Volle Ränge: Das Herforder Ludwig-Jahn-Stadion erlebte manches Großereignis. - © Stadt Herford/Archiv Gunther Jach
Volle Ränge: Das Herforder Ludwig-Jahn-Stadion erlebte manches Großereignis. | © Stadt Herford/Archiv Gunther Jach

Herford Auflösung Mittwochsrätsel: Handballfans überklettern die Zäune des Herforder Ludwig-Jahn-Stadions

30.000 Zuschauer sahen das Endspiel um die Deutsche Feldhandballmeisterschaft zwischen Grün Weiss Dankersen und TuS Wellinghofen

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Rätselfoto zeigte das ab 1950 geplante und 1955 neu erbaute Ludwig-Jahn-Stadion in einer Reproduktion aus der Nachkriegs-Broschüre „15 Jahre danach" der Stadtverwaltung. „Das Jahnstadion ist zu einer vorbildlichen Sportstätte geworden", heißt es da. Die 1936 gebaute Ludwig-Jahn-Kampfbahn hatte Kriegsschäden erlitten bei Bombenangriffen auf die Lippische Bahn. Nicht jeder hat freudige Erinnerungen an die Leibesübungen seiner Jugend. Birgit Sieker aus Bad Salzuflen etwa meint: „Na, wenn das nicht das Ludwig- Jahn-Stadion ist! Ein schauerlicher Ort, dort fanden immer die Bundesjugendspiele statt!" Udo von Zmuda war dabei: „Die Tribüne ist 1960 gebaut worden. Ich war zu der Zeit Lehrling bei Dierker, Heizungsbau, Sanitär und Klempnerei an der Schlosserstraße beschäftigt. Ich habe dort die Zentralheizung in den Räumen mit eingebaut." Ulrich Stille freut sich: „Ja, bei dem Foto kommen sehr viele Erinnerungen auf, die an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen würden. Schon 1936 wurde die „Ludwig-Jahn-Kampfbahn" gebaut, auf die hier dann im Jahre 1955 der attraktive Neubau des Stadions folgte. Als erstes Highlight fanden dort noch im gleichen Jahr die Deutschen Hochschulmeisterschaften in der Leichtathletik statt. Unvergessen ist für mich das Endspiel um die deutsche Feldhandballmeisterschaft 1964 zwischen Grün-Weiß-Dankersen und dem TuS Wellinghofen. Bei Dankersen spielte damals unser junger Sportlehrer Manfred Horstkötter mit. Kein Wunder, dass unter den fast 30.000 Zuschauern viele seiner Schüler vom Friedrichs-Gymnasium als Fanclub anwesend waren. Wir standen dicht gedrängt unmittelbar am Spielfeldrand auf der Laufbahn und mussten dort dann leider die 13:9 Niederlage von Dankersen akzeptieren, die unserer Begeisterung jedoch keinen Abbruch tat. Einen weiteren Höhepunkt stellten 1968 die Deutschen Jugendmeisterschaften der Leichtathletik dar. Bald danach wurde im Jahnstadion mit dem Europacup der Leichtathletikjunioren sogar ein internationaler sportlicher Leckerbissen ausgerichtet. Da sieben Mannschaften am Start waren, musste dafür extra eine siebte Bahn gebaut werden. Damals war ich Betreuer der ungarischen Mannschaft und bekam beim Festbankett im Schützenhof von dem Team zum Dank eine wertvolle Schale aus Herend-Porzellan, die mich noch heute an diesen tollen Wettkampf erinnert." Heike Erdmann erinnert sich: „Im Sommer 1972 besuchte ich als damals Achtjährige erstmals das Jahn-Stadion. An jedem Montagnachmittag konnte man hier sein Sportabzeichen ablegen. Im Rahmen der gerade aufkommenden „Trimm-dich-fit-Aktion" fand das großen Anklang in Herford. Ein ganz anderes Ereignis ist mir noch im Gedächtnis geblieben. 