Stehen seit langem leer: Die ehemaligen Pferdestallungen auf dem Gelände der Hammersmith-Kaserne sehen heruntergekommen aus. - © Peter Steinert
Stehen seit langem leer: Die ehemaligen Pferdestallungen auf dem Gelände der Hammersmith-Kaserne sehen heruntergekommen aus. | © Peter Steinert

Herford Neue Pläne für das Gelände der Hammersmith-Kaserne

Quartiersentwickler Norbert Landshut möchte ein neues Wohnviertel schaffen und gleichzeitig die Charakteristik des Standorts erhalten

Herford. Norbert Landshut pflegt seine Visionen. Neulich, am Tag der Städtebauförderung, führte der Quartiersentwickler eine gut 50-köpfige Gruppe über das Gelände der Hammersmith-Kaserne. Gleich hinter dem Eingang an der markanten Standuhr stoppte er. "Hier könnte ein Café entstehen mit Tischen und Stühlen in der Mitte des Platzes, von denen aus das Treiben auf dem Bildungscampus gegenüber beobachtet werden kann." Dabei schmiedet der 48-Jährige für den hinteren Bereich des zwischen Mozartstraße und Vlothoer Straße gelegenen Areals der Hammersmith-Kaserne ebenfalls schon Pläne: "Die dortigen Reithallen könnten zu Eigentumswohnungen umgebaut werden. Mit vorhanden Elementen würden wir die Charakteristik des Standorts weiter leben lassen." Ähnliche Projekte sind bereits verwirklicht worden. Etwa in Potsdam, wo die frühere "Rote Kaserne" der sowjetischen Streitmächte umgewandelt wurde. Ihren Namen hatte die "Rote Kaserne" wegen des roten Klinkermauerwerks erhalten. Identisch mit Herford sind die nach außen weniger in Erscheinung tretenden ehemaligen Stallungen und Reithallen im rückwärtigen Bereich. In Potsdam ist allerdings von der ursprünglichen Grundfigur der Stallanlagen, ein offenes "E", nur noch ein Teil vorhanden. Aufgrund starker baulicher Schäden mussten 1994 etliche Gebäude abgebrochen werden. Inzwischen ist die Entwicklung der denkmalgeschützten "Roten Kaserne" nahezu abgeschlossen und sie ist heute ein gemischt genutztes Quartier mit Wohnen, Dienstleistungsgewerbe sowie produzierendem Gewerbe in den Bereichen Medizintechnik und Modellbau. Die verbliebenen Stallanlagen und Reithallen wurden zwischen 2008 und 2010 vollständig zu Wohnungen umgebaut. Ein weiteres Projekt mit Vorbildcharakter entdeckte Norbert Landshut in Schwabach bei Nürnberg. Hier zogen sich die Amerikaner aus der O?Brien-Kaserne zurück. Die dortigen Reitanlagen stammten aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Mittlerweile sind diese denkmalgeschützten Stallungen unter dem Namen "Parksidelofts" als Stadthäuser, Lofts und Wohnungen vermarktet worden. "Schwabach passt sogar noch besser als Potsdam zu Herford, weil die Gebäude in etwa die gleiche Größenordnung haben", so Landshut. »Man muss Visionen entwickeln und sehen, welche Chancen das Ganze haben könnte« Der Quartiersentwickler räumt ein, dass die Idee mit den Pferdeställen eine besondere Herausforderung ist. "Die Dinger sind abbruchreif. Doch wenn man sie revitalisiert, dann sind diese Gebäude einfach nur schick." Ob sich dieses schicke Projekt auch finanzieren lässt, hängt von den Vorstellungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) ab, die als Nachfolgeeigentümerin die britischen Liegenschaften vermarktet. Sowohl für die Wentworth-Kaserne als auch für die Hammersmith-Kaserne hat sie der Stadt ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Bei der Wentworth-Kaserne griff die Stadt für den Bildungscampus bereits zu. Bis zum Frühjahr 2018 sollte der Rat auch für die Hammersmith-Kaserne einen entsprechenden Beschluss gefasst haben. Bis Mitte 2018 könnte die BIMA laut Landshut einen Verkaufswert ermittelt haben. Parallel dazu läuft ein städtebaulicher Wettbewerb. In den können letztlich auch Vorschläge einfließen, die von Studenten stammen. Die hatten sich, wie berichtet, im Rahmen eines Studierenden-Wettbewerbs des Hammersmith-Areals angenommen. Ergebnisse sollen im November präsentiert werden. Beide Wettbewerbe wären für einen Grundsatz von Quartiersentwickler Landshut gut. Dessen Überzeugung: "Man muss Visionen entwickeln und sehen, welche Chancen das Ganze haben könnte."

realisiert durch evolver group