Der Angeklagte ist zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Der Angeklagte ist zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Löhner wegen vierfachen Betrugs verurteilt

Den Mann hat irgendwann im Leben das Gespür für die Realität verlassen

Peter Steinert

Herford. Bis vor wenigen Jahren durfte sich Walter B. noch Gebietsleiter eines großen ostwestfälischen Modehändlers nennen. Ordentliches Grundeinkommen, satte Provision, schicker Dienstwagen. Irgendwann muss den Löhner das Glück im Leben und das Gespür für die Realität verlassen haben. Nachdem er im März 2016 vom Amtsgericht Bad Oeynhausen wegen „leichtfertiger Geldwäsche“ zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt wurde, erhielt der 52-Jährige gestern am Amtsgericht Herford zudem die Quittung für vierfachen Betrug über insgesamt 50.000 geliehener und nicht zurück gezahlter Euro in Form von zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung. Richterin Alea Blöbaum verschärfte das Urteil um zwei Monate, nachdem die Staatsanwältin zwei Jahre und vier Monate gefordert hatte. Sie blieb ebenfalls deutlich über dem Strafmaß des Verteidigers, der es bei zwei Jahren und einer damit erneut möglichen Bewährung bewenden lassen wollte. Letzteres hätte auch dem derzeit arbeitslosen Angeklagten ins Konzept gepasst, da er mit mehreren Unternehmen kurz vor Bewerbungsgespräche stünde, die nach seinen Worten sehr vielversprechend aussähen. Verbindlichkeiten waren höher als Einnahmen Hätte, wäre, wenn und aber prägten schon in der Vergangenheit das Gebaren des Witwers, dessen Verbindlichkeiten höher als seine Einnahmen waren. In seiner Not wandte er sich an einen guten Bekannten, zugleich Arbeitskollegen beim großen ostwestfälischen Modehersteller. Wegen eines „finanziellen Engpasses“ bat der Angeklagte den Gevelsberger um Unterstützung. Zunächst waren es 15.000 Euro, dann noch einmal 13.000 Euro. Die Summe sollte kurzfristig erstattet werden. Der Kreditgeber glaubte dem Versprechen, ging zu jener Zeit aber noch von dem gut bezahlten Beschäftigungsverhältnis als Gebietsleiter beim Modeunternehmen aus. Dort hatte der Löhner jedoch schon den Abschied vorbereitet, um selbstständig seine Einkünfte aufzubessern. Die finanziellen Lücken blieben. Und sollten dann über eine Internetbekanntschaft aus Kassel ausgeglichen werden. Die glaubte an die große Liebe, hob von ihrem Konto zunächst 7.500 Euro ab und nahm dann für den klammen Löhner einen Kredit über 21.000 Euro auf. Auf das Geld wartet sie bis heute. Der Angeklagte zu den Vorwürfen: „Ich habe nicht vorsätzlich gehandelt. Ich werde die Gelder komplett zurückzahlen.“ Richterin Blöbaum sah den Betrug als erwiesen an: „Man darf nur das Geld ausgeben, das man hat oder das man fest erwartet.“

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