Symbolkraft: Als Zeichen für regen Austausch und Zusammenarbeit der hiesigen Politik und der Herforder Ditib-Gemeinde, schneidet Bürgermeister Tim Kähler vor zahlreichen Zuschauern einen Kuchen mit deutscher und türkischer Flagge an. - © Christian Geisler
Symbolkraft: Als Zeichen für regen Austausch und Zusammenarbeit der hiesigen Politik und der Herforder Ditib-Gemeinde, schneidet Bürgermeister Tim Kähler vor zahlreichen Zuschauern einen Kuchen mit deutscher und türkischer Flagge an. | © Christian Geisler

Herford Ditib-Gemeinde zeigt sich nach Video-Skandal reumütig

Tag der offenen Tür: Bürger und Politiker besichtigen die Moschee an der Bielefelder Straße. Nach dem Video-Skandal um Kinder in Kampfanzügen sucht Bürgermeister Tim Kähler das Gespräch mit den Eltern

Christian Geisler
07.05.2018 | Stand 07.05.2018, 11:11 Uhr

Herford. Bürgermeister Tim Kähler folgte der Einladung der in die Kritik geratenen Ditib-Gemeinde an der Bielefelder Straße und ließ sich am Tag der offenen Tür die Moschee zeigen. Nach einem kurzen Rundgang zog er sich dann mit Jugenddezernentin Birgit Froese-Kindermann und neun Eltern der Kinder, die an der umstrittenen Aufführung anlässlich eines Feiertags zur Schlacht an den Dardanellen teilnahmen, in einen Gesprächsraum zurück. Betroffenheit und Angst kann man nicht spielen Nach einer Stunde und einem "guten, eindringlichen Gespräch", so Kähler, zeigte sich der Bürgermeister betroffen aber bestimmt. "Die Eltern haben einen Fehler begangen und zeigen Einsicht. Teilweise haben sie Angst." Das Video von den Kindern habe Auswirkungen auf den Alltag der Familien - sie würden zunehmend in eine nationalistische Ecke gedrängt, Schulkameraden der Kinder würden sie hänseln. "Ich habe diesen Menschen in die Augen gesehen", sagte Kähler. "Diese Betroffenheit und Angst kann man nicht spielen." Gleichwohl müsse man zwischen Kindern und ihren Eltern differenzieren, darüber hinaus genau hinschauen, was die Politik und die Ditib machen. Jugendamt sucht das Gespräch mit Eltern Während die juristische Prüfung, ob bei den aufgenommenen Feierlichkeiten eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, noch nicht vollends abgeschlossen sei, werde die Stadt mit den Eltern und dem Jugendamt noch in dieser Woche einen gemeinsamen Termin vereinbaren. Dabei soll es unter anderem auch darum gehen, welche Rechte die Familien haben. "Das Ziel, das über allem steht, ist, dass die Kinder bei ihren Familien gut aufwachsen", so Kähler. Schließlich sei Herford eine liberale und weltoffene Stadt. Laut Ditib-Vorstandsmitglied Necati Aydin nutze die Gemeinde den Tag der offenen Tür dazu, um Ansätze für eine bessere Zusammenarbeit mit der hiesigen Politik zu finden und ins Gespräch mit der Öffentlichkeit zu gehen. Gleichzeitig entschuldigte er sich aufs Neue für die Aufnahmen. "Uns ist klar, dass so eine Sache nie wieder vorkommen darf. Dafür werden wir sorgen", sagte er. Anderes Verständnis für Aufnahmen Aydin begründete die Aufnahmen damit, dass ein Großteil der Eltern eingewandert ist und noch nicht lange in Herford lebt. "Sie haben ein anderes Verständnis dafür, als Menschen, die hier aufgewachsen und zur Schule gegangen sind", sagte Aydin. Feierlichkeiten, wie sie in dem Video gezeigt wurden, seien in der Türkei normal. Die Ditib-Gemeinde wolle daher "aus Fehlern lernen" und regelmäßig das Gespräch mit ihren Gemeindemitgliedern suchen und über Werte und Rechte der Bundesrepublik aufklären. Dass die Aufnahmen auch einen politischen Hintergrund haben könnten, wies Aydin vehement von sich. "Wir sind parteineutral", versicherte er. "Deswegen finde ich diese Verbindung schade." Fraktionen folgen der Einladung der Gemeinde Neben Bürgermeister Kähler folgten auch die Ratsfraktionen von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen der Einladung der Ditib-Gemeinde. Sowohl Thomas Besler, Stadtverbandsspitze der SPD, als auch Herbert Even, Ratsmitglied der Grünen, bezeichneten den Tag und damit verbundene Gespräche mit der Gemeinde als gelungen. "Wir haben uns darüber gefreut, dass wir eingeladen wurden", sagte Even. "Einige Fragen sind aber offen geblieben. Deswegen halten wir unsere Einladung in die Fraktion aufrecht." Auch die übrigen Parteien wollen den Austausch mit der Gemeinde an der Bielefelder Straße intensivieren.

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