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Stellungnahme: Necati Aydin, Mitglied des Herforder Ditib-Vorstandes, steht ARD-Mitarbeitern im Rathaus Rede und Antwort. - © Jobst Lüdeking
Stellungnahme: Necati Aydin, Mitglied des Herforder Ditib-Vorstandes, steht ARD-Mitarbeitern im Rathaus Rede und Antwort. | © Jobst Lüdeking

Herford Herforder Moschee-Video: Ditib kündigt Konsequenzen an

Die Herforder Gemeinde und der Bundesverband beziehen Stellung. Bürgermeister Tim Kähler spricht von einem Vertrauensverlust

Jobst Lüdeking
14.04.2018 | Stand 14.04.2018, 08:30 Uhr

Herford. Die Herforder Ditib-Gemeinde hat über ihr Vorstandsmitglied Necati Aydin nach einem Gespräch mit Bürgermeister Tim Kähler gestern "personelle Konsequenzen" angekündigt. "Das ist ein No-Go und sollte so nicht passieren", sagte er über die Veranstaltung in der Herforder Moschee, bei der Kinder in Kampfanzügen paradierten. Auch der Vorstand sei "empört", so Aydin weiter. Man wolle künftig eng mit der Stadt zusammenarbeiten und Konzepte entwickeln, kündigte er weiter an. "Wir ziehen nicht einfach einen Schwamm darüber", versprach er. Die Aufführung, in Gedenken an eine Schlacht im Ersten Weltkrieg, sei ein Fehler gewesen.

Inzwischen hat nun der Ditib-Bundesverband in Köln Stellung zu dem Bild- und Videomaterial bezogen, das an die Öffentlichkeit ging. "Als Bundesverband haben wir gegenüber dem Ortsverein Herford unseren Unmut über die Aufführung gezeigt und die Verantwortlichen aufgefordert, zurückzutreten. Nach Mitteilung des Ortsvereins war der inzwischen zurückgetretene Elternbeauftragte verantwortlich für die Aufführung", heißt es in der Stellungnahme.

Bürgermeister Tim Kähler sieht Bringschuld beim Moscheeverein

Die Ratschläge hätten aber nur Empfehlungscharakter. Die Ditib-Dependancen seien eigenständige Vereine. In Herford hätten der lokale Vorstand sowie der Landes- und Bundesverband und die Moscheegemeinde sofort interveniert. "Grundsätzlich lehnt die Ditib die Instrumentalisierung von Kindern für Gewalt und auch Gewaltverherrlichung jeder Art ab und distanziert sich von solchen Handlungen", heißt es weiter.

Bürgermeister Tim Kähler sieht jetzt eine Bringschuld beim Moscheeverein, eine Entschuldigung reiche nicht. "Die Moscheegemeinde muss das verlorene Vertrauen der Herforder Bürger zurückgewinnen. Da erwarte ich jetzt Vorschläge und Ideen von den Verantwortlichen", so Kählers erstes Fazit nach dem rund 45-minütigen Gespräch mit den drei Vorstandsmitgliedern.

In Zusammenhang mit den Aufnahmen in der Ditib-Moschee sind mittlerweile Strafanzeigen von Eltern der Kinder wegen der Veröffentlichung der Bilder bei der Polizei eingegangen. "Es sind neun Anzeigen, die derzeit noch bei der Polizei in Herford liegen", erklärte eine Sprecherin der Bielefelder Polizei. Der dortige Staatsschutz solle den Vorwürfen nachgehen.

NRW-Ministerium schließt Möglichkeit der Kindeswohlgefährdung nicht aus

Im Anschluss an das Gespräch im Herforder Rathaus traf sich Aydin mit den Eltern der Kinder in der Moschee. Das NRW-Familien- und Integrationsministerium hatte die Möglichkeit einer Kindeswohlgefährdung nicht ausgeschlossen. Diese Frage solle aber das Herforder Jugendamt klären. Darüber will Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) in einem Schreiben Antworten von Ditib einfordern.

Nach wie vor sorgen die Aufnahmen für Unverständnis und heftige Reaktionen. Die Herforder CDU sprach von einer Parallelgesellschaft. "Die Stadt Herford sollte - bis auf weiteres - die Zusammenarbeit mit der Ditib-Gemeinde einstellen", teilte Thomas Beck, Sprecher der Herforder CDU mit. Ein gänzliches Ende der Zusammenarbeit zwischen Land und Ditib fordert der Landesverband der Linken. So könne die Ditib nicht weitermachen, sagte auch der Herforder Landtagsabgeordneten Stephen Paul (FDP). In einem Brief erwarten die Grünen Bundes-, sowie Landtagsvertreter und der Kreisverband eine Erklärung, wie es zu dieser Inszenierung kommen konnte. Massive Kritik gab es auch von kurdischen und alevitischen Vertretern.

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