Eine der Aufnahme, die auf Facebook veröffentlicht wurde, zeigt, wie die Kinder – die offenbar gefallene Soldaten spielen – unter einer türkischen Fahne liegen. Diese Aufnahmen wurden mittlerweile entfernt. - © N.N.
Eine der Aufnahme, die auf Facebook veröffentlicht wurde, zeigt, wie die Kinder – die offenbar gefallene Soldaten spielen – unter einer türkischen Fahne liegen. Diese Aufnahmen wurden mittlerweile entfernt. | © N.N.

Herford Kinder in Kampfanzügen: Politiker fordern Antworten von Ditib

Politiker sind über die Aufnahmen entsetzt. Das Jugendamt soll prüfen, ob eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt

Jobst Lüdeking

Herford. Die Aufnahmen, die Kinder beim Paradieren in Kampfanzügen in der Herforder Moschee des Vereins Ditib zeigen, haben heftige Reaktionen ausgelöst – lokal und landesweit. Nur von einer wichtigen Institution gab es bislang keine Antwort zu dem Fall. Der Film und die Fotos beschäftigen seit Donnerstag auch das NRW-Familien- und Integrationsministerium. „Die Bilder aus der Ditib-Moschee sind verstörend und völlig inakzeptabel", sagte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) in Düsseldorf. „Der Vorfall bestärkt uns in unseren Befürchtungen, dass die Ditib in NRW im politischen Interesse der türkischen Regierung agiert. Wir erwarten vom Ditib-Landes- und Bundesverband zu den Geschehnissen eine unmissverständliche Klarstellung und Distanzierung. Wir fordern den Ditib-Landesverband auf, schleunigst zu klären, ob es weitere derartige Vorfälle in anderen Ditib-Gemeinden gegeben hat und diese unverzüglich zu melden." Anfrage bleibt unbeantwortet „Kinder in Kampfanzüge zu stecken ist in Deutschland ein No-Go", sekundierte Bürgermeister Tim Kähler bei einem Pressegespräch. Er kündigte Konsequenzen an. Ansätze für strafrechtliche Ermittlungen haben die Aufnahmen nicht, teilte Polizeisprecher Achim Ridder in Bielefeld derweil mit. Beamte des Staatsschutzes hatten sie in Augenschein genommen. Dafür stellt sich die Frage, inwieweit eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. „Aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe stehen die Bilder dem Geiste einer gewaltfreien Erziehung in besonders heftiger Art und Weise entgegen", teilte das NRW-Familien- und Integrationsministerium auf Anfrage weiter mit. Die UN-Kinderrechtskonvention ächte die Rekrutierung von Kindern. Ihre Beteiligung an bewaffneten Konflikten sowie eine Zwangsrekrutierung von unter 18-Jährigen sei verboten. Die Bilder aus Herford erweckten jedoch den Eindruck, dass genau eine solche Beteiligung an bewaffneten Konflikten von Kindern geübt wird. Die Frage der Kindeswohlgefährdung sei vom Jugendamt zu prüfen. "Kein Zeichen der Integration" Durch die Parteien treffen die Aufnahmen auf Ablehnung. „Hier setzt die Gemeinde kein Zeichen der Integration. Ich werde daher dieses Thema in der kommenden Woche im Innenausschuss des Landtags auf die Tagesordnung setzen lassen; ebenso auf die Tagesordnung des Integrationsausschusses", kommentierte der Herforder Landtagsabgeordnete Christian Dahm (SPD) die Aufnahmen. „Kinder, die in einer staatlich geförderten, religiösen Einrichtung in Militär- und Kampfkleidung gesteckt salutieren, kann man sicher nicht als Bagatelle abtun. Hier werden Kinder politisch instrumentalisiert", teilt der Europaabgeordnete Arne Gericke (Freie Wähler) mit, der sich gestern in Herford aufhielt. Eine Antwort steht noch aus: Die in Köln ansässige Ditib-Dachorganisation – die Türkisch Islamische Anstalt für Religion e.V. – war gestern gegen 11 Uhr per E-Mail um eine Stellungnahme und Einschätzung der Vorgänge in Herford bis zum Nachmittag gebeten worden. Eine Antwort ging bis zum Redaktionsschluss nicht ein. Die Organisation, die enge Verbindungen zum türkischen Staat hat, der auch die Ditib-Prediger finanziert, war bereits in der Vergangenheit massiv in die Kritik geraten. Die Aufnahmen mit den Kindern waren unlängst entstanden. Sie beziehen sich auf die – für die Türkei überaus wichtige und erfolgreiche – Schlacht an den Dardanellen. Truppen des osmanischen Reiches hatten australische, neuseeländische und französische Einheiten, die auf das damalige Konstantinopel vorstoßen wollten, zurückgeschlagen. Die schreckliche Bilanz: 100.000 Tote, 250.000 Verwundete.

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