Ausflug Richtung Osten: Aus großer Höhe ist das im Dreieck Hameln, Bodenwerder und Bad Pyrmont gelegene Kernkraftwerk Grohnde und die direkt daneben gelegene Gemeinde Emmerthal zu erkennen. - © Henning Blomeyer
Ausflug Richtung Osten: Aus großer Höhe ist das im Dreieck Hameln, Bodenwerder und Bad Pyrmont gelegene Kernkraftwerk Grohnde und die direkt daneben gelegene Gemeinde Emmerthal zu erkennen. | © Henning Blomeyer

Herford Vater und Sohn unterwegs mit dem Segelflugzeug

Der 16-Jährige wetteifert mit seinem Vater um die spektakulärsten Langstreckenflüge

31.07.2018 | Stand 31.07.2018, 15:02 Uhr

Herford. Es gibt nur wenige, die derzeit nicht unter den hohen Temperaturen ächzen. Wenn es nach Olaf und Leon Bohnenkamp vom Herforder Verein für Luftfahrt (HVfL) geht, könnte die für Segelflieger ideale Witterung indes gerne noch etwas so bleiben. Während ihres dreiwöchigen Fliegerurlaubs haben Vater und Sohn tausende von Kilometern mit dem Segelflugzeug zurückgelegt. "Die letzten Wochen boten vielfach nahezu perfekte Bedingungen für weite Streckenflüge", berichtet Vereinssprecher Henning Blomeyer. Die sich im Vormittagsverlauf bildenden Cumulus-Wolkenstraßen erlaubten es den beiden Piloten, nach dem Start den Luftraum über dem lippischen Oerlinghausen zu verlassen und mal Richtung Norden, rund um Hannover bis Braunschweig, mal ins Ruhrgebiet, ins Rheinland bis kurz vor Bonn zu fliegen oder eine Tour ins Sauerland und zurück zu unternehmen. So sammelte Olaf Bohnenkamp teils allein, teils mit Copilot Martin Thomaschky, seit dem 8. Juli 1.948 Kilometer, für die er an sechs Flugtagen rund 25 Stunden benötigte. Der 16-jährige Leon legte im gleichen Zeitraum in 65 Flugstunden während 14 Flügen 5.375 Kilometer zurück, was einer beträchtlichen Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 83 Kilometern pro Stunde entspricht. Längster Einzelflug: Fast sieben Stunden Seine längste Einzelstrecke betrug 554,26 Kilometer bei einer Flugzeit von 6 Stunden und 59 Minuten. "Und das einzig und allein getragen von thermischen Aufwinden, die die Segelflugzeuge häufig in Höhen von über 2.500 Metern trugen", sagt Blomeyer. "Bei solch idealen Bedingungen können die Piloten von einer Wolke zur nächsten gleiten." Denn unter jeder Cumuluswolke wartet zuverlässig der nächste Aufwind, wenn man den Flugweg möglichst perfekt einteilt. "Manchmal mussten Vater und Sohn aber auch im Blauen fischen", erläutert der Vereinssprecher. So bezeichnen die Flieger thermische Aufwinde ohne Wolkenbildung, die schwieriger zu finden sind. Besonders bemerkenswert sei, dass alle Flüge wieder am heimatlichen Flugplatz in Oerlinghausen endeten. "Ein sicheres Indiz, dass neben den herrschenden guten Bedingungen die Planung der Strecken sehr geschickt gemacht wurde", lobt Blomeyer. Olaf Bohnenkamp (49) begann im Jahr 2006 mit dem Segelflugsport und erhielt seinen Pilotenschein 2009. Seither hat er 1.245 Starts und Landungen in seinem Flugbuch gesammelt. Als er mit der Ausbildung begann, war Sohn Leon im Kindergartenalter. "Leon ist ein echtes Flugplatzkind" Nachdem Olaf Bohnenkamp seinen Flugschein in der Tasche hatte, saß Leon mit seinem Vater gemeinsam im Cockpit. "Er ist ein echtes 'Flugplatzkind', das die Leidenschaft für den lautlosen Gleitflug von seinem Vater geerbt hat", sagt Blomeyer. Gerade 13 Jahre alt, durfte er mit einer Sondergenehmigung mit der Ausbildung zum Piloten beginnen. Ein Jahr später flog Leon sich frei, das sind die ersten drei Alleinflüge ohne Fluglehrer. Auch die weiteren Stationen bis zum Scheinerhalt absolvierte er im Herforder Luftfahrtverein in kürzester Zeit und an seinem 16. Geburtstag durfte er nach bestandener Prüfung seine Lizenz bei der Bezirksregierung abholen. Seitdem verbringen Vater und Sohn nahezu jedes Wochenende auf Flugplatz Oerlinghausen, schauen morgens an den Himmel, studieren den Flugwetterbericht und planen die Strecken, die gute Thermik erwarten lassen. Jugendliche können üblicherweise mit 14 Jahren mit der Ausbildung zum Segelflugpiloten beginnen. Bis zum Erhalt der Lizenz dauert es meist zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit lernen sie neben dem Fliegen auch große Verantwortung für sich selbst, ein teures Fluggerät und erleben den Segelflug als Teamsport. "Die Freiheit, allein und unter geschickter Ausnutzung der Naturkräfte fliegen zu dürfen, entschädigt für das umfangreiche Lernen und alle Mühe während der Ausbildung", sagt Henning Blomeyer.

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