Herford Peter Buchenau erklärt, wie Menschen zur Marke werden

"Anziehungskraft ist erlernbar"

Friderieke Schulz
30.11.2017 | Stand 29.11.2017, 20:05 Uhr

Herr Buchenau, in Ihrem Vortrag heute Abend im Denkwerk sprechen Sie darüber, wie Menschen im digitalen Zeitalter zur Marke werden können. Wird der Mensch nicht durch die Digitalisierung abgelöst? Buchenau: Schlussendlich hängt der Erfolg noch immer von Menschen ab. In den 90er Jahren hatte ich einen sehr guten Mentor, der mich an die Hand genommen hat und mir einen wirklich guten Satz gesagt hat: Arbeite nie für deinen Erfolg, sondern immer für den Erfolg deiner Mitarbeiter. Dieser Satz ist mir bis heute geblieben. Ich möchte den Menschen in seiner Ganzheit integrieren. Wie gelingt das? Buchenau: Das ist relativ einfach. Als Unternehmer muss ich die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter kennen und das Entfaltungspotenzial von ihnen fördern. Es gibt Studien die sagen, dass 70 Prozent der Leute innerlich schon gekündigt haben und dementsprechend auch nur Arbeit nach Vorschrift machen. Das bringt einen Unternehmer nicht weiter. Er muss die Menschen mit den Aufgaben befähigen, die ihnen wirklich Spaß machen. In Ihrem Vortrag geht es darum, wie man sich im digitalen Zeitalter zur Marke machen kann. Gibt es da ein allgemeingültiges Rezept? Buchenau: Nein, das ist für jeden Menschen individuell, weil jeder Mensch ja einzigartig ist. Aber ich habe bereits vor zehn Jahren eine Methode entwickelt, die nennt sich Performer-Methode. Was verbirgt sich dahinter? Buchenau: Das ist ein Neun-Stufen-Programm, die als Leitfaden zur Markenentwicklung helfen. Performer ist ein Kunstwort. Das P steht für Purpose (dt.: Zweck). Das heißt, dass ich zuerst für mich selber klären muss: Ich möchte mich verändern, den Herausforderungen stellen und vor allem klar machen, wohin ich mich verändern möchte. Dafür muss man aber die Digitalisierung und die neuen Medien als Chance sehen. Nicht als Gegner? Buchenau: Nein, mein Ziel ist es ja nicht, gegen die Digitalisierung zu sein. Sondern, wie sinnvoll man Mensch und Digitalisierung zusammenbringen kann. Der nächste Buchstabe in der Performance-Methode ist das E. Wofür steht das? Buchenau: Für empowerment (Ermächtigung). In diesem Schritt müssen die Stärken und Schwächen herausgefunden werden. Welche Fähigkeiten können in die Markenbildung einbezogen werden. Vor allem auch, was darf ich!? Wenn ich zum Beispiel in einer leitenden Funktion bin, muss ich gegebenenfalls auch das Management mit einbeziehen. Und so ist jeder Buchstabe in der Methode ein weiterer Schritt, um zum Schluss zu dem Punkt zu kommen, sich zur Marke entwickeln zu können. Diese einzelnen Schritte bekommen die Menschen in Ihrem Vortrag an die Hand? Buchenau: Richtig. Ich gehe darauf ein und lade alle ein, die an dem Vortrag teilnehmen, diese Methode nachher kostenfrei als E-Book runterzuladen. Für wen ist es denn eigentlich nützlich, sich in der digitalen Welt als Marke zu etablieren? Buchenau: Es ist für jeden wichtig. In den nächsten 13 bis 15 Jahren wird der Beschäftigungsstand in Deutschland von 31 Millionen auf 15 oder 16 Millionen heruntergehen. Die übrigen Menschen kommen auf einmal auf den freien Arbeitsmarkt. Aufgrund des Internets ist Wissen künftig nichts mehr wert, alle haben den gleichen Wissensstand. Also muss sich jeder dieser Herausforderung stellen. Wenn ich mich im Netz also nicht zur Marke mache bekomme ich keinen Job mehr? Buchenau: Es geht ja nicht nur ums Netz. Auch für das Leben außerhalb ist das wichtig. Einer der Punkte ist ja zum Beispiel auch Magnetismus. Nicht alle