Stilisierte Stadtansicht: Die Installation zeigt das Steintor mit Stadtbefestigung, links dahinter den Turm von St. Jakobi und vorn den Stadtgraben mit Brücke. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Stilisierte Stadtansicht: Die Installation zeigt das Steintor mit Stadtbefestigung, links dahinter den Turm von St. Jakobi und vorn den Stadtgraben mit Brücke. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Neue Installation: Darum ist der Kirchturm spitz

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Sie hat eine märchenhafte Anmutung - die Silhouette des mittelalterlichen Stadtbildes, die seit Dienstag die Steintorbrücke am Stadtgraben ziert. Besonders bei Dunkelheit entfaltet sie durch die rückwärtige Beleuchtung eine besondere Wirkung. Mathias Polster hat die Vorlage für die scherenschnittartige Installation im Auftrag des Innenstadtvereins entworfen. Das mittelalterliche Steintor hat kein Zeitgenosse mehr gesehen und so fehlt der Vergleich. "Aber die Jakobikirche - die sieht doch mit ihrem Zwiebelturm ganz anders aus", mag der unkundige Betrachter sich wundern und hat gleich zwei Denkfehler begangen. "Die Jakobikirche hat auch heute keinen Zwiebelturm, sondern eine sogenannte Welsche Haube", erklärt der Stadtführer nachsichtig. Er hat für seinen Entwurf im Kupferstich der seinerzeit bedeutenden Freien Reichsstadt Herford des berühmten Künstlers und Verlegers Matthäus Merian aus dem Jahr 1641 nachgesehen. Und da trug die Jakobikirche ein spitzes Turmdach. Das sei bis zum verheerenden Stadtbrand von 1638 so gewesen, sagt Polster. Erst beim Wiederaufbau hat die Turmspitze ein Jahr später ihre für den heutigen Anblick so typische bauchige Form bekommen. Doch diese Zahlen passen ja wieder nicht so ganz zusammen. Mathias Polster hat im Historischen Jahrbuch des Kreises Herford von 2008 die Entstehung des Kupferstiches beschrieben. Demnach ist im 17. Jahrhundert nicht der viel beschäftigte Merian selbst in Herford gewesen, sondern der Künstler Wenzel Hollar. Der muss vor dem Brand die Stadt von einer Anhöhe an der heutigen Bünder Straße für den Meister gezeichnet haben. Polster vermutet das Jahr 1634. Merian hat daraus erst später in seiner Frankfurter Werkstatt seinen Kupferstich geschaffen.

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