Im Gespräch: Werner Best, Vorsitzender des Werburg-Vereins (rechts) erläutert die Besonderheiten des Dachbodens des Werburg-Herrenhauses. - © Stefanie Boss
Im Gespräch: Werner Best, Vorsitzender des Werburg-Vereins (rechts) erläutert die Besonderheiten des Dachbodens des Werburg-Herrenhauses. | © Stefanie Boss

Kreis Herford Beim Tag des offenen Denkmals hinter historische Türen geblickt

Kreisweit waren am Sonntag zahlreiche geschichtlich interessante Gebäude geöffnet

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Kreis Herford. Kreisweit waren am Sonntag historisch interessante Gebäude geöffnet: Am 25. bundesweiten Tag des offenen Denkmals nutzten das viele Menschen aus dem Kreis Herford. "Es wird abenteuerlich", versprach Werner Best, der Vorsitzende des Werburg-Vereins, den Besuchern an der Spenger Werburg. Erstmals konnten sie dort den sonst nicht öffentlich zugänglichen Dachboden des Herrenhauses besichtigen. Seit 40 Jahren ist das Gut Bustedt nun ein Biologiezentrum Best erläuterte die Besonderheiten: Der Dachboden sei zur Lagerung von Erntevorräten genutzt worden. "Man sieht noch drei Generationen von Winden, mit denen die Vorräte hier herauf transportiert wurden, eine hölzerne, eine gusseiserne und eine elektrische." Anhand der Dachkonstruktion könnten die Besucher zudem erkennen, dass der Dachboden einmal woanders aufgebaut worden war und an der Werburg wiederverwendet wurde. Das Herrenhaus der Werburg wurde im Jahr 1576 erbaut und in der Barockzeit noch einmal stark verändert. Die Wasserburg "Gut Bustedt" in Hiddenhausen wurde im 15. Jahrhundert mit einem Wohnturm mit Kapelle im Erdgeschoss, einem Speicher in der ersten Etage und einem Wohnzimmer in der zweiten Etage, erbaut. Nebenan befanden sich die Wirtschaftsräume. "Im Jahre 1650 kam es in Besitz der Familie von Eller; und aus dieser Zeit stammen auch die Wandmalereien", sagte Christian Grube von der Gemeindeverwaltung. Erst "bei der Restaurierung Mitte der 1980er Jahre kamen diese wieder zum Vorschein und wurden aufwendig wiederhergestellt". Seit 40 Jahren ist das Gut nun ein Biologiezentrum. Fast täglich kommen zwischen vier und sechs Schulklassen vorbei. Am Tag des offenen Denkmals konnten die Besucher auch die exotischen Tiere des Aquariumvereins bestaunen und im Hof Kinderspiele von früher ausprobieren, die von Schülern der Birger-Forell-Sekundarschule aus Espelkamp erklärt wurden. Was es für Anna von Consbruch bedeutet, im Denkmal zu wohnen? "Man muss es lieben", sagte die Herrin von Gut Hiddenhausen. "Aber inzwischen könnte ich mir auch nicht mehr vorstellen in einen Neubau zu ziehen." Das gesamte Gut steht unter Ensembleschutz. Am Sonntag konnten die Besucher durch alle Scheunen gehen, die Kunstwerkstatt besichtigen, durch die Parkanlage schlendern und im Café "Alte Werkstatt" einen Kaffee trinken oder ein Stückchen Kuchen essen. In den Scheunen befindet sich das Holzhandwerksmuseum, in der Kunstwerkstatt konnten Mosaikarbeiten, Getöpfertes oder Blumen aus Filz bestaunt werden. 1665 wurde das Haupthaus von der Familie von Consbruchs erbaut, die es in den vergangenen Jahren aufwendig renoviert hat. Rund 30 Besucher ließen sich auf der Führung von Andreas Förster die Villa Mühlenbach vorstellen "Und dieses Jahr haben mein Mann und ich das erste Mal das Gefühl, fertig zu sein", sagte Anne von Consbruch. Die Museumsschule in Schweicheln wurde 2001 eröffnet. Schon damals war Christa Gante mit im Team: "Es war damals schwierig, finanzielle Unterstützung für dieses Projekt zu bekommen. Darum haben wir einen Verein für die Restaurierung der Schule gegründet", sagte die pensionierte Lehrerin. Rund 57.000 Besucher kamen seither zum historischen Unterricht in die preußische Schule, nicht nur Kinder mit ihren Schulklassen oder zu Kindergeburtstagen. "Inzwischen finden hier auch Trauungen der Gemeinde Hiddenhausen statt." Am Tag des offenen Denkmals konnten die Besucher sowohl die Lehrstube als auch die liebevoll eingerichtete Lehrerwohnung im hinteren Bereich des Hauses, den Speicher im Garten und den Ackerbau, den ein Lehrer früher nebenbei betreiben musste, besuchen. In Vlotho mussten sich die Besucher des Denkmals Haus Malz mit dem anliegenden historischen Garten zufrieden geben: Das Innere des Hauses war wegen Umräum- und Innenarbeiten noch nicht zugänglich. "Es waren viele Gartenfreunde hier", sagt Elke von Wüllenweber von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Von 11 Uhr bis 16 Uhr war sie die Ansprechperson bei Fragen rund um das Denkmal an der Lange Straße. Seit die Familie Malz 1985 aus dem Haus auszog, wird das Gebäude von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz betreut und restauriert. Der gestalterische Mittelpunkt des Gartens ist das kreisrunde, durch Natursteinmauern begrenzte und terrassenartig gestufte Rosarium. Das Rondell wurde in den 1970er Jahre zugeschüttet, seit vergangenem Jahr wird es - auch mit Hilfe von 20 Jugendlichen der Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege der DSD - wiederhergestellt. Neben der farbenfrohen Blütenpracht, die trotz des trockenen Sommers vorhanden war, konnten die Besucher das historische Gartentor begutachten. Einige Bäume mussten deshalb gefällt werden. "Auch die Wildkirsche, die das Tor fast vollständig verdeckte", sagte von Wüllenweber. Der Garten ist von Montag bis Freitag ganztägig geöffnet. Als Arzt hat man anno dazumal gut verdient. Entsprechend hochherrschaftlich präsentierte sich die Villa Mühlenbach in Löhne zum Tag des offenen Denkmals. Das Gebäude aus dem Jahr 1886 wurde von Christian Bauer und Andreas Förster im Jahr 2016 gekauft. Sie haben das Gebäude, das viele Jahre leer stand, in liebevoller Kleinarbeit restauriert und ihm seinen alten Glanz zurückgegeben. Rund 30 Besucher ließen sich auf der Führung von Andreas Förster das Haus vorstellen. Es sei eine Renovierungsphase voller Überraschungen gewesen. "Ich hatte schon den Vorschlaghammer angesetzt und wollte eine Wand einreißen", erinnert sich Förster. Zum Glück habe er die Fläche untersucht und dann hinter der vermeintlichen Wand eine historische Schiebetür entdeckt. Förster und Bauer organisieren in der Villa Konzerte, Lesungen und Puppentheater. Ab Januar 2019 soll man dort auch standesamtlich heiraten können.

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