Ausbildungsplatzbörse Güterbahnhof: Feinmechaniker-Azubi Marcel Kokott (v. l.) erklärt den Schülern Timo Nolte, Chantal Stötzer, Alesja Janowska, wie diese Maschine funktioniert. Frank Schröder, Geschäftsführer FSM Maschinenbau, hört zu. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Ausbildungsplatzbörse Güterbahnhof: Feinmechaniker-Azubi Marcel Kokott (v. l.) erklärt den Schülern Timo Nolte, Chantal Stötzer, Alesja Janowska, wie diese Maschine funktioniert. Frank Schröder, Geschäftsführer FSM Maschinenbau, hört zu. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Herford

NW-Sommergespräch: Kreis Herford schneidet im Bundesvergleich bei der Quote zwar nach wie vor schlecht ab, die Zahlen sind laut Landrat Jürgen Müller aber besser geworden

Peter Steinert

Kreis Herford. Schule – Abschluss – Ausbildung – Karriere. Für diese Erfolgsleiter brauchen junge Leute im Kreis Herford Kondition. Bis zuletzt schnitt die heimische Region im Hinblick auf das Angebot an Ausbildungsplätzen im Bundesvergleich schlecht ab, wie zu Jahresbeginn eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) in Köln belegte. Auf 100 Bewerber entfielen laut Agentur für Arbeit 65 freie Lehrstellen. „Der Ausbildungsmarkt im Kreis Herford ist aber ein Stückchen weit in Bewegung geraten. Die Zahlen sind immer noch nicht ausgeglichen, aber besser geworden", sagte Landrat Jürgen Müller im Sommer-Interview mit der NW. Der Kreis Herford selber hatte für das zum 1. August beginnende Ausbildungsjahr 25 zusätzliche Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Müller: „Das Land hat auch da ein Programm aufgelegt, das etwas bessere Bedingungen hat, als unsere Ausschreibung." "Wir haben Ausbildungsstellen, wir haben junge Menschen, aber wir kriegen die nicht zueinander gebracht" Wobei der Landrat Hürden erkennt: „Das, was immer mehr zum Problem auf dem Ausbildungsmarkt wird, ist die Passung. Wir haben Ausbildungsstellen, wir haben junge Menschen, aber wir kriegen die nicht zueinander gebracht. Ein Grund könnte sein, dass sich viele Jugendliche auf die Berufe konzentrieren, die sie kennen." Dabei sei der Kreis längst von sich aus aktiv geworden, wie Jürgen Müller berichtet: „Wir beteiligen uns an der Landesinitiative ,Kein Abschluss ohne Anschluss’ (KAOA), haben die Praktika in der 8. Klasse und den Berufsfindungstag." Das scheine aber im Moment nicht ausreichend zu sein. „Da ist natürlich nicht nur die öffentliche Hand, da sind auch die Unternehmen gefordert", sagte der Landrat und bezog sich auf den Herforder Firmenchef Heiner Wemhöner, der sich wiederholt für ein gesteigertes Engagement der Unternehmer bei der Ausbildung eingesetzt hatte. Hettich wünscht sich mehr Bewerbungen auf Ausbildungsplätze Jürgen Müller: „Es gibt Wemhöner, Kannegiesser, Hettich oder kleinere Unternehmen, die eine gute Ausbildung machen. Auch die anderen Betriebe müssen in diesen Bereichen mehr investieren, die müssen auf die jungen Leute zugehen." Seine Prognose: „Der Ausbildungsmarkt wird zum Bewerbermarkt, auf dem sich die Schulabgänger künftig die Ausbildungsstellen aussuchen können. Soweit sind wir zwar noch nicht, ich nehme aber an, dass das mittel- oder langfristig kippt. Unternehmen, die Fachkräfte haben wollen, müssen sehr genau gucken, dass sie Auszubildende kriegen, dass sie die Leute an ihr Unternehmen binden." Wemhöner, Kannegiesser und Hettich konnten 2018 die Nachwuchsreihen schließen. Heiner Wemhöner: „Das ist ein andauernder Prozess. Wer sich wie wir langfristig um junge Menschen bemüht, hat dann auch die Auswahl. Wir haben zwei Schulkooperationen und bieten Praktikumsplätze für Schüler und Lehrer an. Das alles kann man nicht aus dem Boden stampfen, wenn mal gerade die Konjunktur läuft. Wir haben konsequent eine Ausbildungsquote von zehn Prozent." Wemhöner Surface Technologies beschäftigt am Standort Herford 320 Mitarbeiter. Bewerberzahl bei Kannegiesser ist leicht gefallen Kannegiesser-Personalleiter Thomas Doppmeier: „Besetzt sind alle unserer 16 Ausbildungsplätze. Das haben wir schon im ersten Quartal des Jahres gemacht. Die Anzahl ist leicht gestiegen. Die Ausbildungsquote beträgt jetzt zehn Prozent. Die Bewerberzahl ist aber zuletzt leicht gefallen." Hettich-Sprecherin Nina Stackelbeck: „Wir konnten alle Ausbildungsplätze für 2018 erfolgreich besetzen. Seit Mitte Juni nehmen wir die Bewerbungen für 2019 entgegen. Insbesondere für die Ausbildungsberufe Stanz- und Umformmechaniker, Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik, Fachkraft für Lagerlogistik würden wir uns mehr Bewerbungen wünschen." Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Herford: „Im Juli kamen auf 100 Bewerber 72 Ausbildungsstellen. Das ist das zweite Jahr in Folge, in dem sich das langsam verbessert. Die Bewegung geht in die richtige Richtung." Im Nachbarkreis Minden-Lübbecke sieht es dagegen ungleich besser aus. Dort kamen, Stand Juli 2018, auf 100 Bewerber 107 Lehrstellen.

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