Weil der Täter minderjährig ist, fand der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. - © dpa
Weil der Täter minderjährig ist, fand der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. | © dpa

Herford Gefängnisstrafe für Täter nach Angriff auf Streitschlichter

17-Jähriger legt Geständnis ab und entschuldigt sich bei seinem Opfer

Jobst Lüdeking

Herford. Überregional sorgte der Fall des verprügelten und schwer verletzten Streitschlichters vom Herforder Bahnhof für Entsetzen – nun gibt es ein Urteil des Jugendschöffengerichts gegen den geständigen Täter (17). Weil der junge Mann noch nicht volljährig ist, fand die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Angeklagte, der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft sitzt, hatte die Tat bereits im Lauf der Ermittlungen eingeräumt und sich schon bei dem 43-jährigen Opfer entschuldigt. Zu dem Übergriff war es am Montag, 19. Februar, gekommen: Unter der Bahnhofsunterführung stritten sich zunächst der 17-Jährige und seine Freundin (18). Dabei war noch ein weiterer Bekannter des Duos. Opfer kam zufällig vorbei Das Opfer (43), das zufällig mit dem Rad vorbei kam, versuchte, verbal einzugreifen und den Streit zu schlichten. Der Mann ist durch eine Lähmung gehandicapt und in seinen Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt. Der Herforder wurde von dem 17-Jährigen angegriffen und dann schwer verletzt. Unter anderem trat der Täter seinem Opfer mehrfach gegen den Kopf. Dann ging das Trio weiter, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Kurz darauf konnte der 17-Jährige aber festgenommen werden. Wegen seiner Verletzungen musste der Radfahrer später in eine Bielefelder Klinik eingeliefert werden – es bestand unter anderem die Befürchtung, dass der 43-Jährige sein Augenlicht verlieren könnte. Der Justiz ist der 17-Jährige kein Unbekannter Für die Justiz ist der 17-Jährige nach NW-Informationen alles andere als ein UnbekannterNW. 15 Einträge in Zusammenhang mit Körperverletzungen bis hin zu Eigentumsdelikten wurden ihm bereits vor seinem Angriff auf den Radfahrer zugeschrieben. Gleichzeitig wurde der junge Mann vom Herforder Jugendamt betreut und hatte dort einen Vormund. Dessen Zugriff hatte sich der 17-Jährige aber wohl entzogen und lebte zeitweise auf der Straße. Nach der Attacke wählte die Staatsanwaltschaft einen ungewöhnlichen Weg und beantragte einen Haftbefehl. Dem wurde stattgegeben. Aus der Haft entschuldigte sich der 17-Jährige mit einem Brief, berichtete vor Wochen sein Strafverteidiger Christian Thüner. Aus der Verhandlung wurde nichts bekannt. Das Gericht verurteilte den Schläger jetzt unter anderem wegen des Überfalls zu einer Haft von 18 Monaten – ohne Bewährung. Es ging damit sechs Monate über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Strafverteidiger Thüner sagte auf Anfrage, dass er – nachdem er Rücksprache mit dem Vormund und seinem Mandanten gehalten habe – keine Rechtsmittel einlegen werde.

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