Das Ravensberger Gymnasium von oben: Am unteren Bildrand verläuft die Hansastraße. In der Mitte sind die Schulgebäude zu sehen. Das Stadttheater (oben links) dient als Aula. Neben dem Parkplatz (links) befindet sich die Sporthalle. Am rechten unteren Bildrand steht neben dem Kleinspielfeld die alte Turnhalle Lübberbruch. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Das Ravensberger Gymnasium von oben: Am unteren Bildrand verläuft die Hansastraße. In der Mitte sind die Schulgebäude zu sehen. Das Stadttheater (oben links) dient als Aula. Neben dem Parkplatz (links) befindet sich die Sporthalle. Am rechten unteren Bildrand steht neben dem Kleinspielfeld die alte Turnhalle Lübberbruch. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford 150 Jahre Ravensberger: Von der Ackerbauschule zum Gymnasium

Eine umfangreiche Festschrift erinnert an die Geschichte. Erst 1974 werden die ersten Mädchen aufgenommen. Ein Streifzug durch die Historie

Walter Dollendorf

Herford. 80 Prozent der Bevölkerung des Herforder Umlandes leben im Jahre 1868 von der Landwirtschaft. So hat das Ravensberger Gymnasium (RGH) seinen Ursprung in einer Landwirtschaftsschule. In diesem Jahr feiert das RGH 150. Geburtstag. Wie alles begann Der Situation im ländlichen Raum geschuldet, schwebt den Gründern der Schule eine Lehr- und Forschungsanstalt für die westfälische Landwirtschaft vor, wie der ehemalige NW-Redakteur Hartmut Braun in der umfangreichen Festschrift des heutigen Gymnasiums schreibt. Als erster Schulleiter nimmt Ferdinand Burgtorf am 12. Oktober 1868 mit drei Lehrern und 22 Schülern den Unterricht an der Elisabethstraße auf. 1894 beginnt der Bau des neuen Schulgebäudes am Münsterkirchplatz, der heutigen Volkshochschule. Zwei Jahre später wird der Landwirtschaftsschule ein Realschulzweig angegliedert. 1922 trennt sich die Ackerbauschule ab und wird von der Landwirtschaftskammer als Landwirtschaftsschule übernommen. Weg zum Gymnasium Drei Jahre später wird die Realschule um eine Oberstufe erweitert. Sie ist nun eine Oberrealschule; der Abschluss berechtigt zum Hochschulstudium. Zum 60-jährigen Bestehen 1928 gibt es erste Abiturprüfungen. 494 Schüler besuchen die Lehranstalt. Die Nazizeit 1933 zieht die Kontrolle durch nationalsozialische Organisationen auch in die Herforder Schule ein. 1937 wird die Schule in Oberschule für Jungen umbenannt. Da die Königin-Mathilde-Schule im Krieg als Lazarett dient, nutzen deren Schüler und Lehrer das Gebäude der Oberschule mit. 1943 werden die Schüler der Oberstufe als Flakhelfer einberufen. Die Nordseite des Schulgebäudes wird bei einem Luftangriff am 9. November 1944 stark beschädigt. Autorin Eva Pietsch beschäftigt sich in der Festschrift mit der widersprüchlichen Art von Heinrich Rüping, Schulleiter von 1931 bis 1939. Er war nie Anhänger der Nationalsozialisten, trat aber Hilfsorganisationen der NSDAP bei. 1965 bekam er sogar das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse zur Anerkennung „vorbildlicher Leistungen für den Wiederaufbau und die Konsolidierung des höheren Schulwesens". Auf die lobenden Worte der Redner entgegnete Rüping laut Eva Pietsch: „Das Bild, das hier von mir gezeichnet worden ist, ist ein Sonntagsbild". Nach dem Krieg Die Schule wird im April 1945 nach dem Einmarsch der Amerikaner für zehn Monate geschlossen und im Februar 1946 wiedereröffnet. 1948 wird die Schule zu einem neusprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium mit zu dieser Zeit 450 Schülern. 1954 erhält die Schule die offizielle Bezeichnung „Ravensberger Gymnasium". 1957 beschließt der Herforder Stadtrat, den Neubau des Ravensberger Gymnasiums am Lübberbruch zu realisieren. Im November erfolgt der Spatenstich. Das Schulgebäude wird im April 1960 eingeweiht. Premieren 1971 legt mit Ara Abahuni das erste Migrantenkind, das seit der Unterstufe alle Klassen der Schule durchlaufen hat, das Abitur am Ravensberger Gymnasium ab. Eine weitere Premiere: 1974 wurden erstmals 33 Mädchen für die neue Sexta aufgenommen. 1989 wird im Ravensberger als einzigem Gymnasium im Kreis Herford ein Informatik-Leistungskurs angeboten. 2012 wird das RGH als MINT-Schule mit besonderen Angeboten im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich anerkannt. Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" wird das Ravensberger Gymnasium im Jahre 2015 ausgezeichnet – mit dem berühmter Magier-Duo „Ehrlich Brothers" als Paten. Andreas und Christian Reinelt bauen ihr Abitur am RGH. Ernste Lage Ulrich Bröhenhorst erinnert in der Festschrift an ein aus Sicht von Schülern und Lehrern ereignisreiches Jahr. „Schulkampf 1986: Vermintes Gelände", ist sein Kapitel überschrieben. SPD und Grüne nehmen einen Wunsch von vielen Eltern auf und wollen eine Gesamtschule einrichten. Da zudem noch die Zahl der Geburten drastisch abnimmt, planen sie zunächst keinen Neubau, sondern eine schon vorhandene Schule in eine Gesamtschule umzuwandeln. Zunächst soll es das Friedrichs-Gymnasium treffen. Dann favorisieren die Grünen das Ravensberger Gymnasium, das dafür in die aufzulösende Ernst-Barlach-Realschule umziehen soll. „Das ist das Ende unserer Schule", heißt es aus Reihen des Ravensbergers. Die Lehrer verfassen einen offenen Brief, in dem sie unter anderem die für sie unlösbaren Probleme in der Unterrichtsorganisation und den Fortfall der Kooperation mit dem benachbarten Friedrichs-Gymnasium thematisieren. Schulleiter Gerhard Barrmeyer übergibt Bürgermeister Gerhard Klippstein zudem einen Karton mit 4.661 Unterschriften zum Erhalt des Ravensberger Gymnasiums, die die Schüler sammeln. Am Ende spricht sich der Schulausschuss und anschließend der Rat für den Gesamtschul-Standort Friedenstal aus. Aktueller Stand Derzeit besuchen 738 Schüler das RGH. Sie werden von 62 Lehrern und 9 Referendaren unterrichtet. Das äußere Bild der Schule wird sich ändern. Die Gebäude werden modernisiert, zudem wird die Sporthalle neu gebaut. Mit dem Festakt im Stadttheater am Samstag und der Festrede von Prof. Mark Mersiowsky sind die Feierlichkeiten noch nicht beendet. Es gibt viele weitere Termine.

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