Betrug: Mehrere Männer sollen zu Ärzten gefahren worden sein, um sich krank schreiben zu lassen. Nach dem Verlassen der Praxen soll dann aber ein abrupter Genesungsprozess eingesetzt haben. - © Pexels
Betrug: Mehrere Männer sollen zu Ärzten gefahren worden sein, um sich krank schreiben zu lassen. Nach dem Verlassen der Praxen soll dann aber ein abrupter Genesungsprozess eingesetzt haben. | © Pexels

Kreis Herford Falsche Kranke: Mehr als 30 Verdächtige im Visier

Die Mitglieder einer polizeibekannten Familie aus dem Kreis Herford gelten als Schlüsselfiguren in dem Wirtschaftsverfahren

Jobst Lüdeking

Kreis Herford. Rund eine Woche nach der groß angelegten Durchsuchungsaktion gegen eine mutmaßliche Bande von Krankengeld-Betrügern, versuchen sich die Ermittler für Organisierte Kriminalität sowie der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld und des Zolls einen Überblick über die Zustände in dem Trockenbauunternehmen zu verschaffen und das Material zu sichten. Der Kreis der Verdächtigen ist dabei weit gesteckt: „Die Ermittlungen richten sich gegen mehr als 30 Personen", erklärt Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam, Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Bielefeld. Eine konkrete Schadenssumme gibt es noch nicht, so der Sprecher der Schwerpunktabteilung. Die Ermittler gehen bisher von einem Schaden im sechsstelligen Bereich aus. Vor den Praxen setzt ein abrupter Genesungsprozess ein Nach NW-Informationen richten sie die Ermittlungen zum einen gegen die mutmaßlichen Hintermänner aus einer Familie, die bereits wegen eines groß angelegten Versicherungsbetrugs ins Visier der Strafverfolger geraten war. Die Personen gelten als Schlüsselfiguren und galten teils als hinlänglich polizeibekannt. Darüber hinaus gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass von den Familienmitgliedern auch Scheingeschäftsführer eingesetzt wurden, um ihre eigenen Aktivitäten zu vertuschen und nicht mit den Taten in Zusammenhang gebracht zu werden. Letztlich stehen auch eine ganze Reihe von Mitarbeitern, die vorwiegend aus Albanien stammen sollen, im Visier. Nach dem bisherigen Stand sollen die Männer teils in Gruppen morgens zu zwei Medizinern gefahren worden sein, um sich krank schreiben zu lassen. Nach dem Verlassen der Praxen in Gelsenkirchen oder Bünde soll dann aber ein abrupter Genesungsprozess eingesetzt haben und die Männer nahmen ihre Arbeit auf den Baustellen auf. Auch ein Steuerbüro und zwei Praxen wurden durchsucht Neben den Gebäuden der Familie und der Firma waren ein Steuerbüro und die zwei Praxen der Mediziner in Bünde und Gelsenkirchen durchsucht worden. Wobei derzeit unklar ist, ob die bisherigen Vorwürfe gegen den Bünder Mediziner aufrecht erhalten werden. Die Ermittler waren zunächst davon ausgegangen, dass die Verdächtigen von den Ärzten ohne Untersuchung durchgewunken wurden. Neben den Objekten in Enger-Besenkamp und Bünde hatten Ermittler des Zolls auch die Baustellen des Betriebs unter die Lupe genommen und dabei festgestellt, dass dort schwarz gearbeitet wurde. Steuerlich überaus interessant war auch das, was die Ermittler in den Tanks einiger Firmenfahrzeuge fanden: Heizöl – offenbar wollten die Männer bei ihren mutmaßlich hochkriminellen Aktionen auch noch die Mineralölsteuer sparen.

realisiert durch evolver group