Die Lage esakliert: Gunther geht auf Joe (Lars Brockmann, l.) los, der immer noch mit Gunthers Ehefrau in spe Rosa (Maggy Abal, r. ) verheiratet ist. Obwohl Maria (Anke Brandwein) penibel die Verfehlungen der Dörfler notiert, blickt auch sie nicht richtig durch und versucht zu schlichten. - © Ralf Bittner
Die Lage esakliert: Gunther geht auf Joe (Lars Brockmann, l.) los, der immer noch mit Gunthers Ehefrau in spe Rosa (Maggy Abal, r. ) verheiratet ist. Obwohl Maria (Anke Brandwein) penibel die Verfehlungen der Dörfler notiert, blickt auch sie nicht richtig durch und versucht zu schlichten. | © Ralf Bittner

Herford Heimatverein Stedefreund sorgt mit Theater-Komödie für Unterhaltung

Happy Ends für alle gibt es nicht mehr

Herford. Vor vollem Haus präsentierte die Theatergruppe des Heimatvereins Stedefreund ihr Stück "Amore mio - kann denn Liebe Sünde sein?" im Stedefreunder Krug. Wo Pfarrer für Stripper gehalten werden, zwei Frauen um eine Stelle streiten, die Schwester die Braut des Bruders hasst und Männer "Weisheiten" über das Wesen der Frauen teilen, da sind reichlich Missverständnisse und Trubel garantiert - sehr zum Vergnügen der Zuschauer vor der Bühne. Schauplatz des Lustspiels aus der Feder Ute Tretter-Schlickers ist die schlecht laufende Dorfkneipe von Gunther (Manfred Friske). Der ist frisch verliebt und will Freundin Rosa (Maggy Abal) auch bald heiraten. Schwester Traudl achtet auf ein ehrenwertes und anständiges Haus Sehr zum Missfallen seiner Schwester Traudl (Christine Held), die Rosa und ihrem vermeintlichen Bruder Joe (Lars Brockmann) nicht traut und gleichzeitig noch mehr als sonst auf ein ehrenwertes und anständiges Haus achtet, weil sie ebenso wie ihre Freundin Maria (Anke Brandwein) auf die Stelle als Haushälterin beim neuen Dorfpfarrer (Tino Jacobi) hofft. Und dann ist da noch Franzl (Martin Kleineidam), der hinter Traudl her ist und auf seinen neuerworbenen italienischen Akzent setzt, um sie herumzubekommen. Wenn er sich mit einem selbstbewussten "Amios Nachos! Das heißt Servus Freunde!" in Pose wirft, sind Schenkelklopfer und Lacher garantiert. Trotzdem geht es zwischen ihm und Traudl nicht so recht voran. Also holt er sich Rat beim Frauenhelden Joe, für den Frauenbewegung darin besteht, dass sich Frauen für ihn bewegen. Der Club der enthaltsamen Jungfrauen hat zwei Mitglieder Rosa und Traudl sind Gründungs- und einzige Mitglieder des Clubs der enthaltsamen Jungfrauen. Die begehrte Stelle beim neuen Dorfpfarrer macht sie aber zu erbitterten Konkurrentinnen. Ihren Streit tragen sie in packenden Wortgefechten in Gunthers Kneipe aus. Maria führt ein "Sündenbuch", in dem sie alle Verfehlungen der Dorfbewohner einträgt, weil sie damit beim neuen Pfarrer punkten will. Eine heiße Nacht mit Joe inklusive Filmriss und Sturz vom Balkon später ist das Buch verschwunden, dafür weiß sie jetzt, dass Joe und Rosa noch verheiratet sind. Sehr zur Freude Traudls will Gunther die Freundin aus dem Haus werfen. Die Enttäuschung über Rosa treibt ihm die Tränen in die Augen - oder ist es vielleicht doch die Gesichtsmaske seiner Schwester, die statt Quark Zaziki aufgelegt hat. Als Maria und Traudl, dann auch noch den neuen Dorfpfarrer mit einem Stripper verwechseln, der sich die Kneipe vor einem geplanten Junggesellenabschied ansehen will, und ihm offensiv-offenherzig ihre intimen Vorlieben schildern, ist es um ihren Job geschehen. Ein Happy End scheint nirgends mehr in Sicht, für keinen der Akteure auf der Bühne. Tatsächlich ist der Traum vom Traumjob für die Freundinnen ausgeträumt als Gunther den vermeintlichen Stripper als Pfarrer begrüßt. Selbst Franzl und Joe, der nur gekommen war, um sich von Rosa scheiden zu lassen, haben genug von den beiden vermeintlichen Moralaposteln und beschließen ihre "Frauenstudien" auf einer ausgedehnten Reise fortzusetzen. Immerhin Gunther und Rosa finden wieder zueinander, doch vor allem für Maria und Traudl fällt das Happy End aus. Ob Liebe wirklich Sünde kann, müssen die Zuschauer selbst entscheiden. Die Darsteller lieferten unter der Regie von Petra Konopka beste Unterhaltung und reichlich Gesprächsstoff für das Bier danach im Stedefreunder Krug, wo die Gruppe drei Monate intensiv geprobt hatte und wo an den kommenden Wochenenden noch sieben so gut wie ausverkaufte Aufführungen folgen.

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