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Setzen auf die Sprache als Schlüssel zur Integration: Sprachschüler Ahmad Al-Omar (v. l.), Edda Barteit (AWO), Stefan Schwartze (MdB), Klaus Binnewitt (Leiter Jobcenter Herford), Sprachschülerin Rowena Naish, Staatssekretärin Kerstin Griese, Luba Maier (AWO), Torsten Klute (AWO Vorstand), Norbert Wellmann (AWO Präsidium) und Herfords Bürgermeister Tim Kähler. - © Foto: Eike J. Horstmann
Setzen auf die Sprache als Schlüssel zur Integration: Sprachschüler Ahmad Al-Omar (v. l.), Edda Barteit (AWO), Stefan Schwartze (MdB), Klaus Binnewitt (Leiter Jobcenter Herford), Sprachschülerin Rowena Naish, Staatssekretärin Kerstin Griese, Luba Maier (AWO), Torsten Klute (AWO Vorstand), Norbert Wellmann (AWO Präsidium) und Herfords Bürgermeister Tim Kähler. | © Foto: Eike J. Horstmann

Herford AWO-Sprachförderung stellt ihr Erfolgsmodell Staatssekretärin Kerstin Griese vor

Förderung: Damit weiter alle Zuwanderer in berufsbezogenen Sprachkursen lernen können, diskutierten AWO-Mitarbeiter mit Staatssekretärin Kerstin Griese. Denn für einige steht das Angebot auf der Kippe

Eike J. Horstmann
05.09.2018 | Stand 06.09.2018, 12:23 Uhr

Herford. Da staunten selbst die Experten: Ahmad Al-Omar berichtete, wie er innerhalb von zwei Jahren einen Ausbildungsplatz ergattert hatte - und das nahezu in fließendem Deutsch. "Ich war im Libanon und in Syrien immer Klassenbester, und das will ich hier auch sein", sagte er lächelnd. Ahmad Al-Omar war als Beleg für die erfolgreiche Arbeit der Sprachförderung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zum Gespräch mit der parlamentarischen Staatssekretärin für Arbeit und Soziales, Kerstin Griese, in das AWO-Bildungszentrum geladen. Die gute Bilanz des 21-Jährigen war nicht die einzige Erfolgsgeschichte, die der SPD-Politikerin bei ihrem Besuch in Herford präsentiert wurde. Auf Einladung von Thorsten Klute (Vorstand des AWO-Bezirksverbandes OWL), Stefan Schwartze (MdB, SPD) und Bürgermeister Tim Kähler erhielt sie einen Eindruck davon, wie die Arbeiterwohlfahrt durch die berufsbezogene Sprachförderung einen wichtigen Teil dazu beiträgt, zugewanderte und geflüchtete Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Und dies gelinge ausgesprochen gut, wie Klute betont: Ein "gutes Viertel" der 1.800 Kursteilnehmer am Standort Herford hätten in den vergangenen Jahren direkt eine sozialversicherungspflichtige Stelle erhalten. Und dies auch in Berufen, in denen händeringend nach Fachkräften gesucht wird. Die Teilnehmer besichtigen Betriebe, absolvieren Praktika und werden sozialpädagogisch betreut Hierzu setzten die Herforder neben der reinen sprachlichen Förderung auch auf Betriebsbesichtigungen, Praktika und sozialpädagogische Betreuung der Teilnehmer, die mitunter in ihren Heimatländern bereits eine andere Ausbildung absolviert hatten und sich so auch in neuen Berufsfeldern orientieren konnten. "In vielen Ländern sind Pflegeeinrichtungen wie in Deutschland unbekannt", erläutert AWO-Mitarbeiterin Edda Barteit. Durch die in den Kursen gewonnenen Einblicke entstünden neue Berufswünsche in zuvor fremden Bereichen, wie eben in der Pflege, aber auch in der Hauswirtschaft, als Hausmeister oder auch als Erzieher in Kindergärten. Für diese "Umschüler" setzten sich die Teilnehmer des Gesprächs bei Griese besonders ein, da die berufsbegleitende Sprachförderung für sie auf der Kippe steht. Weil die Finanzierung der Kurse durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) ausläuft und sie nun durch Bundesmittel gefördert werden, müssen Angebote umstrukturiert und neu gestaltet werden. Hier befürchtet die AWO, dass Menschen mit einer vorhandenen Berufsausbildung aus dem Programm herausfallen - wovor sie die Staatssekretärin eindringlich warnte. "Es ist wichtig, dass wir diese Zielgruppe weiter fördern und den Menschen eine Perspektive schaffen", betonte Klute. »Integrationskurse sind derzeit noch ein Flaschenhals« Griese versprach sich dafür einzusetzen, dass die berufsbezogene Deutschsprachförderung für alle offen bleibt, gleichwohl durch die neue Finanzierung "nicht jedes Element so flexibel wie bisher" weitergeführt werden könne. "Der Schlüssel zur Integration ist und bleibt die Sprache", betont die Sozialdemokratin. An der Summe des Geldes werde dies zudem nicht scheitern: Die im Bundeshaushalt für die berufsbezogene Sprachförderung veranschlagten 470 Millionen Euro seien 2018 noch nicht abgerufen worden, da noch zu wenige Zuwanderer die als Voraussetzung dafür notwendigen Integrationskurse durchlaufen hätten. "Das ist derzeit noch ein Flaschenhals", erläuterte Griese. "Die Zahlen steigen aber." So begannen 2017 noch 76.000 Menschen eine berufsbezogene Sprachförderung, 2018 waren dies bereits 88.000. Bürgermeister Tim Kähler bezeichnete es als "wunderbares Signal" aus der Hauptstadt, dass der Erfolg der Integrationsmaßnahme durch die Finanzierung durch Bundesmittel verstätig worden sei. "Wir sind mit Blick auf den Fachkräftemangel gut beraten, Menschen zu fördern, die sich an die Spielregeln halten, auf dem Boden des Grundgesetzes stehen und durch ihrer Hände Arbeit ein gutes Leben führen wollen." Herford hätte durchaus noch die Kraft, noch mehr für die Integration von Flüchtlingen zu tun. Dafür müsse jedoch die Landesregierung ihre "Versprechen einhalten" und dafür sorgen, dass geduldete Flüchtlinge den Kommunen "nicht auf der Tasche" liegen. "Das sind allein in Herford eine Million Euro - das Geld könnte man sehr gut auch in andere Maßnahmen investieren", so Kähler. Kerstin Griese sicherte ihren Gesprächspartnern im AWO-Bildungszentrum zu, die Anregungen aus Herford mit nach Berlin zu nehmen. Eine besonders griffige kam dabei direkt von den Kursteilnehmern: "Weniger Grammatik, mehr Praxis."

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