Die Conatiner fliegen ein: Derzeit werden die Übergangsunterkünfte für die neuen Studenten aufgestellt. - © Peter Steinert
Die Conatiner fliegen ein: Derzeit werden die Übergangsunterkünfte für die neuen Studenten aufgestellt. | © Peter Steinert

So geht‘s weiter mit dem Bildungscampus

Fachhochschule für Finanzen: Norbert Landshut, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft, und Kämmerer Matthias Möllers erklären, wie es zu der Kostensteigerung kam – und wo gespart werden kann

Christina Römer

Herford. 13 Millionen Euro mehr für die Erweiterung der Fachhochschule für Finanzen – vor einer Woche sind dem Rat die Zahlen präsentiert worden und in der Politik ist der Streit über den Bildungscampus entbrannt. Von einem „Millionengrab" sprachen Vertreter der CDU im Rat. Bürgermeister Tim Kähler ist hingegen zuversichtlich, dass die Mehrkosten wieder eingefangen werden können: „Wir haben mit dem Land verhandelt und es wird eine erhebliche Einnahmesteigerung geben", sagt Kähler. Wie es zu der Kostensteigerung gekommen ist, erläutern im Gespräch mit der NW Norbert Landshut, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft Herford (SEH) und Kämmerer Matthias Möllers. Hintergrund: Erste und zweite Ausbaustufe Mit 160 Studenten und 14 Dozenten ist die Fachhochschule für Finanzen im vergangenen Jahr an den Start gegangen. Ab September soll vergrößert werden: auf 483 Studenten und 31 Dozenten. Hierfür sollen fünf weitere Kasernengebäude saniert werden, um vor allem Wohnraum und Lehrsäle zu schaffen. Für Grundstück, Gebäude und Ausstattung hatte die SEH zunächst 36,34 Millionen Euro kalkuliert, mit Stand von Mitte/Ende Juni liegen die Kosten für den Umbau der weiteren Kasernengebäude bei 49,96 Millionen Euro. Die Firma Pricewaterhouse Coopers (PWC) hatte die aktuelle Berechnung aufgestellt und präsentiert. Anstieg der Kosten für die erste Ausbaustufe Die Zahlen zeigen auch den Anstieg der ursprünglich kalkulierten Kosten für die erste Ausbaustufe der FHF. Im Haushalt 2017 waren hierfür 6,95 Millionen Euro vorgesehen, im März lagen die Kosten bei 7,53 Millionen und zuletzt bei 7,66 Millionen Euro. „Noch müssen Aufträge, die bereits im letzten Jahr erteilt wurden, fertig gestellt werden, was meist in den Ferienzeiten passiert", erläutert Norbert Landshut, warum für den bereits laufenden Betrieb noch Kosten entstehen. „Die Mehrkosten sind im Bereich Brandschutz, Lüftungsanlagen und im Sanitärbereich angefallen", so Landshut. „Das Thema Brandschutz ist komplex", sagt Kämmerer Matthias Möllers, auch bei anderen städtischen Baumaßnahmen habe sich erst bei der Umsetzung gezeigt, was noch zu berücksichtigen sei. Anstieg der Kosten für die zweite Ausbaustufe Damit die Fachhochschule ihre gewünschte Erweiterung rechtzeitig bekommen konnte, hatte die Stadt bereits im Sommer 2017 die Planung ausgeschrieben, bevor im Oktober die Zusage von der Fachhochschule kam. Die Kostenplanung sei anhand einer Projektskizze und ohne ein sogenanntes „Aufmaß" gemacht worden, also ohne, dass das Gebäude genau abgemessen wurde. Das verursache Kosten. „Wir hatten auf die Zusage des Landes gewartet und darauf, wann wir Kosten auslösen konnten", so Landshut. Zudem habe das hohe Tempo eingehalten werden müssen. Bei der ersten Ausbaustufe hätten die bereits vorhandenen Appartements die Planung erleichtert, deshalb habe es dort die Probleme nicht gegeben. Die Gebäude 2 bis 5 sowie 10 der Hammersmith-Kaserne seien eine andere Herausforderung. Das ursprüngliche Budget für die Sanierung der Hammersmith-Gebäude, lag bei 19,33 Millionen Euro, ermittelt wurde nun ein Bedarf von 32,26 Millionen Euro. Diese höheren Kosten haben viele Gründe: Das Aufmaß habe gezeigt, dass mehr Platz für die geplanten Wohnungen benötigt wird, die Fachhochschule hat mehr Platzbedarf angemeldet, die Landesbauordnung erfordert mehr Maßnahmen für Barrierefreiheit, zudem gebe es Hinweise auf Asbest. „2,9 Millionen Euro kostet die Asbestsanierung", erklärt Landshut. „Wir hoffen auf eine Kostenübernahme der BIMA (a.d. Red.: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der derzeit die Gebäude noch gehören)". Trotzdem sei in der Kostenaufstellung ein Betrag von 750.000 Euro eingestellt worden, „als Puffer". Einsparmöglichkeiten „Es wird an allen Stellen geprüft, ob die Planungen optimiert werden können", sagt Landshut. Alternativen zu den Hammersmith-Gebäuden hatten die SEH und die Stadtverwaltung verworfen, ein Neubau oder eine Teilsanierung seien nicht sinnvoll. Einsparmöglichkeiten bietet hingegen die zweite Mensa, die für 4,7 Millionen Euro im Haus 10 gebaut werden soll. „Wir prüfen ob wir darauf verzichten können, ein anderes Gebäude nutzen oder nur eine Teilrealisierung in Angriff nehmen." Übergangsweise gebe es in der bestehenden Mensa einen Zwei-Schicht-Betrieb. Möglich wäre es auch, Umsatzsteuer einzusparen, „die wir uns unter Umständen erstatten lassen können", erklärt Möllers. Zudem habe das Land signalisiert, sich an den Mehrkosten „bis zur Hälfte zu beteiligen", so Landshut. Derzeit ermittelt die BIMA den Wert für Grundstück und Gebäude. Für das vierte Quartal werden die Ergebnisse hierzu und das Gutachten über die Asbestbelastung erwartet. Ende des Jahres soll der Rat über den Umbau entscheiden.

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