Mitglieder der autonomen Szene hatten sich im Treppenhaus angekettet. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Mitglieder der autonomen Szene hatten sich im Treppenhaus angekettet. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Weit mehr als 100 Menschen demonstrieren gegen die AfD

Proteste am Haus unter den Linden

Jobst Lüdeking
Corina Lass

Herford. Weit mehr als 100 Menschen haben am Dienstagabend  vor dem Haus unter den Linden (HudL) gegen die AfD demonstriert. Darunter waren auch viele Herforder Lokalpolitiker. Zudem hatten sich Mitglieder der Antifa im Treppenhaus angekettet, um den AfD-Mitgliedern den Zugang zu versperren. Wie berichtet, stellt die Partei dort ihren Direktkandidaten zur Landtagswahl im Wahlkreis 90 (Herford I – Minden Lübbecke III), Markus Wagner, vor. Die Veranstaltung begann mit starker Verzögerung, erst mehr als eine Stunde später. Gastrednerin ist Kurdin Leyla Bilge, die ihren Vortrag „Islamismus – Kinderehen und Scharia" hält. Bilge wurde bekannt durch ihre Unterstützung für Flüchtlinge, für syrische Kurden sowie für ihren Beitritt zur AfD. Anders als irrtümlich am Samstag berichtet, war sie nie Mitglied der CDU. Café-Leiterin im
 Bürgerzentrum beschimpft Aus dem HudL-Café hatten die Teilnehmer keine Speisen und Getränke bekommen. Das hat die Café-Leitung entschieden – und das blieb nicht ohne Reaktion: Bei der Leiterin des Cafés gingen ein Anruf und eine E-Mail mit Unflätigkeiten ein, so Wolfgang Willich von der Jugendhilfe Schweicheln, die Betreiberin des Cafés ist. Zur Demonstration riefen der Gruppenrat und der Förderverein des HudL sowie der Seniorenbeirat der Stadt auf. Thema war die Demo auch in nicht öffentlicher Sitzung der Stadtratssitzung am Freitag. Zur Demo riefen auch die Kreis-Linken auf. Bundestagsabgeordnete Inge Höger: „Dass die AfD jetzt das HudL als Veranstaltungsort nutzen will, ist eine absolute Frechheit." Das Bürgerhaus stehe für Offenheit und Toleranz. Die AfD könne aber nichts anderes als Hetze und Provokation. Stadt hat sich gezwungen gesehen, die AfD aufzunehmen Die Stadt hat sich als Trägerin des HudL gezwungen gesehen, die AfD aufzunehmen: Sie sei eine nach dem Parteiengesetz zugelassene Partei und verfassungsrechtlich geschützt. Es gebe keine juristischen Gründe, ihr die Räume zu verwehren – „es sei denn, die Sicherheit wäre nicht gewährleistet. Dies ist nicht der Fall." Mit anderen Worten: Hätte die Stadt abgelehnt, hätte sie mit einer Klage rechnen müssen. Das dürfte auch der Grund sein, warum die AfD städtische Einrichtungen für ihre Veranstaltungen anfragt. Viele Gastronomen lehnen AfD-Zusammenkünfte in ihren Räumen inzwischen ab.

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