Glückspilz: Auf den Fund dieses großen Steinpilzes ist Pilzexperte Hans-Dieter Wolf besonders stolz. - © Alexandra Golfinger
Glückspilz: Auf den Fund dieses großen Steinpilzes ist Pilzexperte Hans-Dieter Wolf besonders stolz. | © Alexandra Golfinger

Herford Regenreicher Sommer beschert Sammlern Pilzvielfalt

Experte Hans-Dieter Wolf erklärt, was es beim Suchen zu beachten gibt und wie essbare und giftige Exemplare unterschieden werden können

Herford. „Wenn Sie den jetzt essen würden, kämen Sie heute nicht mehr lebend nach Hause", sagt Pilzfreund Hans- Dieter Wolf und hält einen kleinen, unscheinbar wirkenden Speckpilz in der Hand. Der Vorsitzende des Vereins „Pilzfreunde Herford" ist mit einem rasch gefüllten Korb mit Steinpilzen, Pfifferlingen, Parasolpilzen und anderen Sorten im Herforder Stadtwald unterwegs. Dieses Jahr gibt es dank der vielen Regengüsse schon jetzt im Sommer eine große Vielfalt verschiedenster Pilzarten. „In einem guten Jahr wie diesem findet man fast alles, auch seltene Sorten wie den Strubbelkopfröhrling", sagt der Pilzexperte. Das Regenwasser konnte sich im Waldboden sammeln und begünstigte so das Wachstum der Pilze. Ein so erntereiches Jahr gab es zuletzt 2010, jedoch warnt Wolf: „Viele Pilze bedeuten auch viele giftige Pilze." Giftige Pilze können zum Tod führen Bei vielen Hobbysammlern landen häufig auch giftige Exemplare im Korb, da sie oft mit den essbaren Sorten verwechselt werden. Nicht selten enden solche Fälle dann mit einem Krankenhausaufenthalte oder sogar tödlich. Selbst Pilzfreund Wolf, der seit seiner Kindheit Pilze gesammelt hat, musste seinerzeit nach einem Kurs über Winterpilze feststellen: „So viel Ahnung hab ich doch nicht." Daher ließ er sich zum Pilzberater ausbilden und kennt sich nun besonders gut mit essbaren Pilzen aus. Beim Suchen und Sammeln gibt es einiges zu beachten. „Wichtig ist, Pilze nie roh zu essen", erklärt Hans-Dieter Wolf. Denn beim rohen Verzehr vieler Arten kann es sofort zu Vergiftungserscheinungen bis hin zu einer tödlich verlaufenden Magen-Darm-Entzündung kommen, bei der die Leber oder die Nieren versagen. Daher empfiehlt Wolf, Pilze immer erst gründlich durchzugaren und nur in kleinen Mengen zu probieren. Sollte die Unsicherheit zu groß sein, kann ein Pilzberater helfen. Bei der Ernte sollte darauf geachtet werden, den Pilz mit Knolle aus der Erde zu drehen, da sonst keine eindeutige Bestimmung der Sorte möglich ist. Das durch Abschneiden keine weitere Exemplare mehr nachwachsen sollen, ist laut Hans Dieter-Wolf ein Mythos. Denn der eigentliche Pilz ist ein Gewebe unter der Erde. „Man kann sich das wie einen unterirdischen Apfelbaum vorstellen", erklärt Wolf,. „Wenn ich einen Apfel pflücke, ist da ja auch nicht direkt der ganze Baum weg." Die Pilze an der Oberfläche sind also nur die Fruchtkörper. Auch der Eigenanbau ist möglich Was jedoch schadet, ist die Verdichtung des Waldbodens. Das geschieht, wenn schwere Fahrzeuge bei der Holzernte über den Waldboden fahren. So kann kein Wasser mehr versickern und es wird für den Pilz zu trocken. Auch Sammler, die sich in Naturschutzgebiete begeben, schaden seltenen Sorten. „Das ist auch hier in Herford ein großes Problem", sagt Wolf, denn oft werden so wichtige Biotope und geschützte Arten zerstört oder geschädigt. Auch die Sammelmenge ist von Land zu Land begrenzt, im Kreis Herford sollten nicht mehr als zwei Kilogramm für den Privatgebrauch im Korb landen. Neben dem Ernten von Wildpilzen besteht auch die Möglichkeit, Pilzsorten wie den Champignon selber in Gewächskästen zu Hause zu züchten. Das ist aber nichts für Hans-Dieter Wolf, er mag die Vielfalt und den würzigen Geschmack der Wildpilze lieber. Was sein Lieblingsrezept ist? „Einfach mit etwas Öl, Salz und Pfeffer in der Pfanne anbraten. Das schmeckt lecker."

realisiert durch evolver group