Während des Prozesses: Die vier Männer und ihre Verteidiger im Gerichtssaal. - © Handrik Rashorn Wolfsburger Nachrichten
Während des Prozesses: Die vier Männer und ihre Verteidiger im Gerichtssaal. | © Handrik Rashorn Wolfsburger Nachrichten

Herford Justiz fahndet nach Herforder Islamisten

Kriminalität: Der Mann war zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, hatte die Haftstrafe aber nicht angetreten. Nun ist unklar, wohin er sich abgesetzt hat

Jobst Lüdeking
01.11.2018 | Stand 02.11.2018, 16:31 Uhr

Herford. Die lokale Salafistenszene beschäftigt erneut die Justiz. Die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Braunschweig sucht derzeit nach einem 29-jährigen Islamisten aus Herford. Der Mann, der wie ein weiteres Familienmitglied der hiesigen Salafistengruppe zugerechnet wird, ist seit Wochen abgetaucht. Er hat eine Haftstrafe nicht angetreten, bestätigte Christian Wolters, Sprecher der Staatsanwaltschaft, gegenüber der NW. "Es wird nach ihm gesucht", ergänzte der Staatsanwalt weiter. Wo sich der Flüchtige aufhalten könnte, scheint aktuell unklar. Der Mann hat sowohl Kontakte in die überregionale Salafistenszene aber auch gute Verbindungen in die Türkei. Nach NW-Informationen benutze der Islamist in der Vergangenheit unter anderem Alias-Namen und soll sich etwa Abu Nisa Bin A. genannt haben. Unklar ist auch, warum sich der Mann abgesetzt hat - er ist in Herford verheiratet und hat ein Kind. Gesuchter war Mitglied der Fressnapf-Bande Der Gesuchte war als Mitglied der so genannten Fressnapf-Bande Ende Juni 2017 festgenommen und schließlich im Januar 2018 vom Landgericht Braunschweig zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Die Strafen seiner Komplizen lagen darunter. Das Täter-Quartett hatte durch seine Geständnisse, die zig Verhandlungstage und vor allem die Verlesung hunderter Seiten von Telefonüberwachungsprotokollen unnötig machten, de facto einen umfangreichen Strafrabatt erhalten. Auch stellte das niedersächsische Gericht fest, dass es sich bei den Vieren nicht um eine Bande gehandelt habe. Auch diese Feststellung reduzierte das Strafmaß erheblich. Und die Kammer setzte die Haftbefehle gegen die Männer außer Vollzug, sie kamen frei. Bereits Ende Juni 2017 in Untersuchungshaft Die Gruppe war bereits Ende Juni 2017 in Untersuchungshaft geschickt worden und saß bis zum Urteil ein. Ein weiterer Mittäter des 29-Jährigen ist ebenfalls in der lokalen Salafistenszene bekannt und hat engste Kontakte zu dem Tschetschenen aus Herford, der von den Sicherheitsbehörden als islamistischer Gefährder eingestuft wird. Dieser Komplize hat seine Haftstrafe aber angetreten. Die Mitglieder der Gruppe waren von wohl 2016 an mehrfach in Geschäfte des Unternehmens Fressnapf aber auch in Bäckereien und Büros eingestiegen. Die Tatserie begann in Wolfsburg. Eine auf Einbrecher spezialisierte Ermittlungskommission im benachbarten Braunschweig konnte die vier Männer schließlich in Herford fassen. Die Ermittler gingen zunächst sogar von mehr als 25 Taten und einem Schaden von mehr als 100.000 Euro aus.

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