die Jahre 2020 bis 2023 auf den Minuswert des Jahres 2019 begrenzt werden. Bisher hatten die Mittelfristpläne des HVV-Verbundes eine stetige Steigerung der Fehlbeträge vorgesehen. "Es wird aber eben nicht spontan und von alleine besser. Es besteht Handlungsbedarf", so der Kämmerer. Sollte der Rat am kommenden Freitag dem Vorschlag zustimmen, hätte das große Auswirkungen auf die Kulturbetriebe der Stadt. Das Marta-Museum könnte in den vier betreffenden Jahren 2020 bis 2023 zusammengerechnet 621.000 Euro weniger ausgeben. Die Einrichtungen der Kultur Herford gGmbH müssten im gleichen Zeitraum Einsparungen in Höhe von 724.000 Euro vornehmen. Und die Pro Herford hätte ihre Ausgaben für die Jahre 2020 bis 2023 um 253.000 Euro zu reduzieren. »Wir wollen keine steigenden Defizite planen« Es gebe nur zwei Möglichkeiten, sagt Matthias Möllers. Entweder reiche das vorhandene Geld künftig aus, oder es müssten andere Geldquellen her. In der Ratsvorlage wird auch noch einmal auf eine 2010 verabschiedete Planung verwiesen, die vorsah, dass Defizite der Kultur Herford gGmbH durch den städtischen Haushalt getragen werden. Das war aber nur in Teilen umgesetzt worden. "Wir wollen jedenfalls keine steigenden Defizite planen", sagt Möllers. Die Netto-Neuverschuldung der HVV liege pro Jahr im Schnitt bei rund 2 Millionen Euro. Die vorgeschlagene Deckelung der Fehlbeträge solle dem entgegenwirken. Als nächster Schritt, falls der vorgeschlagene Beschluss im Rat gefasst wird, ist für die erste Hälfte des kommenden Jahres eine Strategiesitzung des HVV angedacht. In dieser sollen die Geschäftsführer der betroffenen kulturellen Einrichtungen dann Konzepte vorstellen, wie sie sich die Einsparungen vorstellen könnten.

realisiert durch evolver group