Da geht es lang: Ein Bürger zeigt Moderatorin Heike Prahlow (l.) beim Bürgerforum zum Radwegekonzept die Problemstellen seiner Radwegrouten. - © Mareike Köstermeyer
Da geht es lang: Ein Bürger zeigt Moderatorin Heike Prahlow (l.) beim Bürgerforum zum Radwegekonzept die Problemstellen seiner Radwegrouten. | © Mareike Köstermeyer

Herford Auf dem Weg zur Fahrradstadt

Mobilität: Rund 80 Interessierte diskutierten mit Experten der Planungsgemeinschaft Verkehr ein mögliches Radwegekonzept für Herford. Dabei sparten die Zweiradfahrer nicht mit deutlicher Kritik

Herford. Herford ist keine Fahrradstadt wie Amsterdam, Kopenhagen oder Münster. Trotzdem ist Herford eine "Stadt der kurzen Wege". Vom Zentrum bis zum Rand der Stadt sind es lediglich drei Kilometer. Und doch ist das Auto noch immer das beliebteste Fortbewegungsmittel, auch für kleine Strecken. Um das Radfahren in Herford attraktiver zu machen, hat die Stadt Herford die Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV) beauftragt, ein Radwegekonzept zu entwerfen. Denn "Radfahren im Alltag funktioniert nur mit guter Infrastruktur", wie Edzdar Hildebrandt von der PGV sagt. Das Konzept ist Teil des Projekts "Mein Herford 2030". Und so waren Interessierte bei einem Bürgerforum dazu eingeladen, Kritik zu äußern, Erfahrungswerte mitzuteilen und weitere Ideen einzubringen. Etwa 80 Menschen kamen der Einladung in die Mensa der Gesamtschule Friedenstal nach. Unter ihnen waren Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Schulvertreter, Fraktionsmitglieder, Polizisten, Vertreter verschiedener Herforder Firmen, aber auch Angehörige der Stadtverwaltung. "Wir möchten, dass die Bürger das Radwegekonzept mitgestalten", sagt Bürgermeister Tim Kähler. Über viele Kanäle habe man auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, um möglichst viele Herforder mit einzubeziehen und die Verwaltung transparenter zu machen. "Radfahrer sind kein unwesentlicher Teil des Verkehrs in dieser Stadt, darum sind wir bemüht, ein besseres Miteinander zu ermöglichen." Gut eineinhalb Stunden hatten die Anwesenden Zeit, sich an fünf verschiedenen Themenorten verteilt in der Mensa der Gesamtschule zu informieren und mit einzubringen. "Am 11. Juni wird es dann eine zweite Veranstaltung geben, an dem das optimierte Konzept vorgestellt werden soll" Der erste Themenort diente der Vorstellung des bisher erarbeiteten Konzepts. Hier konnten die Herforder von Problemen auf ihren Hauptverkehrsrouten berichten. Besonders angeregt wurde am zweiten Themenort diskutiert. Dort ging es um das Thema "Mit dem Rad in der Innenstadt". Der Wallring ist zwar bereits weitestgehend für Radfahrer ausgebaut, doch viele der Unterführungen sind den Bürgern ein Dorn im Auge. Häufig stinkt es nach Urin und manche, wie zum Beispiel jene am Lübbertor, bergen sogar Unfallgefahren. Außerdem seien Abstellmöglichkeiten in der Innenstadt ein Problem. "Ich habe zum Beispiel ein E-Bike und habe häufig Bedenken, das Fahrrad irgendwo anzuschließen", sagt die Herforderin Maggy Erhard. "Da wäre es schön, wenn es mehr gesicherte Fahrradstationen geben würde." Doch auch an den anderen Themenorten herrschte reger Austausch zwischen Herfordern und den Vertretern der PGV. Neben Problemstellen wie die Bahnhofskreuzung am GoParc und die Mindener Straße ging es auch um den Klimaschutzaspekt, E-Bikes aber auch um bunte Themen, wie zum Beispiel überdachte Parkmöglichkeiten für den Drahtesel. Alle Kritikpunkte und Ideen wurden an den Themenorten notiert und am Ende der Veranstaltung auf der großen Leinwand zusammengetragen. Die Anregungen der Bürger waren sehr verschieden. Trotzdem will die PGV so viele Punkte wie möglich in ihr Radwegekonzept mit aufnehmen. "Am 11. Juni wird es dann eine zweite Veranstaltung geben, an dem das optimierte Konzept vorgestellt werden soll", sagt Claudia Schelp. Ihre Firma Schelp Mediations ist einer der Kooperationspartner der PGV. Zum Ende waren die Veranstalter zufrieden mit den Ergebnissen der Diskussion. Ob Herford jedoch wirklich das Zeug zur Fahrradstadt hat, bleibt abzuwarten.

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