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Mit Schlaufuchs-Shirt: Caroline Struchholz, Mitarbeiterin der Uni Paderborn, die das Projekt als Partnerin der Stiftung durchführt, und Carina-Geschäftsführer Hans-Ulrich Höhl. - © Corina Lass
Mit Schlaufuchs-Shirt: Caroline Struchholz, Mitarbeiterin der Uni Paderborn, die das Projekt als Partnerin der Stiftung durchführt, und Carina-Geschäftsführer Hans-Ulrich Höhl. | © Corina Lass

Herford So funktioniert das Schlaufuchs-Programm der Carina-Stiftung

Die Einrichtung fördert Gymnasiasten und Gesamtschüler ab der fünften Klasse und oft bis zum Abitur mit dem Schlaufuchs-Bildungsprogramm

Corina Lass
18.10.2018 | Stand 18.10.2018, 14:08 Uhr

Kreis Herford. Die Carina-Stiftung fördert und begleitet nachhaltig Kinder und Familien auf ihrem Erziehungs- und Bildungsweg. Bei der Entwicklung von Projekten geht die Herforder Einrichtung auch neue Wege – strukturiert, systematisch und mit wissenschaftlichem Hintergrund. Zudem lässt sie die Wirksamkeit ihrer Projekte, für die sie sich Partner in Kommunen und Hochschulen sucht, wissenschaftlich überprüfen. Das jüngste dieser Projekte ist das Schlaufuchs-Programm: Es fördert Schülerinnen und Schüler der drei Herforder Gymnasien und der Gesamtschule Friedenstal von der sechsten Klasse bis zum Abitur auf ihrem Bildungsweg. Koordinatorin ist Caroline Struchholz, Mitarbeiterin der Uni Paderborn. Ihr Ansprechpartner auf der anderen Seite ist Carina-Geschäftsführer Hans-Ulrich Höhl. Vor vier Jahren hat die Stiftung angefangen, sich umzusehen, was sie für Kinder ab der Sekundarstufe I tun könnte. Dabei sind sie unter anderem auf „Balu und du" gestoßen, einen Verein, der ein Mentorenprogramm für Grundschulkinder entwickelt hat. Die Idee: Jeweils ein Mentor begleitet ein Kind für mindestens ein Jahr einmal die Woche ein bis drei Stunden, unternimmt mit ihm etwas und ist sein Ansprechpartner. Vier weiterführende Schulen beteiligen sich am Programm Stiftung und Uni haben das Konzept auf die älteren Kinder übertragen und angepasst. Für das Schlaufuchs-Programm schlagen Lehrer der vier beteiligten Schulen besonders motivierte Kinder vor: Viele Kinder können – wegen finanzieller, kultureller oder sozialer Schwierigkeiten – ihre Potenziale nicht voll entfalten. Die Schlaufuchs-Stipendien sollen helfen, Hindernisse zu überwinden. Die Eltern füllen dann eine Art Bewerbungsformular aus. Werden die Kinder in das Programm aufgenommen, stellt ihnen die Stiftung einen Mentor an die Seite. Meist ist das ein Schüler der Oberstufe oder eine Studentin, die diese Aufgabe zunächst für ein Jahr übernimmt. Der Pate oder die Patin trifft sich mit dem Kind einmal die Woche: Auf dem Programm stehen beispielsweise eine Radtour mit Picknick im Park, Eisessen, spielen oder ein Freibadbesuch. Die Paten sind zudem Ansprechpartner der Kinder bei alltagspraktischen und schulischen Fragen. Seit dem ersten Förderjahr sind neun Kinder dabei Seit dem ersten Förderjahr sind neun Kinder dabei. Weitere 14 wurden 2017 aufgenommen, 16 sind es nach den Sommerferien. So soll es weitergehen, bis die ersten Schüler den Schulabschluss in der Tasche haben: Jedes Jahr will die Carina-Stiftung im Schnitt 15 Kinder aufnehmen. Parallel zu den Patentreffen, gibt es ein außerschulisches