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Eröffnung: Detlef H. Mache (Stiftung für Bildung und Kultur, Witten, l.) stellt den Künstler Thierry Noir und seine Arbeiten dem Publikum im Daniel-Pöppelmann-Haus vor. - © Ralf Bittner
Eröffnung: Detlef H. Mache (Stiftung für Bildung und Kultur, Witten, l.) stellt den Künstler Thierry Noir und seine Arbeiten dem Publikum im Daniel-Pöppelmann-Haus vor. | © Ralf Bittner

Herford Thierry Noir zeigt seine Berlin Wall Art in Herford

Vom Beton auf die Leinwand

Ralf Bittner
11.04.2017 | Stand 11.04.2017, 15:04 Uhr

Herford. "Mit den Erinnerungen ist das so eine Sache", sagte Thierry Noir vor der Eröffnung der Ausstellung mit seinen Arbeiten im Daniel-Pöppelmann-Haus. "Sie überlagern und verändern sich, man muss viel aufschreiben oder festhalten." 1982 war der 1958 geborene Franzose in das geteilte Berlin gekommen, 1984 hatte er die Berliner Mauer als Leinwand für seine Wall-Art entdeckt. Als Franzose sei ihm damals nicht klargewesen, dass Westberlin eine Inselstadt gewesen sei. Ebenso wenig hätte er gewusst, dass nicht die Mauer die Grenze gewesen sei, sondern schon einige Meter davor DDR-Territorium gewesen seien. Heute kaum noch vorstellbar ist, dass die Mauer bis 1984 bis auf einige rasch hingeschmierte Schriftzüge so gut wie unbemalt gewesen war. Die "East Side Gallery" entstand erst 1990. "Bis in die 1980er Jahre hinein war die Mauer Tabu. Ein Tabu, an das sich sogar die Künstler hielten. Noir begann 1984 die Mauer in Kreuzberg in der Nähe des Mariannenplatzes zu bemalen. "Am Checkpoint Charly oder an der Bornholmer Straße waren zu viele Grenzpolizisten unterwegs", sagt er, "deswegen begannen wir in abgelegeneren Kiezen zu malen." Zu diesem "Wir" gehörten damals auch Künstler wie Keith Haring oder Kiddy Citny. Noir entwickelte damals sein "Fast Form Manifest", bei es darum ging mit wenigen Farben, klaren Formen und einer guten Idee schnell Bilder auf die Wand zu bringen - der Grenzer wegen. Damals entstand auch Noirs Formensprache - klare Linien, rote Augen, wulstige Lippen, die sich immer wieder neu kombinieren und variieren lassen. Bis heute finden sich die Elemente in seinen Arbeiten, egal ob er ein zwölfstöckiges Haus in London bemalt oder kleinformatige serielle Arbeiten auf Leinwand schafft. Letztere bilden den Schwerpunkt in der Ausstellung im Pöppelmann-Haus, die bis zum 25. Juni zu sehen ist. "Kunst kann ein Weg sein, Erfahrungen und Geschichte zu vermitteln", sagte Kunstvereinsvorsitzende Sarah Heitkemper bei der Eröffnung, und Adrianna Riemann sang am Klavier dazu vom "Wind of Change".

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