Ackern: Ein Traktor mit Sämaschine und einer Packerwalze in der Front bei der Bestellung von Getreide. FOTO: WLV|| - © WLV
Ackern: Ein Traktor mit Sämaschine und einer Packerwalze in der Front bei der Bestellung von Getreide. FOTO: WLV|| | © WLV

Kreis Herford Bauern ziehen gegen Flächenfraß in der Region ins Feld

Massiver Verlust von Ackerland: Landwirte im Kreis Herford und Bielefeld haben mit ihrer Kritik vor allem drei große Projekte in der Leineweberstadt und im Wittekindskreis im Visier

Kreis Herford. Die Landwirte im Kreis Herford und Bielefeld schlagen wegen des steigenden Flächenverbrauchs für aktuelle Bauvorhaben Alarm. Dabei hat die grüne Branche im Kreis Herford das große Erweiterungsprojekt des Küchenherstellers Häcker mit rund 30 Hektar - das ist etwa die Fläche von 60 Fußballfeldern - im Blick. Doch nicht nur dort sind die Landwirte in Sorge. Angesichts der aktuellen Planungen in Bielefeld sei Häcker sogar ein minimales Problem, ergänzt Hermann Dedert, der Kreisvorsitzende des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, während eines Pressegesprächs in Hiddenhausen. "Da ist zum einen die Campusentwicklung in Zusammenhang mit dem Strategiekonzept Wissenschaftsstadt Bielefeld. Hier sind rund 100 Hektar betroffen, die bei Bauprojekten verloren gehen." Die diskutierte Ortserweiterung Dornberg-Babenhausen falle hingegen noch größer aus - 670 Hektar - und damit knapp sieben Quadratkilometer - würden hier überplant. Täglich werden zehn Hektar landwirtschaftliche Fläche zu Bauland "Mit uns Landwirten hat aber noch niemand gesprochen", stellt Dedert fest und zitiert die Statistik. Laut deren Daten machen sich täglich allein in NRW zehn Hektar Felder und Weiden als Bauland vom Acker. Weitere sieben Hektar werden den Landwirten für sogenannte Ausgleichsmaßnahmen - also die gesetzlich vorgeschriebene Anlage von Ersatz-Biotopen - entzogen. Das ist ein Problem gerade für Höfe in den stadtnahen Bereichen: Sie verlieren oft Pachtflächen, die sie für den Bestand ihrer Betriebe brauchen. Die dann schrumpfende Fläche hat wiederum direkte Auswirkungen auf die daran gekoppelte Tierhaltung, den Ackerbau und damit auf die komplette betriebswirtschaftliche Situation. In Bielefeld werde aktuell ein Ernährungsrat eingerichtet, der die Vermarktung regionaler Produkte vorantreiben soll. Doch welchen Sinn mache ein Rat, wenn die Nahrungsmittel wegen des Flächenverlustes vor Ort gar nicht produziert werden können, fragt Dedert und ergänzt: "Die Landwirtschaft sieht aber sehr wohl die Notwendigkeit kommunaler Entwicklung." Mit dem knappen Gut Boden müsse aber verantwortungsbewusst umgegangen werden. Die Bauern setzen sich deshalb für mehr Innenentwicklung ein - bei der innenstädtische Brachen wie alte Industrieflächen zunächst bebaut werden. Dedert hat noch einen Spar-Vorschlag. "Gewerbegebäude könnten ja nicht nur wie bisher eingeschossig sondern auch zweigeschossig errichtet werden". Und bei den Ausgleichsflächen müssen statt der reinen Fläche die Qualität der Ausgleichsmaßnahmen an Bachläufen oder in Schutzgebieten gelten. Kühe sagen leise Servus Die Zahl der Höfe mit mehr als 5 Hektar Fläche im Kreis Herford und Bielefeld ist seit dem Jahr 2010 von 739 auf nun 691 zurückgegangen. Tendenz: Weiter fallend. Bei den Milchviehbetrieben gab es sogar einen regelrechten Strukturbruch, der aber im Stillen ablief, so der Landwirtschaftliche Kreisverband. Ihre Zahl hat sich von ehemals 65 auf aktuell 24 mehr als halbiert, erklärt Heinrich Quakernack, Landwirt aus Bielefeld, Milcherzeuger und stellvertretender Kreisvorsitzender. Der Preis pro Kilo ist von 24 auf 34 Cent gestiegen. Das reiche aber für eine Deckung aller Kosten nicht aus. Die Lage auf den Schweinefleischmarkt - mit Preisen, die von 1,24 auf 1,81 Euro je Kilo geklettert sind, gebe den Bauern Zeit zum Durchatmen. Beim Getreide rechnen die Betriebsleiter nach wie vor mit einer durchwachsenen Preisentwicklung. Zurzeit würden rund 15 bis 16 Euro je 100 Kilo Weizen gezahlt. Dieser Preis werde aber mit Erntebeginn um ein bis zwei Euro nachgeben.

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