Kurz vor dem Start: Die Schüler haben sich drei Tage lang intensiv mit den Vorbereitungen und ihren wissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigt. Jetzt ist es gleich soweit und die Gruppe ist gespannt, ob alles wie geplant klappt und ob es Antworten gibt. - © Natalie Gottwald
Kurz vor dem Start: Die Schüler haben sich drei Tage lang intensiv mit den Vorbereitungen und ihren wissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigt. Jetzt ist es gleich soweit und die Gruppe ist gespannt, ob alles wie geplant klappt und ob es Antworten gibt. | © Natalie Gottwald

Herford Schüler schicken einen besonderen Ballon los

Projekt: Schüler des Ravensberger Gymnasiums lassen einen Ballon mit Kameras, einem Datenlogger, GPS-Geräten und einem speziellen Sender steigen. Auch ein Beet Kresse geht in die Luft

Natalie Gottwald

Herford. Es ging bis zum Schluss nicht alles glatt: Eine Gruppe aus 13 Schülern der Jahrgänge 8 bis 12 des Ravensberger Gymnasiums (RG) hat sich von Donnerstag bis Samstag einem Weltraum-Projekt gewidmet. Unter dem Titel "Am Rande des Weltalls" sollte ein Wetterballon, gefüllt mit einem Helium-Gemisch, eine Sonde auf die Reise in die Stratosphäre, rund 40 Kilometer in Richtung Weltall schicken. Doch schon der zunächst für Freitag geplante Start musste verschoben werden. "Wir brauchten die Starterlaubnis der Flugsicherung, und da es am Freitag ziemlich bewölkt war, haben wir die nicht bekommen", berichtet Christine Werner, Lehrerin und MINT-Koordinatorin am RGH. Der Ballon habe als Flugobjekt für den Luftraum angemeldet werden müssen, und da kleinere Flugzeuge häufig auf Sicht fliegen, habe es bei bewölktem Himmel die Starterlaubnis nicht gegeben. Der neue Termin: Samstag, 10 Uhr. Und da spielte nun das Wetter mit. Bei Sonne und größtenteils blauem Himmel bereiteten die Schüler unter Anleitung von Marcel Diering und Tobias Lohf von der Blomberger Firma "Stratoflights" alles vor. Eine Styroporbox wurde mit Kameras, Datenlogger für die Erfassung zahlreicher Messwerte, vier GPS-Geräten und einem APRS-Sender, mit dem Live der Standort der Sone beobachtete werden konnte, ausgestattet. Am Samstag klappte alles zunächst reibungslos Dann ging es ans Befüllen des Ballons aus Naturkautschuk. "Wir nehmen dafür Ballongas - das ist ein Gemisch, das zum allergrößten Teil aus Helium besteht", erklärte Diering. Gleichzeitig befüllten Julia Schmidt und Carla von Monkiewitsch drei an der Styroporbox befestigte Reagenzgläser. "Wir nehmen Wasser, Spiritus und Öl", erklären die beiden 13-jährigen Schülerinnen. "Wir wollen sehen, bei welchen Temperaturen die Flüssigkeiten gefrieren und wie sie sonst so reagieren - da oben, in rund 40 Kilometern Höhe, kann es nämlich bis zu minus 65 Grad kalt werden und auch Luftdruck und Luftfeuchtigkeit wirken sich aus." Auch ein Beet Kresse schicken die Schüler mit auf die Reise Richtung All. "Wir wollen wissen, wie organische Stoffe, eine Pflanze, auf die besonderen Bedingungen reagiert. Vielleicht wächst sie hinterher sogar noch einmal weiter", erklärt Julia. Nahezu reibungslos verlief dann der Start. In Richtung Soest fliege der Ballon - das konnten die Schüler schon anhand der GPS-Daten verfolgen. "Der Ballon wird sich mit zunehmender Höhe immer mehr aufblähen, bis er irgendwann platzt", erklärt Tobias Lohf, was nun passieren würde. "Er wird die Ozonschicht durchfliegen und in der Stratosphäre, die von 35 bis 40 Kilometern Höhe bis 100 Kilometer Höhe ist, irgendwann platzen." Mit einem kleinen roten Fallschirm werde der Inhalt der Styroporbox inklusive Sonde und weiterem Equipment dann wieder in Richtung Erde fallen. Soweit die gute Planung des wissenschaftlichen Experimentes, das durch den Kooperationspartner "experiMINT" finanziert wurde, um Schülern die Möglichkeit zu geben, praktische Erfahrungen mit naturwissenschaftlichen Fächern zu sammeln. Und diese Erfahrungen entpuppten sich dann als sehr realitätsnah: "Wir konnten die Sonde am Samstag leider nicht bergen", berichtete Tobias Lohf am Sonntagvormittag auf Nachfrage. »Es kann immer Unvorhergesehenes passieren« Die Koordinaten hätten einen Ort nahe Lippstadt angezeigt, wo die gesamte Gruppe dann mit vier Autos hingefahren sei. "Das war mitten in einem Naturschutzgebiet", so Lohf. Eine Weide voller Auerochsen habe der Schülergruppe den weiteren Weg zur Sonde versperrt. "Später haben wir die Box hinter der Weide in rund 40 Metern Höhe in der Krone einer Pappel entdeckt", so Lohf. Da hänge sie jetzt immer noch. "Auch mit Teleskopstangen war in der Höhe nichts zu machen." Und die Herforder Schüler hoffen jetzt auf einen kräftigen Windstoß. Erst dann könne die Sonde und mit ihr die Ergebnisse des wissenschaftlichen Versuchs geborgen werden. "Das gehört zu solchen Versuchen eben auch dazu", sagt Lohf. "Auch bei bester Planung kann immer noch Unvorhergesehenes passieren."

realisiert durch evolver group