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Der Bürgermeister wollte nicht: Heinz Richter, Präsident der Schützengesellschaft (v. l.), sticht unter den Augen von Brauer Sven Bleiber und Andre Pilz, Gebietsleiter Kreis Herford, das Fass Barre-Bräu an. - © Mareike Gröneweg
Der Bürgermeister wollte nicht: Heinz Richter, Präsident der Schützengesellschaft (v. l.), sticht unter den Augen von Brauer Sven Bleiber und Andre Pilz, Gebietsleiter Kreis Herford, das Fass Barre-Bräu an. | © Mareike Gröneweg

Herford Streit ums Bier: Getrübte Partnerschaft zwischen Herforder Brauerei und Schützen

Wenn's zum Fest statt "Herforder" "Barre Bräu" gibt

Christina Römer
21.08.2018 | Stand 21.08.2018, 11:53 Uhr
Peter Steinert

Corina Lass

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Wer weiß, welches Bier den Schützen im Gründungsjahr 1832 mundete? Herforder Pils kann es nicht gewesen sein. Denn das wird erst seit 1878 gebraut. Darauf verwies Sylvia Czentarra-Thies als Vize-Präsidentin der Schützengesellschaft, die beim Schützenfest am vergangenen Samstag das erste Fass Bier durch Bürgermeister Tim Kähler anstechen lassen wollte. Der verzichtete demonstrativ. Und überließ Präsident Heinz Richter diese Aufgabe, weil die Schützen ihre Biermarke gewechselt hatten und mitten in der Stadt nach Jahrzehnten kein "Herforder", sondern "Barre-Bräu" zischen lassen wollten. In den sozialen Medien schäumte prompt die Entrüstung. »Herforder Pils ist ein großer Werbeträger der Stadt« "Ich hatte den Schützen im Vorfeld gesagt, dass sie mich nicht für den Fassbieranstich einplanen sollen, wenn sie Barre dort hinstellen", sagt Bürgermeister Tim Kähler. "Herforder Pils ist ein großer Werbeträger der Stadt. Zudem ist die Brauerei ein hervorragender Partner bei der Ausrichtung von vielen Veranstaltungen", meint Kähler und führt als Beispiel das Hoekerfest auf, das ohne Herforder Pils nicht denkbar sei. Kähler betont, er habe ein gutes Verhältnis zu den Schützen. "Ich hoffe, dass sie wieder mit der Brauerei zusammen finden." Wie es von den Schützen hieß, sei der zuletzt bestehende Vertrag zwischen der Schützengesellschaft und der heimischen Brauerei erfüllt worden, obwohl die Laufzeit noch nicht beendet gewesen sei. Neue Verhandlungen mit der Warsteiner Gruppe, die die Herforder Brauerei 2007 übernommen hatte, seien fehlgeschlagen. Ohnehin wären die Schützen zuletzt nicht mehr mit der Unterstützung seitens der Herforder Brauerei zufrieden gewesen. Einzelheiten zu den Konditionen wollte Czentarra-Thies auf NW-Nachfrage nicht nennen. Ähnlich äußerte sich Brauerei-Marketing-Leiter Peter Lohmeyer. Eine künftige Zusammenarbeit sei nicht ausgeschlossen. Lohmeyer: "Wir waren und sind immer zu Gesprächen bereit und haben unsere Kooperationsbereitschaft jeder Zeit zum Ausdruck gebracht. Für uns sind Vereine, heimische Feste und Brauchtum sehr wichtig und daran wird sich nichts ändern. Wir unterstützen in der Region über 200 Vereine und werden auch zukünftig unseren Beitrag leisten." Das schließe Schützenvereine ein: "In der Warsteiner Gruppe haben wir zusammen mit der Universität Paderborn an einer Schützenstudie gearbeitet - das Thema 'Vereinswesen' liegt uns sehr am Herzen." Das gilt wohl auch für die Barre-Brauerei, die laut Schützenvize-Präsidentin Czentarra-Thies schon beim Kreiskönigsball des vergangenen Jahres als Partner bevorzugt wurde. Zudem sei die Herforder Brauerei durch die Übernahme für die Schützen kein Familienunternehmen mehr, das treffe eher auf "Barre" zu. Für Oktober 2019 erwarten die Schützen 4.000 Gäste Die Herforder Brauerei war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil die Warsteiner Gruppe bis zum Jahresende einen Kooperationspartner suchte, um den Standort in Hiddenhausen-Sundern besser auslasten zu können. Ersatzweise sollte die Brauerei verkauft werden. Aus Warstein heißt es, dass es diesbezüglich "nichts Neues" (Unternehmenssprecher Jens Bergfeld) gebe. Mitarbeiter schlossen unterdessen nicht aus, dass die Warsteiner Gruppe womöglich von diesen Plänen abrückt und den Standort Sundern wieder stärken wolle. Ohnehin sei der Abfüllvertrag mit Edeka Rhein/ Ruhr erst unlängst um mehrere Jahre verlängert worden. Womöglich lässt das auch die Herforder Schützengesellschaft umdenken, die ihre Kooperation mit "Barre-Bräu" vorerst auf zwei Jahre ausgerichtet hat. Folglich wird es das Bier aus Lübbecke auch im nächsten Jahr geben, wenn die Schützengesellschaft Ausrichter des Westfälischen Schützentags am 4. und 5. Oktober 2019 sein wird und wenn bis zu 4.000 Gäste erwartet werden. Für die meisten Nutzer der Facebook-Seite der NW-Herford geht der Wechsel zu einem anderen Bier gar nicht: "Barre Bräu: Das Bier ist nicht schlecht, aber der Tradition wegen sollte und muss es meiner Meinung nach Herforder Pils sein", schreibt beispielsweise "Julia Leu". "Schützenfest in Herford ohne Herforder Pils und das dann noch mitten auf'm Alten Markt in Herford - für mich ein No Go." Und "Rolf Götting" fragt: "Wo bleibt die Loyalität zur Heimat, zum herrlichen Herforder? Ein Verein, der auf Tradition nicht mehr achtet, ist auf Dauer zum Scheitern verurteilt." Die Äußerungen fallen in den sozialen Medien auch mal drastischer aus, was der Anonymität geschuldet ist. Denn nicht alle melden sich dort mit ihrem tatsächlichen Namen an. Hier ist so eine Äußerung: "Und dann Barre? Diese Jauche, schämt euch, und das als Herforder Verein! Pfui", schreibt "Bruno Popowski". Oder: "Barre beim Herforder Schützenverein . . . was 'ne Opfertruppe . . .", so "Michi Cityhopper". Es gibt aber auch andere Stimmen: "Denjenigen, die sich noch für Schützenfeste interessieren, ist das Bier doch eh egal", so "Michael Avramopoulos". "Hauptsache, es gibt was zu trinken. Diejenigen, die sich über Barre beklagen, waren wahrscheinlich eh nicht auf dem Schützenfest." Und "Ute Sturm" hat beobachtet: "Etwas war gestern merkwürdig, einige Schützen holten sich Herforder Pils aus der Gaststätte." Dass es auch anders geht, machte Peter Lohmeyer deutlich. Die Frage nach dem Schützenfestbier in Warstein beantworte er wie folgt: "In Warstein trinken die Schützen und alle Besucher des Schützenfestes selbstverständlich leckeres Warsteiner."

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