Poggenpohl spricht Kündigungen aus. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Poggenpohl spricht Kündigungen aus. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Einigung über 52 Kündigungen bei Poggenpohl

Zerwürfnis zwischen Betriebsrat und IG Metall: Gewerkschaft hat nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden ihre Unterstützung in der dritten Verhandlungsrunde zurückgezogen.

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Betriebsrat und Eigner des angeschlagenen Luxusküchenherstellers Poggenpohl haben sich gestern in einer vierten Verhandlungsrunde auf eine unterschriftsreife Vereinbarung verständigt. Danach kann das Unternehmen 52 Mitarbeitern im Januar mit leicht unter der Regel liegender Abfindung kündigen. Am Montag wird das Ergebnis, das sich schon in der dritten Verhandlungsrunde abgezeichnet hatte, im Detail in einer Betriebsversammlung mitgeteilt. Weitere 18 Stellen wurden oder werden abgebaut durch Nichtverlängerung befristeter Verträge, Nichtbesetzung frei gewordener Stellen und vorzeitiger Verrentung von Mitarbeitern. Das teilte der Betriebsratsvorsitzende Andreas Ott gestern Abend auf Anfrage mit. Enttäuscht äußerte er sich über die Gewerkschaft IG Metall, die schon in der dritten Verhandlungsrunde ihre Unterstützung zurückgezogen habe, weil sie dem Arbeitgeber nicht so weit habe entgegenkommen wollen wie der Betriebsrat. Auch der Anwalt des Betriebsrates habe sein Mandat kurzfristig und überraschend niedergelegt. »Wir fühlen uns im Stich gelassen« "Der Betriebsrat fühlt sich im Stich gelassen", schildert Ott die Stimmungslage. 200 der noch 344 Beschäftigten seien in der IG Metall organisiert. "Wir saßen also in einer sehr dezimierten Verhandlungskommission mit dem Eigner Dr. Ulf Lange zusammen und sind uns inhaltlich sehr, sehr nahegekommen," sagte Ott, der seit neun Jahren Betriebsratsvorsitzender bei dem Traditionsunternehmen ist. Der Betriebsrat habe Einsicht nehmen können in ein unabhängiges und seriöses Wirtschaftsgutachten mit teils überraschenden Zahlen, die zum Entschluss geführt hätten, die Zustimmung zu den Kündigungen in Aussicht zu stellen. Betroffen sei die Belegschaft in ihrer ganzen Bandbreite zwischen Produktion und Führungsebene. "Wir wollen den älteren Arbeitnehmern den Einstig in die Rente so gestalten, dass es finanziell einigermaßen geht", sagt Ott. Man arbeite an einem Interessensausgleich und an einem Sozialplan. Abfindung knapp unter der Regel Vereinbart werde eine Abfindung knapp unter der Formel der Regelabfindung von "0,5 X Jahre der Betriebszugehörigkeit X Monatsbrutto". Das heißt: Ein Betroffener mit 5.000 Euro brutto Monatseinkommen und zehn Jahren Betriebszugehörigkeit bekommt weniger, als die daraus eigentlich resultierenden 25.000 Euro Regelabfindung. Soziale Härten seien nicht zu vermeiden, sagte Ott: "Es ist hartes Brot." Das Unternehmen habe Vorstellungen, wem gekündigt werden soll. Bei anderen Themen gibt es eine Schonfrist für die verbleibenden Beschäftigten. Die Zahlung von Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld auf tariflicher Basis sei bis Ende 2020 gesichert, sagte Ott. Über eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich werde frühestens im dritten Quartal 2019 verhandelt. Die Frage, ob Poggenpohl-Mitarbeiter von einer nächsten Tariferhöhung profitieren, stehe erst im nächsten Oktober an.

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