Menschen werden wahrgenommen, wenn sie den Raum betreten. Das ist ja nicht nur nett, sondern auch mit Empathie verbunden. Wer eine Anziehungskraft vermittelt, hat Zukunftschancen. Anziehungskraft ist erlernbar? Buchenau: Ja. Wenn das Wissen künftig nicht mehr wichtig ist, geht es also mehr um Inszenierung, eine Show? Buchenau: Es geht nicht um eine Show, sondern darum, authentisch zu sein. Ich muss zu meiner Person zurückkommen. Deswegen vertrete ich auch die Aussage: Tue das, was du kannst und nicht das, was du gelernt hast. Das ist wichtig, wenn man beginnt, sich zu überlegen, wie man die steigende Zahl der Arbeitslosen auffangen möchte. Da kommt das bedingungslose Grundeinkommen als Thema hinzu. Ist das für Sie eine Lösung? Buchenau: Zumindest für den Übergang. Denn Sie wissen, was passiert, wenn Millionen Menschen auf der Straße stehen und Hunger haben, weil Lebensmittel für sie nicht finanzierbar sind. Eine Lösung hintendran habe ich noch nicht, aber ich könnte mir etwa eine Robotersteuer vorstellen, um diese Menschenmassen finanziell zu versorgen. Das sieht nach einer dunklen Zukunft aus. Müssen wir uns Sorgen machen? Buchenau: So dunkel ist die Geschichte auch nicht. In der industriellen Revolution hatten wir Ähnliches durchlebt und am Ende etwas Wunderbares geschaffen. Genauso wird es mit der Digitalisierung sein. Natürlich wird es Verluste geben. Diejenigen, die zu Veränderungen bereit sind, werden weiter kommen. Alle anderen bleiben auf der Strecke. Wer sich an Ihre Methode hält, muss sich nicht fürchten, oder? Buchenau: Die Performer-methode ist eine der Methoden auf dem Markt, die hilft, in Sichtbarkeit zu kommen, sich selbst zu entdecken, zu verwirklichen und mit ihren Fähigkeiten darzustellen. Welche Jobs werden denn in Zukunft wegfallen? Buchenau: Hauptsächlich im Banken- und Versicherungsbereich. Das ist ja schon zu 50 Prozent automatisiert. Auch die Rechtsanwälte werden durch den E-Discovery-Bereich abgelöst. Auch in der Produktion, der Logistik und neuerdings der Medizin wird viel passieren. Alle Bereiche, die schon hoch digitalisiert sind, sind stark betroffen. Welche Jobs werden denn überleben? Buchenau: Das klassische Handwerk wie Dachdecker, Installateure oder Bäcker werden ebenso überleben wie die sozialen Berufe wie Pfleger. Dort ist die Automatisierung noch nicht so weit. Dort zählen Gefühl, Emotionen und Geschmack. Das kann ein Roboter nicht. Das heißt, in diesen Berufen liegt die Zukunft? Buchenau: Auf jeden Fall eine große Chance. 2030 wird es 80 Prozent der heutigen Berufe nicht mehr geben und dafür 70 Prozent Neue. Welche zum Beispiel? Buchenau: Berufe, die abstrus klingen und weit weg von der Technik sind. Erste Anwandlungen davon gibt es bereits: Hundeflüsterer, Gassigeher, Pfleger, die alte Menschen durch den Wald schieben. Ebenso wird es weiter Berufe geben, die sich mit Haftung und Recht beschäftigen müssen. Zur Findung dieser speziellen Berufe hilft Ihre Methode? Buchenau: Ja, sie ist der Weg zum individuellen Schlüssel. Ihnen wird nachgesagt, dass es in Ihren Vorträgen immer sehr amüsant zugeht. Ist das das Ergebnis ihrer eigenen Performer-Methode, ihrer Spezialisierung? Buchenau: Ja genau. Ich liebe die Bühne seit meiner Kindheit. Ich konnte komplexe Themen schon immer amüsant und einfach darstellen. Ehrlich gesagt fällt mir das bei diesem Thema etwas schwer. Es ist ein ernstes Thema, bei dem es um Menschen geht, die ihren Job verlieren. Deswegen ist Sarkasmus und Humor nicht angebracht. Aber es wird unterhaltsam, auf alle Fälle. Das kann ich Ihnen versprechen.

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