Das Ergebnis: Kurz vor Sonnenuntergang lässt die tiefstehende Sonne das bei der Kunstaktion „Feldversuch" entstandene Gespinst auf dem Eickumer Feld in kräftigen Farben strahlen. - © Ralf Bittner
Das Ergebnis: Kurz vor Sonnenuntergang lässt die tiefstehende Sonne das bei der Kunstaktion „Feldversuch" entstandene Gespinst auf dem Eickumer Feld in kräftigen Farben strahlen. | © Ralf Bittner

Herford Kunstaktion auf Eickumer Acker

Feldversuch: In einer von Katharina Hagemann erdachten Gemeinschafts-Kunstaktion entsteht ein Gespinst in kräftigen Farben, das einen neuen Blick auf die Landschaft schafft

Ralf Bittner

Herford. "Die mich umgebende Landschaft ist immer wieder Thema meiner Arbeit", sagt Künstlerin Katharina Hagemann. Oft arbeitet sie mit Ton, einem Material aus der Landschaft selbst. Auch die Topographie, also Formen und Strukturen in der Landschaft, beschäftigen sie oft. "Feldversuch" hieß ihr jüngstes Projekt auf einem abgeernteten Acker in Eickum. Material waren Holzstäbe, knapp drei Kilometer Wolle in Rot, Orange und Pink und ein paar Hämmer. 18 freiwillige Helfer, Freunde und Mitglieder das Nabu-Kreisverbands Herford waren gekommen, um den sanft ansteigenden, leicht welligen Acker mit einem feinen Gespinst aus Fäden zu überziehen. Hagemann lieferte Konzept und Material, beschränkte sich aber während der Aktion auf die Rolle der Beobachterin. "Jetzt habe ich endlich verstanden, was Konzeptkunst ist", sagte Klaus Nottmeyer-Linden von der Biologischen Station Ravensberg, während er einen der Stäbe mit dem Hammer in den Boden trieb: "Die Künstler liefern die Idee, und andere führen sie aus." "Mit dem Aktionstag möchte ich andere Menschen mit einbeziehen" Zuerst entstanden voneinander unabhängige Gespinste, die sich den Acker hinaufzogen. Später wurden die einzelnen Elemente miteinander verbunden. Einige Teilnehmer orientierten sich an der Horizontlinie, andere folgten den Furchen auf dem gepflügten Feld. "Mit dem Aktionstag möchte ich andere Menschen mit einbeziehen", sagte Hagemann, "ganz praktisch draußen, nicht im Labor oder Atelier." Wer in und mit der Natur arbeite, müsse sich auch auf sie einlassen. Auch der Termin für den "Feldversuch" wurde von der Natur vorgegeben. Denn der Acker wurde deutlich früher als üblich abgeerntet, so dass nur wenig Zeit blieb, um Helfer einzuladen. "Dass trotzdem so viele gekommen sind, freut mich sehr", sagte sie. "Hintergründig geht es um unsere Abhängigkeit und Zugehörigkeit zu Natur und Landschaft", sagte die Künstlerin: "Mit dem Wissen, das jeden Tag zehn Hektar Land in Nordrhein-Westfalen verbaut werden, macht das Thema für mich zu einem dringlichen Anliegen." Ihr "Feldversuch" sei daher ein Versuch, die Menschen auf sinnliche Weise an die Themen Landschaft, Landschaftsverbrauch und Landschaftsschutz heranzuführen. Mit dabei war der Vorsitzende der Nabu-Kreisgruppe "Ich hatte schon lange die Idee, eine Fadenskulptur mit vielen Leuten zu schaffen", sagte Hagemann. Durch die Unterstützung des Nabu, der in diesem Jahr schwerpunktmäßig die Themen Artenvielfalt und Landnutzung bearbeitet, sei sie kurzfristig umsetzbar gewesen. Mit dabei war der Vorsitzende der Nabu-Kreisgruppe, Friedhelm Diebrok. Die Kreisgruppe macht in diesem Jahr mit vielen Informationsveranstaltungen auf die Themen aufmerksam. "Mit dem Feldversuch erreichen wir Leute, die sich sonst nicht so sehr für ökologische Themen interessieren, auch wenn viele Veranstaltungen des Nabu gut besucht sind", sagte er, "Trockenheit und die Berichte über das Insektensterben haben viele Leute sensibilisiert." Eine Fachtagung Ende September im Marta soll Privatpersonen, aber auch Landwirten und anderen mit der Ressource Natur umgehenden Menschen Tipps geben, wie sie teils mit geringen Aufwand ihren Teil zum Schutz der Artenvielfalt beitragen können. Veränderung gehört zur Landschaft "Eventuell wird dort eine fotografische Dokumentation des Feldversuchs zu sehen sein", sagte Hagemann. Eine Möglichkeit, das Ergebnis des "Feldversuchs" vor Ort zu betrachten, gibt es nicht. Bereits einen Tag nach der Gemeinschafts-Kunstaktion hatte sie das entstandene Gespinst wieder entfernt. Veränderung gehört zur Landschaft.

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