Auf der Herder Brücke: Doris Eichholz (2. v. l.) und Jens Korff (l.) vom BUND erklärten Christian Tepe (r.) und seinen Studenten beim Stadtrundgang unter anderem, wie viele alte Bäume entlang des Walls um die Altstadt stehen. Hier weist Eichholz auf die alten Ulmen (Bildmitte) hin. - © Natalie Gottwald
Auf der Herder Brücke: Doris Eichholz (2. v. l.) und Jens Korff (l.) vom BUND erklärten Christian Tepe (r.) und seinen Studenten beim Stadtrundgang unter anderem, wie viele alte Bäume entlang des Walls um die Altstadt stehen. Hier weist Eichholz auf die alten Ulmen (Bildmitte) hin. | © Natalie Gottwald

Herford "Fantastische Aufenthaltsqualität": So sehen Auswärtige die Stadt Herford

Studenten der Bio-Ethik von der Osnabrücker Universität waren zu einer Exkursion zu Gast. Initiator war ihr Dozent, der vor einiger Zeit ganz zufällig seine Liebe zu Herford entdeckt hatte

Natalie Gottwald

Herford. Es ist schon einige Zeit her, dass Christian Tepe sich in die Stadt Herford verguckte. Der Dozent für Bio-Ethik an der Osnabrücker Universität war mit dem Fahrrad unterwegs und musste eigentlich nur am Bahnhof umsteigen. „Ich hatte aber ein wenig Zeit und landete rein zufällig auf dem Wall", erzählt Tepe. Dort sei ihm sofort die „fantastische Aufenthaltsqualität" aufgefallen, sagt er. Doch das war nur einer der Gründe, weshalb er jetzt mit rund 20 seiner Studenten zu einer Exkursion nach Herford kam. „Entwicklungsperspektiven der Stadtökologie" lautete die Überschrift des Rundgangs, der von Doris Eichholz und Jens Korff von der Stadtgruppe Herford des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) angeführt wurde. Einen besonderen Blick richteten die Beiden bei den Erklärungen für die Stundenten auf die Stadtgeschichte und auf alte Bäume entlang des Walls. »Plätscherndes Wasser ist super gegen Stress« „Das ist das Besondere: das Wechselspiel zwischen Bäumen und Wasser", meint Student Timo Zabel. Der 27-Jährige hatte sofort Lust, sich auf eine Bank zu setzen und dem Plätschern des Wassers zu lauschen. „Es gibt nichts Besseres gegen Stress", meint er. „Ich kann nicht verstehen, dass das nicht mehr vermarktet wird." Er habe schon häufiger beobachtet, dass Kommunalpolitiker und Menschen in einer Stadt die Qualität, die sie vor Ort hätten, nicht mehr wahrnähmen, sagt Christian Tepe. Da sei manchmal ein Außenblick wertvoll, damit die „kleinen Schätze einer Stadt" wieder wahrgenommen würden. Doris Eichholz machte beim Rundgang darauf aufmerksam, dass bei Umgestaltungen – zum Beispiel am Stadtgraben – die vorhandenen alten Bäume in den Plänen gar nicht auftauchten. „Natürlich ist es wünschenswert, dass hier und da das Wasser aus dem Betonbett befreit wird. Das ist absolut in unserem Sinne. Aber wo es möglich ist, sollten alte Baumbestände berücksichtigt und erhalten werden und nicht einfach überplant." Auf dem Wall ist es so ruhig Jens Korff machte die Studenten immer wieder auf alte Baumbestände aufmerksam, zum Beispiel auf die alten Trauerweiden nahe des Hexenkolks oder auf geschätzt rund 120 Jahre alten Ulmen, die in unmittelbarer Nähe zur Herder Brücke stehen. „Hier wird demnächst etwas verändert werden, und da ist es wünschenswert, dass weder die alten Ulmen noch die schönen Trauerweiden an der aufgestauten Aa überplant werden", so Doris Eichholz. Vom Start am Steintor aus ging die Gruppe in Richtung Pöppelmann-Haus und immer weiter den Wall entlang. Als die Studenten schließlich abbogen und zum Wilhelmsplatz hin den Innenstadtring überquerten, fiel ihnen wieder der große Vorteil der Herforder City auf: „Selbst wenn man zum einkaufen hierher kommt, hat man immer wieder Gelegenheit, durch eine der hübschen Stichstraßen schnell zum Wall zu gelangen. Und da ist Ruhe." Am Wilhelmsplatz traf die Exkursionsgruppe schließlich noch auf Stadtführer Mathias Polster und Stadtplanerin Nana Lieberum, die ihnen sowohl die Geschichte des Platzes und der Straße als auch die Planungen für die Zukunft näher brachten. „Ich komme bestimmt bald mal mit meiner Freundin zu einem Ausflug hierher", versprach Student Timo Zabel.

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