Spielsucht: Sie zerstört ganze Familien. - © kiel-steinkamp
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Kreis Herford Spielsucht wird zunehmend unkontrollierbar

Diakonisches Werk: Ein Großteil ist vom Zocken am Automaten abhängig

Kreis Herford (nw). Glückspiel kann süchtig machen - insbesondere das Spiel an Automaten. Das wissen die Mitarbeiter der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werks nur zu gut. Etwa 80 Prozent der Menschen, die aufgrund von Spielsucht die Beratungsstelle aufsuchen, ist abhängig vom Automatenspiel, sagt Suchttherapeut Horst Brönstrup. Mehr als die Hälfte der Spielsüchtigen sei unter 30 Jahre alt, berufstätig, männlich, gut situiert und teilweise beruflich erfolgreich. "Der Leidensdruck wird erst größer, wenn der Job verloren ist, der erste Griff in die Kaffeekasse erfolgte oder die Schulden ohne Ende drücken", erklärte Brönstrup der Landtagsabgeordneten Angela Lück bei einem Besuch des Diakonischen Werks. Lück war nach der Landtagswahl 2017 in den Beirat Westdeutscher Spielbanken als ordentliches Mitglied gewählt worden. Aufgabe des Beirates ist die sachverständige Beratung der West-Spiel NRW in Fragen der Suchtprävention, des Jugendschutzes sowie der Kriminalitätsbekämpfung. Die Sucht nach Spielwetten und Online-Glücksspiel nimmt ebenfalls zu Die Fachstelle Sucht des Diakonischen Werks ist eine von drei Schwerpunktberatungsstellen, die durch das Land NRW und die Stiftung Zukunft im Wittekindskreis Herford gefördert werden. Bei ihrem Besuch traf Lück das Team der Spielerberatung: Angehörigenberaterin Sabine Scholz-Hörstmann, Horst Brönstrup sowie Geschäftsführerin Barbara Geisler-Hadler und Vorstand Holger Kasfeld. Lück erfuhr, dass zunehmend auch Sportwetten- und Online-Glücksspielsüchtige in die Beratungsstelle kommen. "Es gibt aber auch neue Formen des Glücksspiels, bei denen Geld gewettet werden kann auf den Ausgang bei gegnerischen Computerspielmannschaften", so Horst Brönstrup. Dieses "Beteiligt-sein am Spiel" habe einen hohen Reiz, ebenso wie Live-Sportwetten. Prominente Sportidole würden mit dem Satz "Machen Sie ihr Sportwissen zu Geld" zu Beeinflussern. "Dabei wird vergessen, dass Sportereignisse wenig vorhersehbar sind", meint Brönstrup. Spielotheken binden ihre Klientel mit kostenlosen Getränken und Snacks Spielotheken versuchten durch kostenlose Getränke und Snacks die Klienten an sich zu binden. Auch Senioren würden durch neue seniorengerechte Automaten und Spielmöglichkeiten gelockt. "Es wird stark mit psychologischen Aspekten gearbeitet, wie mit einem Lady-Day oder einer Modenschau", so Brönstrup. Die Spielsucht werde zunehmend unkontrollierbar, Wetten könnten von zuhause vom Sofa aus gespielt werden. Kleine und manchmal auch größere Gewinne erhöhten das Belohnungsgefühl. Um mögliche Suchtverläufe besser zu erkennen, ist die Schwerpunktberatungsstelle Herford am Projekt "Glüxxit" beteiligt: eine landesweite präventive Maßnahme, um Lehrer und Schüler von Berufsschulen für die Gefährdungspotentiale von Glücksspielen zu sensibilisieren. Süchtige müssen den Weg zur Beratung selbst finden Viele Angehörige wenden sich mit der Bitte an Beraterin Sabine Scholz-Hörstmann, um einen Termin mit dem Suchtkranken zu vereinbaren. "Das ist aus der Sicht des Angehörigen verständlich, aber keine Option für eine Beratung. Der Süchtige muss seine Sucht als solche erkennen und selbst tätig werden." "Prävention muss früher anfangen", meint Barbara Geisler-Hadler. Grundschulkindern sollten klare Grenzen im Umgang mit dem Smartphone oder Tablett gesetzt werden. Die Nutzungskultur der Eltern stellt ein großes Vorbild für die Kinder dar. "Eine große Hilfe wäre, wenn Verwaltungen mehr darauf achten würden, an welchen Orten sich Spielhallen niederlassen und welche Altersgruppen sich dort tummeln", so Brönstrup.

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