Vortrag zum Mitmachen: Referent Sascha Morgenstern (3.v.l.) mit Stephanie Hiller (CroCoMa Consulting, v.l.), Benedikt Gellrich (von Schönwald Unternehmensberatung), Markus Gehlken (SCHAKI e.V.) und Sebastian Kühnemund (sebkue Verkaufsförderung). - © Jeannine Gehle
Vortrag zum Mitmachen: Referent Sascha Morgenstern (3.v.l.) mit Stephanie Hiller (CroCoMa Consulting, v.l.), Benedikt Gellrich (von Schönwald Unternehmensberatung), Markus Gehlken (SCHAKI e.V.) und Sebastian Kühnemund (sebkue Verkaufsförderung). | © Jeannine Gehle

Herford Strategien gegen die Aufschieberitis

Mal eben erst noch Kaffee kochen, Mails lesen oder etwas im Internet nachschauen - viele Menschen lenken sich gerne mit unwichtigen Dingen ab, bevor sie eine Aufgabe angehen. Sascha Morgenstern verspricht Abhilfe

Jeannine Gehle
29.06.2018 | Stand 28.06.2018, 19:52 Uhr

Herford. "Hat jemand Interesse, kurz nach vorne zu kommen und sich durchanalysieren zu lassen?" Sascha Morgenstern kam bei seinem Vortrag direkt zur Sache. Menschen vom ständigen Aufschieben zum aktiven Tun zu bringen war das Thema des Abends - und genau das lebte der Experte für Körpersprache seinem Publikum auch vor. Aktiv mitmachen statt passiv zuhören, hieß es für die Besucher, die trotz Sommerwetter und Fußball-WM zahlreich ins Denkwerk gekommen waren. Im ständigen Dialog mit seinem Publikum und mit viel Humor brachte Morgenstern das ernste Thema locker und verständlich rüber. "Im Gegensatz zu dem, was die Spieler vorhin beim Fußball gezeigt haben, müssen Sie jetzt mitarbeiten", kündigte er mit Blick auf das unrühmliche Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft augenzwinkernd an. So stellten sich unter anderem einige der Zuschauer der Aufgabe, im Vorbeigehen den lose aufliegenden Deckel von einer Flasche herunter zu schnipsen. Etwas, das laut Sascha Morgenstern sogar Vierjährige schaffen - im Gegensatz zu den Teilnehmern. Einer nach dem anderen scheiterte im ersten Anlauf. Erst ein motivierender oder druckreduzierender Einwurf des Referenten brachte den Erfolg. Ein Versuch, der zeigte, wie viel schwerer auch augenscheinlich einfache Aufgaben werden, wenn einem die Angst vor einer Blamage vor vielen Zuschauern im Nacken sitzt. "Das ist alles eine Frage der inneren Einstellung", brachte Sascha Morgenstern es auf den Punkt. Er wies darauf hin, dass Menschen dazu neigen, ihrer Umwelt oder anderen Menschen die Schuld für etwas zu geben. Doch letztendlich hätten sie es selbst in der Hand, etwas an einer Situation zu verändern, betonte er. Das Aufschieben von unangenehmen Aufgaben lernen die meisten Menschen schon in der Kindheit  Denn jeder lebe in seiner individuellen Welt, die er mit dem Filter wahrnimmt, der in den ersten Lebensjahren durch Erfahrungen und das Umfeld festgelegt wird. Das durch diese Sicht geprägte Verhalten später zu verändern sei schwierig, aber nicht unmöglich, sagte Morgenstern: "Man hat die Chance, alles zu beeinflussen. Niemand zwingt einen, so zu reagieren, wie man reagiert." Auch das Aufschieben von unangenehmen Aufgaben lernen die meisten Menschen schon in der Kindheit, zum Beispiel, wenn es darum geht, den Eltern eine schlechte Note zu beichten. Das Aufschieben verschaffe jedoch nur einen kurzen Vorteil und könne sich sogar auf die Gesundheit auswirken, verdeutlichte Sascha Morgenstern seinen Zuhörern: "Es ist schwierig abzuschalten, wenn man unerledigte Sachen im Hinterkopf hat. Wenn man häufig etwas aufschiebt, spielt man mit seiner Gesundheit." So erhöhe sich die Gefahr von Burn-out und Depression. Negative Erfahrungen mit einer Situation in der Vergangenheit und Angst vor den Folgen in der Zukunft begünstigen das Aufschieben. Allzu leicht fällt es, etwas anderem den Vorzug vor unangenehmen Aufgaben zu geben - so muss erst einmal Kaffee gekocht, E-Mails gelesen oder etwas im Internet nachgeschaut werden. "Trotz aller Ablenkungen, denen man ausgesetzt ist, muss man sich dazu zwingen, bei einer Aufgabe zu bleiben. Wichtig sei auch, sich das zu Erledigende handschriftlich zu notieren: "So bleibt es viel eher hängen, als wenn man es nur in den Computer eingibt." Ein weiterer Tipp: Sich für mögliche Komplikationen schon vorher eine Lösung überlegen.

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