Nachwuchs: Sechstklässler Lino Balgo (12) ist über die AG an seiner Schule zum Kendama gekommen. - © Nora Pfützenreuter
Nachwuchs: Sechstklässler Lino Balgo (12) ist über die AG an seiner Schule zum Kendama gekommen. | © Nora Pfützenreuter

Herford Das japanische Spiel Kendama fördert die Konzentration

Zum Turnier am Ravensberger-Gymnasium sind Schüler und Spieler aus Münster, Kassel und Kopenhagen gekommen. Die Szene ist eher alternativ

Nora Pfützenreuter

Herford. Eine Holzkugel wirbelt durch die Luft. Markus Lander balanciert, geht in die Knie und fängt sie wieder auf. Trick geschafft. Das Publikum jubelt und applaudiert. Es sieht aus wie Jonglieren, hat Elemente aus dem Skateboarding und erfordert noch mehr Geschicklichkeit als Tischtennis. Rund 50 Spieler aus mehreren deutschen Städten und sogar Dänemark sind zum Kendama-Turnier ans Ravensberger Gymnasium (RGH) gekommen. Kendama ist in Deutschland ein noch unbekannter Sport. In Japan gibt es das Spiel bereits seit 400 Jahren. Später kam es in die USA und nach Europa. Bei dem Sport geht es um Geschicklichkeit, Körperspannung und Geduld. »Die Schüler können sich seitdem besser konzentrieren« Die Spieler müssen bestimmte Tricks nacheinander erfolgreich meistern. Dafür halten sie ein kleines Holzschwert (japanisch: ken) in der Hand. Daran ist mit einer Schnur eine Holzkugel (tama) befestigt. An dem Schwert befinden sich zwei unterschiedlich große Teller. Ziel des Spiels ist es, die nach unten hängende Kugel nach oben zu werfen und auf einem der zwei Teller oder oben auf der Spitze zu fangen. Marcel Chwoika ist deutscher Kendama-Vizemeister und Mathe- und Sportlehrer am RGH. Vor etwa einem Jahr hat er an der Schule eine AG rund um das japanische Spiel ins Leben gerufen. „Wir hatten auch einige Schüler hier, die Konzentrationsschwierigkeiten hatten", sagt Chwoika. „Seit sie Kendama machen, können sie sich im Unterricht besser konzentrieren." Er habe von Eltern viel positive Rückmeldung erhalten. Kendama erfordert nicht nur den Fokus der Gedanken, sondern ist durchaus auch anstrengend. „Man geht bei jedem Trick in die Knie und braucht Körpergefühl und Körperspannung", sagt Chwoika. Zudem schule das Spiel das physikalische Verständnis der Kinder und Jugendlichen. Beispielsweise lernten sie, dass man die Kugel am besten fängt, wenn sie beim Flug im toten Punkt steht. Kendama-Spieler Nick Padberg (24) aus Münster gibt zu, dass er am Anfang skeptisch war. Doch seit er auf Turniere fährt, kann ihn der Sport überzeugen. „Wir kommen viel rum und waren gerade auf Turnieren in Kopenhagen und Rom, dort waren Spieler aus elf Nationen", sagt Padberg. „Was Marcel Chwoika hier mit der Arbeitsgemeinschaft macht, hat im Bezug auf Kendama Vorreiterstatus in Deutschland." »Die Community ist wie eine große Familie« Die Gemeinschaft der Spieler in der noch kleinen deutschen Szene scheint eine große Rolle zu spielen. „Die Community ist wie eine große Familie", sagt Giulia Vaccaro (19). Sie ist eine der wenigen Spielerinnen in dem Turnier. Sie sei über ihre Freunde zu Kendama gekommen: „Es ist ziemlich ansteckend."

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