Protest vor dem Haupteingang: Hier demonstrierten die rund 150 Menschen gegen die Veranstaltung. Später verlagerten viele Demonstranten ihren Standort zum Nebeneingang am Wall. FOTO: Kiel-Steinkamp - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Protest vor dem Haupteingang: Hier demonstrierten die rund 150 Menschen gegen die Veranstaltung. Später verlagerten viele Demonstranten ihren Standort zum Nebeneingang am Wall. FOTO: Kiel-Steinkamp | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Herforder stellen sich gegen die AfD

Demonstration: Ein breites Bündnis macht gegen Vortrag der rechten Partei im Bürgerzentrum Haus unter den Linden (HudL) mobil

Jobst Lüdeking
Ralf Bittner

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Corina Lass

Herford. Knapp 150 Menschen haben am Dienstagabend vor dem Bürgerzentrum Haus unter den Linden (HudL) friedlich gegen eine Veranstaltung der AfD protestiert. Um den AfD-Vortrag erst gar nicht stattfinden zu lassen, hatten sich geschätzt mehr als 20 jugendliche Mitglieder der autonomen Szene bereits am späten Nachmittag im Treppenhaus des HudL angekettet. So war der Vortragsraum im ersten Stock blockiert. Volker Stumpf, Anmelder der Demo zeigte sich mit der Resonanz überaus zufrieden: "Es hätten natürlich noch ein Paar mehr sein können", so der Grünen-Politiker. Viele weitere Politiker und Kandidaten der SPD, der Grünen und der Linken aus Herford aber auch aus dem Kreis waren seinem Aufruf gefolgt. "Für mich ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen", sagt Teilnehmerin Ulrike Erdogan. Sie glaube aber nicht, dass sie die AfD-Anhänger erreichen und zum Nachdenken bringen könne. "Diese Partei steht für mich für Hass und ich bin hier um gegen Hass zu demonstrieren", sagt Bernd Werner (19). "Die AfD sollte in Herford kein Forum bekommen", ergänzt Johanna (68), die mit ihrem Ehemann Uli (69) gekommen ist. "Gerade hat jemand ein Schild hochgehalten auf dem steht "Wehret den Anfängen". Die Treppe war blockiert Derweil war unklar, wo, wie und ob der AfD-Vortrag beginnen kann. Die Treppe war blockiert. Unter anderem versuchte sich Inge Höger, Bundestagsabgeordnete der Linken, als Vermittlerin. Sie sagte den Jugendlichen freien Abzug zu, wenn sie eigenständig gehen würden. Das lehnte die Gruppe, die immer wieder "Nationalismus ist keine Alternative" skandierte, ab. Gegen 19.45 Uhr wurde dann von der Polizei die Entscheidung getroffen, die Treppe zu räumen. Die jungen Blockierer mussten teils von bis zu vier Bereitschaftspolizisten der Dortmunder Einsatzhundertschaft nach draußen getragen werden. Es waren offenbar mehr Blockierer, als von der Polizei zunächst erwartet. Drei Beamte wurden verletzt. Einer wurde gebissen, ein anderer erlitt Prellungen, so die Polizei. Erst kurz vor 21 Uhr waren die Letzten aus dem HudL getragen worden. Die Blockierer erwarten nun Strafanzeigen. Gegen 21.15 Uhr konnten die Zuhörer den Seminarraum beziehen Derweil warteten 25 bis 30 Zuhörer der AfD-Veranstaltung vor dem Bürgerzentrum, andere waren von der Polizei für Störer gehalten und nicht zum Hintereingang durchgelassen worden. Später sammelten sie sich im Halbdunkel des HudL-Cafés. Erst gegen 21.15 Uhr konnten die 55 Zuhörer den Seminarraum im ersten Stock beziehen. AfD-Kreissprecher Hans-Ulrich Kalb übte massive Kritik an der Störung durch die Blockierer. Er gehe davon aus, dass ihnen die Tür des HudL geöffnet wurde. AfD-Kreistags- und Kreisvorstandsmitglied Herbert Weber hatte bereits vor der Veranstaltung in einer Pressemitteilung von einer "antidemokratischen Gesinnung" gesprochen.

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