Bildungsprogramm, das Struchholz selbst begleitet: Die Schlaufüchse gehen dann gemeinsam ins Marta oder ins Teutolab der Uni Bielefeld, sie kochen an der Volkshochschule oder besuchen theaterpädagogische Workshops. Auch Erlebnispädagogik, beispielsweise eine Kanu-Tour, ist möglich. „Wir wollen die verschiedenen Interessen und Talente der Kinder ansprechen", erklärt Struchholz. Die Aktivitäten sollen mit zunehmendem Alter der Kinder anspruchsvoller werden, beispielsweise in der Oberstufe Informationen zu Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten beinhalten. Die Paten müssen ihre Rolle erst finden Die Paten treffen sich immer wieder zum Austausch. Mit Blick auf die Eltern hätten sie viele Fragen zum Thema Distanz und Nähe, sagt Struchholz. „Die Paten müssen ihre Rolle, auch in Bezug auf die Eltern, erst finden", sagt die 28-Jährige. „Da gibt es anfangs Unsicherheiten." Die Stammtische bieten daher immer auch die Möglichkeit, die Patenschaft aus einer fachlichen Perspektive heraus zu beleuchten. Im Alltag gebe es aber keine Probleme, zumal Paten und Eltern einander kennen lernen, wenn die Kinder bei einer Auftaktveranstaltung ins Schlaufuchs-Programm aufgenommen werden. Die Kinder und ihre Eltern seien immer mächtig stolz, dabei zu sein, sagt Höhl. Motivation der Paten mitzumachen sei oft, dass sie der Gesellschaft etwas zurückgeben wollten, sagt Struchholz. Aber auch sie profitieren, zum Beispiel indem sie andere Lebenswelten kennen lernen und so mehr Verständnis für die Belange Anderer entwickeln. Fortbildung von hoher gesellschaftlicher Relevanz für die Paten Die Mentorenzeit der Kinder endet nach zwei Jahren. Danach steht ihnen ein Coach zur Seite. Er ist Ansprechpartner und Begleiter bei außerschulischen Bildungsveranstaltungen. Vielfach bleiben Kinder und Mentoren aber weiterhin in Verbindung. Denn die Bindung ist im Laufe der Patenzeit gewachsen. Das bedeute den Paten auch immer sehr viel, das zeigten die Gespräche bei den Stammtischen, sagt Struchholz. Neuer Baustein im Schlaufuchs-Programm ist seit diesem Sommer ein Bildungsgeld: Die Kinder bekommen 100 Euro im Monat für Schulmaterialien und Bildungsveranstaltungen auf ein eigenes Konto überwiesen. In einer ersten Testphase müssen sie über ihre Ausgaben keine Rechenschaft ablegen. „Das läuft erstmal auf Vertrauensbasis", sagt Höhl. „Sie können auch für einen Computer sparen." Die Stiftung veranstaltet für die Paten zudem eine jährliche, nicht-fachbezogene Fortbildung, in der es um Fragestellungen mit hoher gesellschaftlicher Relevanz geht, zum Beispiel die Sicherheitspolitik, so Höhl. Dafür arbeiteten sie mit dem Bildungsinstitut Haus Rissen in Hamburg zusammen. Allein in diesem Jahr investiere die Carina-Stiftung rund 100.000 Euro in das Projekt Untersuchungen zum Schlaufuchs-Programm stehen noch aus. Eine erste Studienarbeit gibt es zu Erwartungen und Wünschen von Kindern und Projektverantwortlichen. Schon jetzt, am Ende des zweiten Mentoren-Jahres, haben die Schulen aber zurückgemeldet, dass Kinder, die teilnehmen, selbstbewusster sind, dass sie offener und freier ihre Wünsche darlegen. Allein in diesem Jahr investiere die Carina-Stiftung rund 100.000 Euro in das Schlaufuchs-Projekt, sagt Hans-Ulrich Höhl.

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