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Ob dereinst ein ein römischer Legionär wie dieser auch in einem Heerlager beim heutigen Elverdissen zu sehen war – darüber streiten sich die Gelehrten. - © picture alliance / akg / Bildarchiv Steffens
Ob dereinst ein ein römischer Legionär wie dieser auch in einem Heerlager beim heutigen Elverdissen zu sehen war – darüber streiten sich die Gelehrten. | © picture alliance / akg / Bildarchiv Steffens

Herford Forscher finden Hinweise auf Römerlager in Elverdissen

Dass römische Legionäre im heutigen Herford unterwegs waren, erscheint nicht unwahrscheinlich

Jobst Lüdeking
29.05.2018 | Stand 29.05.2018, 16:40 Uhr |

Herford. In Herford sind Spuren gefunden worden, die auf ein römisches Militärlager hindeuten. Davon geht der Bielefelder Wolfgang Schlüter – Initiator des Hermannslaufs, Jurist und Arminiusforscher – in seinem neuen Buch „Arminius in Flammen" aus. Seine Untersuchung war großflächig gestartet und setzt auch auf Datenmaterials des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. „Aus rund 1.000 Meter Höhe ist das Areal überflogen und mit Radarstrahlen abgetastet worden", beschreibt Schlüter das Vorgehen. Dieses Messverfahren, das den Oberflächenbewuchs herausrechnet, mache Strukturen deutlich. Anschließend sei das Areal mit einem Bodenradar abgetastet worden. Das Lager könnte im Bereich Hillewalsen gelegen haben. Die Vermutung bezieht sich auf eine Fläche, die nahe der heutigen Aa liegt, erklärt Landwirt Jobst-Hartwig Detring, Eigentümer des Feldes, auf dem Teile des Lagers vermutet werden. Wasserversorgung wäre nahe des Flusses sichergestellt Mit einer Lage nahe eines Flusses hätten die Legionäre ihre Wasserversorgung sicherstellen können – auch wenn der Lauf der heutigen Aa wohl nicht dem Flussbett zur Zeit der Römer entspricht. Frisches Wasser ist aber nicht nur für Soldaten sondern auch für die angegliederte Reiterei extrem wichtig: „Ein Pferd trinkt zwischen 20 und 50 Liter täglich", erklärt Arminus-Forscher Schlüter weiter. Doch die Chance, das auf dem Areal in Elverdissen in den höher gelegenen Bodenschichten Funde gemacht werden könnten, hält Jobst-Hartwig Detring für gering: „Die obersten 30 oder 40 Zentimeter der Flächen sind über die Jahrhunderte hinweg intensiv bearbeitet worden", ergänzt der Diplom-Agraringenieur. Sven Spiong, Chefarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hat sich die vier im Buch erwähnten Römerlager-Fundstellen angesehen. Im lippischen Lage gab es eine Erhebung, die näher untersucht werden soll, so Spiong. In Elverdissen habe man solche Hinweise nicht gefunden. „Es gab keine Veränderungen, die ich erkennen konnte", so der Archäologe weiter. Spuren auf Aktivitäten aus Zeiten vor den römischen Legionären Allerdings gebe es rund um den im Buch vermuteten Standort des Lagers archäologische Spuren, die älter sind als es Funde aus der Römerzeit wären. Dass Legionäre in Elverdissen ein Lager errichteten, will er aber auch nicht ausschließen. „Die Daten des Bodenradars liegen mir nicht vor", so der Archäologe. Und dass Römer an der Stelle des heutigen Herford militärische Einrichtungen betrieben, erscheint nicht unwahrscheinlich. So wird vermutet, dass sich auf dem Stuckenberg – genau dort, wo heute der Bismarckturm steht, ein römischer Turm befand – davon gingen Archäologen nach Funden in Bielefeld aus. Nachrichten zwischen den vorrückenden Truppen wurden von den Besatzungen dieser Türmen wahrscheinlich per Spiegel- oder Feuerzeichen weitergeleitet. Der Turm selbst muss etwa vier mal vier Meter groß gewesen sein. Beim Bau des Bismarkturms, so die These, wurden aber die Reste des Bauwerks zerstört. Die Lager der Römer waren hingegen äußerst unterschiedlich gebaut. Neben den festen Lagern, wie dem im heutigen Xanten, gab es mehr oder minder stabile Unterkünfte – so wie etwa das Sommerlager, das Varus an der Weser bezogen haben soll. Rund 30 Kilometer schaffte ein Heer am Tag Tatsächlich errichteten die römischen Truppen auf ihren Märschen währen der Feldzügen jeden Tag auch sogenannte Marschlager, deren Überreste als schwer zu finden gelten. Die verfügten über einen Graben, Erdwälle und einen Palisadenzaun, um sich vor Angriffen zu schützen. Rund 30 Kilometer, so Schätzungen, schaffte ein Heer täglich – dann wurde so ein komplett neues Lager errichtet. Wolfgang Schlüter geht hingegen davon aus, dass es sich bei den Überresten in Elverdissen um ein Lager gehandelt hat, das länger genutzt wurde – sehr wahrscheinlich von den Legionen des Varus, die im Jahr 9 nach Christus untergingen. Die Römer waren zu diesem Zeitpunkt bereits über Jahre in Germanien präsent. Im ersten Jahrzehnt vor Christus waren es römische Legionen unter ihrem Feldherrn Drusus, die durch Sümpfe und Urwälder Richtung Porta Westfalica stapften. Das Expeditionsheer, geführt vom Stiefsohn des Kaisers Augustus, erreichte die Elbe. Drusus kam aber bei einem Unfall um Leben. Sein Bruder Tiberius, der später römische Kaiser, setzte die militärische Operation fort. Tiberius war es dann aber auch, der – nach der Vernichtung der drei Legionen in der Varusschlacht und dem späteren, nur bedingt erfolgreichen (Rache)-Feldzug des Germanicus, den Rhein zur Grenze macht, auf den Rest Germaniens als Provinz verzichtete und Ostwestfalen-Lippe ganz einfach sich selbst überließ.

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