Regenschirme als Sonnenschutz: Die Gruppe aus dem Vlothoer Simeonsstift des Johanneswerks genoss die Stimmung. - © Natalie Gottwald
Regenschirme als Sonnenschutz: Die Gruppe aus dem Vlothoer Simeonsstift des Johanneswerks genoss die Stimmung. | © Natalie Gottwald

Kreis Herford Mit Demenz mitten in der Gesellschaft

3. Move for Dementia: Auf dem Rathausplatz wird getanzt und gesungen. 128 Städte in elf Bundes- und neun EU-Ländern beteiligen sich. Als Gastredner ist Franz Müntefering nach Hiddenhausen gekommen

Kreis Herford. Für ein Leben mit Demenz in Gemeinschaft zu werben und mit diesem Ansinnen so viele Menschen wie möglich zu erreichen - das ist das Ziel des Aktionstages "Move for Dementia". Die Idee stammt aus dem Kreis Herford. Federführend waren da Günter Niermann vom Generationentreff Enger und Manuela Schock, Leiterin des Stephanushauses in Hiddenhausen. Jetzt fand der Aktionstag, an dem sich wieder zahlreiche Partner beteiligten, bereits zum dritten Mal auf dem Rathausplatz der Großgemeinde statt. Doch nicht nur hier fanden viele zusammen, um ein Zeichen für Menschen mit Demenz und eine offene Gesellschaft zu setzen. "Den Move for Dementia gibt es in diesem Jahr in 128 Städten in elf Bundes- und neun EU-Ländern", sagt Günter Niermann. In Hiddenhausen stellten sich verschiedene Initiativen aus dem Kreisgebiet vor, und viele Gruppen aus Seniorenheimen waren auch gekommen. Und der Generationenmix stimmte: Mitveranstalter, der Kindergarten Taka-Tuka-Land, hatte die kleinsten Besucher mitgebracht, die zur Musik der Band "Krawallo" ordentlich mitmachten und der erstmals gleichzeitig - ebenfalls in Hiddenhausen stattfindende Widufixlauf (die NW berichtete) spülte nach und nach Familien und Sportler jedes Alters in ihren gelben Laufshirts auf den Platz. "Hier ist richtig Leben - und genau so soll es ja auch sein", freut sich Manuela Schock. Ob das Tanzen für Körper und Seele, das der Kreissportbund am Vormittag anbot, der Auftritt des Gospelchores Eilshausen oder das Walking-Fußball-Turnier, das die Schalke-All-Stars-Mannschaft aus Gelsenkirchen für sich entscheiden konnte - es gab allerhand zu gucken und auch viele Gelegenheiten, sich zu informieren, mitzumachen oder einfach dabei zu sein - je nach Möglichkeit und Laune. Zum Abschluss gab es dann noch einen besonders charismatischen Gastredner: Franz Müntefering, ehemaliger Vize-Kanzler und SPD-Bundesvorsitzender und heutiger Botschafter des Programms "Bewegt älter werden in NRW" war auf Einladung des Kreissportbundes gekommen. Man sei nie zu alt, um Sport zu treiben, mahnte der heute 78-Jährige. "Bewegung ernährt das Gehirn - es reicht oft schon, die Treppen zu nehmen und nicht drum herum zu gehen oder morgens zum Brötchenholen zu Fuß zu gehen und eben nicht das Auto zu nehmen." Auch zum Thema Demenz hatte "Münte" eine Botschaft mitgebracht: "Niemand sollte weglaufen vor dieser Krankheit, und Betroffene sollten sich im Frühstadium bereits einer sportlichen Gruppe anschließen. Denn es gibt zwei Dinge, die gut sind: Bewegung und Begegnung." Wichtig sei außerdem, sich der Erkrankung zu stellen und sich eine richtige Diagnose stellen zu lassen. "Es gibt viele verschiedene Arten von Demenz, und nur wenn eine professionelle Diagnose vorliegt, wissen alle, womit sie es wirklich zu tun haben", so Franz Müntefering.

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