Wolfgang Spanier war lange Jahre SPD-Abgeordneter seines Heimatkreises Herford im Bundestag. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp (Archiv)
Wolfgang Spanier war lange Jahre SPD-Abgeordneter seines Heimatkreises Herford im Bundestag. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp (Archiv)

Herford Trauer um früheren Bundestagsabgeordneten Wolfgang Spanier

Der Sozialdemokrat ist im Alter von 75 Jahren gestorben

Jobst Lüdeking

Herford. Wolfgang Spanier ist tot. Der populäre heimische Politiker verstarb am Mittwoch im Alter von 75 Jahren in Herford. Über Jahrzehnte hat der Sozialdemokrat mit seinem Wirken in der Stadt, im Wittekindsland und bundesweit Akzente gesetzt – als langjähriger Abgeordneter seines Heimatkreises Herford im Bundestag, als Vorsitzender des OWL-Mieterbundes, als Kommunalpolitiker im Rat der Stadt Herford, bei der AWO oder beim „Kuratorium Erinnern, Forschen, Gedenken". „Als Mensch war Wolfgang Spanier kein Dogmatiker. Er galt eher als Moderator mit persönlicher Ausstrahlung und einem ausgeprägten Sinn für das Machbare. Seine Devise lautete stets „erst zuhören, dann entscheiden", so erinnern die heimischen Sozialdemokraten an Spanier. Menschen eine 
Stimme geben, die selbst keine haben „Ich verliere einen persönlichen Freund und jemanden, der mir an vielen Stellen mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat", würdigt Stefan Schwartze, Vorsitzender der SPD im Kreis Herford und als Bundestagsabgeordneter direkter Nachfolger Wolfgang Spaniers, den Verstorbenen. Sein Einsatz und seine Entschlossenheit für die sozialen Ideen und dafür, den Menschen eine Stimme zu geben, die sie selbst nicht laut erheben oder kein Gehör finden, war vorbildlich, so die Sozialdemokraten. „Sein Einsatz für das Gemeinwohl und die Entwicklung des Kreises Herford und der Stadt Bad Oeynhausen waren einzigartig. Sein Verständnis für soziale Gerechtigkeit und seine durchsetzungsstarke Persönlichkeit werden der SPD fehlen." Als aufrechten, konsequenten, kritischen und – wenn es sein musste auch streitbaren – Sozialdemokraten beschreiben ihn Freunde und Weggefährten. Mieterschutz und Armutsbekämpfung Wolfgang Spaniers Zielsetzung, die Interessen der Menschen zu vertreten, die sich selbst nicht artikulieren können, zieht sich durch sein Wirken. Themen wie Wohnungsbau, Familien- und Sozialpolitik wurden zu seinen bundespolitischen Schwerpunkten. Er arbeitete an Gesetzesinitiativen zu Mieterschutz oder Armutsbekämpfung mit und war von 2005 an – bis zu seinem Ausscheiden aus dem Parlament 2009 – stellvertretender Sprecher der Bundestagsfraktion für Verteilungsgerechtigkeit und soziale Integration. Man sah ihn meist eher als Gast auf Sommerfesten von Sozialprojekten als bei großen repräsentativen Anlässen. Wolfgang Spanier wurde am 30. Januar 1943 in Münster geboren. Dort studierte er auch Germanistik und Philosophie und wurde 1969 Lehrer. Von 1984 bis 1989 war er stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Löhne, in den Jahren 1989 bis 1994 war er Schulleiter des Marianne-Weber-Gymnasiums im lippischen Lemgo. "Wer ist Wolfgang"-Plakat Wolfgang Spanier gehörte von 1984 bis 1994 dem Rat der Stadt Herford an und war dort ab 1989 SPD-Fraktionsvorsitzender. Besonderen Einfluss nahm er auf den Wohnungsbau. Auskömmlicher und bezahlbarer Wohnraum war ihm wichtig. Auf bundespolitischer Ebene begann sein Wirken mit der Bundeswahl 1994. Mit dem „Wer ist Wolfgang"-Plakat wurde er bekannt. Vier Mal hintereinander zog er als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Herford-Bad Oeynhausen in den Deutschen Bundestag ein, gehörte ihm 15 Jahre an. Hier war er in den Jahren von 1998 bis 2005 auch stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe Verkehr, Bau und Wohnungswesen der SPD-Fraktion. Im Jahr 2009 zog sich der zweifache Vater und Großvater dann aus der Tagespolitik zurück – was ihn aber nicht daran hinderte, sich zu lokalen aber auch bundespolitischen Themen zu Wort zu melden. So war er im Februar Gast auf der Diskussionsveranstaltung der SPD zur Frage der Großen Koalition. Wolfgang Spanier – ein durch und durch politisches Leben.

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