Herford Interview: „Verbrechen aus der Kinderperspektive“

Literatur: Regina Schleheck hat zehn Jahre in Herford gelebt. Jetzt veröffentlicht die Autorin ihren neuen Roman „Tod in Herford“. Textpassagen daraus liest sie am Mittwoch, 19. September, ab 19 Uhr in der Buchhandlung Otto

Anastasia von Fugler

Ihr neues Buch trägt den Titel „Tod in Herford". Wie kamen Sie als Leverkusenerin auf die Idee, Herford als Handlungsort zu nehmen? Regina Schleheck: Es gab mehrere Gründe. Der eine war auf jeden Fall, dass ich zehn Jahre in Herford gelebt habe. Die Zeit war für mich eine sehr intensive Kinder- und Familienzeit. Deshalb bot sich die Idee an, den Hauptprotagonisten, den 5- jährigen Linus, auch dort anzusiedeln. Ich hatte da viele Bilder und Orte vor Augen, die ich dann wunderbar verwenden konnte.Auf welche Bilder und Orte beziehen Sie sich? Schleheck: Da ist zum Beispiel der Linus. Er lebt in einem kleinen Fachwerkhäuschen, ganz zentral, direkt am Alten Markt, in dem ich auch gewohnt habe. Das Bild ist einfach sehr idyllisch. Ich schreibe in erster Linie eher Kurzprosa, weniger Romane. Und ich habe mir immer vorgestellt, wenn ich mal tatsächlich einen Ermittlerkrimi schreibe, wollte ich auch eine Herausforderung haben, das Ungewöhnliche herauszufiltern. Darum auch das Thema Missbrauch? Schleheck: Ja. Ich finde es spannend, das mal aus der Kinderperspektive zu beleuchten. Ein Verbrechen, das eigentlich ein Tabuthema ist. Und wo war da die Herausforderung, die Handlung in Herford spielen zu lassen? Schleheck: Herford war für mich immer eine wunderschöne Stadt, eine sehr idyllische und friedliche Stadt. Erst später ist die Wahrnehmung eingebrochen, nachdem ein junger Mann, der auch noch in der Grundschulklasse meines Sohnes gewesen war, eine alte Dame im Altersheim vergewaltigt und ermordet hat. Das sind so Dinge, wo man dann im Nachhinein denkt, wie kann das sein? Man kennt dieses Kind. Man kennt diese friedliche, schöne Umgebung. Aber dann tun sich hinter dieser Idylle solche Dinge auf. Und das war so ein bisschen die Herausforderung, die ich speziell mit Herford verbunden habe. Mehrere Szenen in Ihrem Buch spielen im Aawiesenpark. Was verbindet Sie persönlich mit der Grünfläche? Schleheck: Ich war oft mit den Kindern dort, als wir noch in Herford gewohnt hatten. Ein schöner Ort: Man hat zum Beispiel den Bereich des Friedhofs und den Kinderspielplatz – ein Park, der für jeden etwas bietet. Wenn Sie nach Herford kommen für die Lesung, haben Sie vor, länger zu bleiben und Herford ein wenig zu genießen? Schleheck: Das würde ich sehr gerne, aber ich bin berufstätig und kann nur für einen Abend anreisen. Ich bin natürlich im Zuge der Recherche wieder in Herford gewesen und habe immer noch Freunde, die ich hier besuche. Sie lassen sich in Sachen Genre in keine Schublade stecken. Aber tendieren Sie nun doch in die Richtung Krimi? Schleheck: Ich schreibe schon viele Krimis. Das liegt aber auch daran, dass ich von vielen Krimiverlagen angefragt werde. Ich bin auch viel für Lesungen unterwegs und es ist nun mal das Genre, was der Leser sich wünscht. Ich habe auch lange gebraucht, um das zu verstehen, das es auch als Krimi durchgehen kann, was ich schreibe. Das ich eben nicht diese klassischen Ermittlerkrimis schreibe. Welche Krimis schreiben Sie dann? Schleheck: Im Grunde sind es immer Geschichten, in denen sich die Protagonisten mit Problemen krimineller Natur auseinandersetzen und so erfahren, was das mit ihnen macht. Gibt es eine Szene, die Sie aus Ihrem Buch „Tod in Herford" hervorheben würden? Schleheck: Da ist eine ganz entscheidende Szene zum Schluss. Sie spielt im Aawiesenpark. Dort kommen alle wichtigen Protagonisten zusammen. Die habe ich nun als erstes vor Augen, aber wenn ich da jetzt zu viel erzähle,nehme ich viel vorweg. Auch wenn der größte Teil des Handlungsstrangs in Herford spielt, sind auch einige Orte des Buches aus Bad Salzuflen oder Bielefeld.

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