Umstrittene Aktion: Die Kinder in der Ditib-Moschee in Herford traten uniformiert zum Gedenken an die Schlacht von Gallipoli an. - © NW
Umstrittene Aktion: Die Kinder in der Ditib-Moschee in Herford traten uniformiert zum Gedenken an die Schlacht von Gallipoli an. | © NW

Herford/Düsseldorf Ditib-Skandal: NRW-Verfassungsschutz eingeschaltet

Video mit Kindern in Kampfanzügen und Waffen-Attrappen waren Thema in 
zwei Ausschüssen des Landtags. Innenminister Reul spricht von erschreckenden Bildern

Lothar Schmalen

Herford/Düsseldorf. Gleich in zwei Ausschüssen des Düsseldorfer Landtags sind die Vorfälle in der Herforder Ditib-Moschee mit uniformierten Kindern Thema gewesen – am Vormittag im Kinder- und Jugendausschuss, am Abend im Innenausschuss. Inzwischen prüft der NRW-Verfassungsschutz, ob es neben den Vorfällen in Herford und Mönchengladbach noch in weiteren Moscheen ähnliche „Feiern" gegeben hat, in denen Kinder eine Rolle bei nationalistischen und militaristischen Ritualen spielen. Die beiden OWL-Abgeordneten Dennis Maelzer (Detmold) und Christian Dahm (Vlotho), beide SPD, hatten den Herforder Vorfall in den Ausschüssen zur Sprache gebracht. Wie berichtet, war im Internet ein Video von einer Feier in der Herforder Ditib-Moschee aufgetaucht, auf dem Kinder beim Marschieren mit Kampfanzügen und Waffen-Attrappen zu sehen waren. Ein ähnliches Video gibt es auch mit Aufnahmen aus einer Ditib-Moschee in Mönchengladbach. In den Moscheen wurde auf diese Weise der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg gedacht, bei der türkische Truppen die Entente-Mächte geschlagen haben. Bei der blutigen Schlacht gab es 100.000 Tote und 250.000 Verletzte. Videos sind "Gegenstand von Überprüfungen" Inzwischen hat sich der NRW-Verfassungsschutz eingeschaltet. Im Innenausschuss des Landtags sagte Verfassungsschutz-Chef Burkhard Freier, zwar werde Ditib nicht als verfassungsfeindliche Organisation beobachtet, doch seien die aufgetauchten Videos durchaus Gegenstand von Überprüfungen. „Ich gehe davon aus, dass es diese Art des nationalen Gedenkens nicht nur in Herford und Mönchengladbach gab", sagte Freier am Abend im Innenausschuss. Der Verfassungsschutz beobachte schon länger mit Sorge den zunehmenden Nationalismus der türkischen Organisationen in Deutschland. Immer häufiger komme es zu Erdogan-nahen Aktionen. Familienminister Joachim Stamp (FDP) und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verurteilten den Missbrauch von Kindern für nationalistische und militaristische Vorführungen auf das Schärfste. "Bilder erschrecken mich" Mit Bestürzung und Entsetzen habe er die Videoaufnahmen zur Kenntnis genommen, sagte Stamp im Jugend- und Familienausschuss. „Die Bilder erschrecken mich", sagte Innenminister Reul. Er habe den Ditib-Bundesverband aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Eine Antwort gebe es bislang noch nicht. Ditib ist der größte Moscheeverband in Deutschland und wird vom türkischen Staat finanziert. „Solche gewaltverherrlichende Szenen haben in Gotteshäusern nicht verloren", betonte Sozialdemokrat Dahm. „Keinen Millimeter" will Mark Lürbke, FDP-Abgeordneter aus Paderborn, akzeptieren, „wenn Kinder und die Religionsfreiheit zum Propagandainstrument für Politik aus Ankara degradiert werden".

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