1978 oder 79 fand eine Ausstellung der Bundeswehr im Stadion statt. Höhepunkt war die Vereidigung der Rekruten. Am späten Abend erstrahlte das Stadion im Licht Hunderter Fackeln. Heino Uekermann beschreibt Großereignisse: „Das denkwürdigste und zuschauerreichste Sportereignis, das in der traditionsreichen Sportstätte an der Werre stattgefunden hat, war das 29. Endspiel um die Deutsche Feldhandballmeisterschaft zwischen Grün Weiss Dankersen und TuS Wellinghofen am 25. Oktober 1964. 30.000 Zuschauer ließen das Stadion „aus allen Nähten" platzen. Spielbeginn war um 11.15 Uhr. Schon um 9 Uhr waren die Straßen in und um Herford verstopft. Im Stadion herrschte schnell drangvolle Enge. 25.000 Karten (davon allein 20.000 im Vorverkauf) waren schon verkauft worden, doch vor den Stadiontoren drängelten weitere tausend Handballfans. Ohne Eintrittskarte drangen sie über die Umzäunung des Otto-Weddigen-Bades und vom Dennewitzplatz ins Stadion ein. 200 Ordnungskräfte der drei Herforder Sportvereine VfL, SuS und VfB Herford waren dem Ansturm nicht gewachsen und kapitulierten, um Handgreiflichkeiten zu vermeiden. Zu Spielbeginn saßen die Zuschauer dann auf den Seitenlinien und den umliegenden Bäumen. Dreimal war das Stadion Austragungsort des Endspiels um die deutsche Fussballmeisterschaft der Amateure: 1960 in den beiden Spielen BV Osterfeld – Hannover 96 Amateure, 1966 beim Spiel Werder Bremen Amateure gegen Hannover 96 Amateure und 1967 bei der Partie STV Horst/Emscher gegen Hannover 96 Amateure. 1968 fand das Deutschlandfinale der Fernseh-Spielshow „Spiel ohne Grenzen" im Ludwig-Jahnstadion statt. 17 000 Zuschauer verfolgten das Ereignis, dass live vom Westdeutschen Rundfunk im Fernsehen übertragen wurde. Moderatoren waren Camillo Felgen sein „Co" Frank Elstner. 1968 Finale von „Spiel ohne Grenzen" mit Camillo Felgen Fünfstellige Zuschauerzahlen gab es zuletzt in den 1970er Jahren als der 1972 aus einem Zusammenschluss von SuS Herford und dem HSC 07/08 Herford entstandene SC Herford zwischen 1973 und 1976 von der Landesliga in die 2. Bundesliga Gruppe Nord marschierte. Nach dem Aufstieg des Herford in die 2. Bundesliga 1976 erhielt das Stadion aufgrund von DFB-Auflagen im Innenbereich eine Umzäunung der Zuschauerränge. Zur Installierung einer damals angedachten Flutlichtanlage kam es aus Kostengründen nicht. Aufgrund seiner Baufälligkeit ist das Fassungsvermögen des Stadions heute auf 5.000 Zuschauer begrenzt." Carola und Reinhard Taßis wissen: „In der Nähe befinden sich die Werre und das H2O." Klaus-Dieter Storck schreibt: „Während meines Schulbesuches an der Friedrich-List-Schule hatten wir dort manchmal unseren Sportunterricht." Renate Krzymek erinnert sich: „Als ich mit der Leichtathletik begann, trat ich dem Verein Union 08 bei. Das alte Stadion war von den britischen Streitkräften besetzt, und so diente uns zunächst als Sportstätte der alte Fußballplatz an der Werre, wo sich heute der Kanu-Club befindet. Das Lauftraining absolvierten wir an der Werre entlang von der Eisenbahnbrücke bis zur Autobahnbrücke. Unsere Trainer waren Helmut Meyer,der spätere DLV-Verbandspräsident und Günter Wittenbreder. Von ihnen wurden 1955 in dem neu gebauten Ludwig-Jahn-Stadion die Deutschen Hochsschulmeisterschaften organisiert und ausgerichtet.Das war für uns Leichtathleten ein besonderes Erlebnis, denn auch unsere Familie hatte zwei Studenten Quartier geboten. Als nun langjähriges Mitglied der Turngemeinde Herford habe ich hier im Stadion viele Jahre die Bedingungen für das Deutsche Sportabzeichen absolviert."

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