Kunstwerk: Die Künstler Dan „Sponk" Geffert (v. v. l.) und Julian Pogodda besprühten mit Unterstützung der afghanischen Flüchtlinge Sher Ahmad und Babak Khani (h. v. l.) in einer Nacht- und Nebelaktion den Stromkasten vor der Martinsklause. - © Christian Geisler
Kunstwerk: Die Künstler Dan „Sponk" Geffert (v. v. l.) und Julian Pogodda besprühten mit Unterstützung der afghanischen Flüchtlinge Sher Ahmad und Babak Khani (h. v. l.) in einer Nacht- und Nebelaktion den Stromkasten vor der Martinsklause. | © Christian Geisler

Herford Historische Motive bereichern Herforder Stadtbild

Geschichte: Der Gelsenkirchener Künstler Sponk besprüht Stromkästen in der Innenstadt mit geschichtsträchtigen Abbildungen. An der Martinsklause wird dem Herforder NS-Opfer Heiko Ploeger gedacht

Christian Geisler

Herford. Auf Initiative des Herforder Vereins „Rad und Tat" hat der Gelsenkirchener Künstler Dan Geffert, genannt Sponk, einen Stromkasten vor der Martinsklause mit Sprayfarbe gestaltet. Als Vorlage diente eine aus den 1930er Jahren stammende Fotografie des deutschen Gewerkschafters und Antifaschisten Heiko Ploeger. Dieser fiel im September 1944 dem Nationalsozialismus zum Opfer. Neben ihm ist seine Ehefrau zu sehen. „Ich finde es gut, dass das Motiv keine Opferdarstellung ist", sagt der Herforder Stadtarchivar und Historiker Dieter Begemann und ergänzt: „Stattdessen zeigt es Ploeger in einer alltäglichen Pose. Es drückt Freude aus." Das historische Motiv soll Passanten an die historische Vergangenheit der Stadt Herford erinnern. Heiko Ploeger wurde am Abend des 18. Januars 1944 in seiner Wohnung in Herford verhaftet und anschließend von den Nationalsozialisten ins Polizeigefängnis nach Bielefeld gebracht. „Ähnlich wie bei den Stolpersteinen wird einem von den Nazis umgebrachten Herforder gedacht, dem Ermordeten wird ein Gesicht gegeben", sagt Erhard Krull, Vorsitzender von „Rad und Tat". Mittlerweile wurden 16 Stromkästen mit historischen Motiven und Abbildungen aus der Natur besprüht. Künstler erhält zahlreiche Unterstützung Für Künstler Sponk war die Darstellung Ploegers kein einfaches Unterfangen. Zusammen mit Julian Pogodda projizierte er in einer Nacht- und Nebelaktion per Beamer das Motiv auf den Stromkasten. Daraufhin zog er zunächst die Umrisse der Fotografie nach, füllte die Konturen mit Farbe aus und versah das fertige Kunstwerk schließlich mit einer Schutzlackierung. Unterstützt wurden Sponk und Pogodda dabei von zwei afghanischen Flüchtlingen sowie von Gefangenen der JVA Herford. Der Kontakt kam durch den Verein „Rad und Tat" zustande. Gesponsert wurde das Kunstwerk von „Rad und Tat", Bernd Reitmeier, Dieter Bremes und Rainer Fröhling. Ein weiteres historisches Motiv soll am Münsterkirchplatz entstehen.

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