Erfahren im Wanderritt: Jessica Pohlmann und ihr Norweger Kalani waren im vergangenen Jahr Teil einer Reitergruppe, die nach Kassel zur Documenta geritten ist. Dieses Mal hilft sie einer Freundin, ihr Pferd von Güssefeld nach Bielefeld zu holen. - © Mareike Gröneweg
Erfahren im Wanderritt: Jessica Pohlmann und ihr Norweger Kalani waren im vergangenen Jahr Teil einer Reitergruppe, die nach Kassel zur Documenta geritten ist. Dieses Mal hilft sie einer Freundin, ihr Pferd von Güssefeld nach Bielefeld zu holen. | © Mareike Gröneweg

Herford Herforderin reitet 240 Kilometer durch Deutschland

Um einer Freundin zu helfen, reitet Jessica Pohlmann in sechs Tagen von Güssefeld in Sachsen-Anhalt nach Herford. Dies ist nicht ihr erster großer Ausritt, der sie quer durch die Republik führt

Mareike Gröneweg
01.10.2018 | Stand 01.10.2018, 11:50 Uhr

Herford. Kalani wirkt vor dem Reisebeginn noch etwas müde. "Sie weiß noch gar nicht, was auf sie zukommt", sagt Jessica Pohlmann. Die Herforderin unternimmt bis zum morgigen Dienstag einen Wanderausritt mit ihrem neunjährigen Norweger. In Güsssefeld (Sachsen-Anhalt) ist der sechstägige Wanderritt gestartet, der insgesamt 240 Kilometer zählt. "Das Pferd einer Freundin hat ein Anhängertrauma. Da sie jedoch nach Bad Salzuflen gezogen ist, soll das Pferd von Güssefeld nach Bielefeld umziehen", erklärt Pohlmann den Anlass der Reise. Sie ist daher auf die Idee gekommen, das anhängerscheue Pferd mit einem Wanderausritt nach Bielefeld zu holen. Mit kommt nur, was in eine der drei Packtaschen passt Der lange Ritt ist zumindest für Pohlmanns Pferd Kalani keine Premiere. Denn im vergangenen Jahr war sie teil einer Reitergruppe, die nach Kassel zur Documenta geritten sind. Der Wanderausritt sollte die beiden Documenta-Städte Athen und Kassel miteinander verbinden. Der Kern der Truppe bestand aus fünf Pferden und vier Reitern. Unterwegs konnten sich andere Wanderreiter dem Tross anschließen und Pohlmann war eine von ihnen. "Ich habe dabei viele Erfahrungen gemacht, die ich für die Tour in den kommenden Tagen verwerten kann", sagt Pohlmann. Daher wusste sie auch, dass der Reisekoffer auf das Nötigste reduziert werden muss. Mit kommt nur, was in eine der drei Packtaschen passt, die Kalani schultert. Darin sei ein Erste-Hilfe-Set, Pferdefutter, ein Regenmantel für Reiter, ein paar Kleidungsstücke und einige Hygieneartikel. Damit Kalani nicht sechs Tage lang eine Trense tragen muss, trägt die Stute ein Knotenhalfter mit speziell angefertigten Zügeln. "So ein Wanderausritt ist kein Urlaub", weiß Pohlmann. Auf der sechstägigen Tour übernachten sie auf privaten Höfen, meist auf Feldbetten. "Die Menschen sind sehr hilfsbereit", stellte Pohlmann fest, als sie die Route plante. Den ganzen Tag auf dem Pferd zu sitzen, sei sehr anstrengend, aber das erlebte Freiheitsgefühl sei unbezahlbar. Auch die Beziehung zwischen Kalani und Jessica Pohlmann wird durch den Ausflug gestärkt: "Nach der Documenta 2017 habe ich deutlich gemerkt, dass uns die Erfahrung zusammengeschweißt hat." Pohlmann reitet bereits seit 15 Jahren. Trotz ihrer Erfahrung hat sie Respekt vor dem langen Wanderritt: "Ich bin schon nervös, ob auch wirklich alles so klappt, wie ich mir das vorstelle." Zusätzlich kennen sich die beiden Pferde nicht, die sechs Tage und sechs Nächte miteinander verbringen werden. "Ich nehme an, dass sich auch die Pferde bei dem Wanderritt stark aneinander gewöhnen", sagt Pohlmann. Nach Güssefeld gehts zunächst mit dem Anhänger. Der Kollege von Pohlmann, Jens Bäurich, fährt Pferd und Reiterin hin und mit leerem Anhänger zurück. "Ich finde es super, dass Jessica sowas unternimmt. Da gehört auch viel Mut dazu", findet Bäurich.

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