Die drei weiteren Solisten: Tenor Florian Feth (v. l.), Sopran Katharina Leyhe und Alt Eike Tiedemann. Stefan Kagl dirigiert. - © Ralf Bittner
Die drei weiteren Solisten: Tenor Florian Feth (v. l.), Sopran Katharina Leyhe und Alt Eike Tiedemann. Stefan Kagl dirigiert. | © Ralf Bittner

Herford Weihnachtsoratorium im Herforder Münster

Unter Leitung von Münsterkantor Stefan Kagl erklangen vier Kantaten aus Johann Sebastian Bachs populärem Werk

Herford. "Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage" jubelten Münsterchor, Kinder- und Jugendchor, begleitet von Pauken und Trompeten des Orchesters "La Réjouissance" im Münster. Mit dem mächtigen, jubilierenden Choral beginnt Johann Sebastian Bachs 1734/35 uraufgeführtes Weihnachtsoratorium. In der 1. Kantate wird die Geburt des Jesuskindes gefeiert, dementsprechend war sie ursprünglich zur Aufführung am 1. Weihnachtstag gedacht. Die fünf weiteren Kantaten sollten an Festtagen in der Zeit bis bis zum Epiphaniasfest, dem Dreikönigsfest am 6. Januar, aufgeführt werden. Obwohl das Oratorium die Zeit von Jesu bis zum Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland behandelt, hat Bachs populäres Werk bis heute seinen festen Platz in der Adventszeit. Mehr als 500 Zuhörer im Münster stimmten sich mit dem von Münsterkantor Stefan Kagl geleiteten Konzert am Sonntag auf ihr Weihnachtsfest ein. Auf dem Programm standen nach der populären 1. Kantate die Kantaten vier bis sechs. Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, Rezitative der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte, dazu Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten machen das Oratorium zu einem vielfältigen Werk. Kagls Chor gestaltete seine Passagen klar, mit Kraft oder Gefühl an den jeweils passenden Stellen. Dazu verliehen die Kinderchöre mit ihren hellen Stimmen dem Abend einen Spritzer von Freude, ja beinahe Fröhlichkeit, die der Geburt Jesu angemessen ist und die nicht bei jeder Aufführung des Oratoriums durchklingt. Die Gesangsolisten Katharina Leyhe (Sopran), Eike Tiedemann (Alt), Florian Feth (Tenor) und Roland Hartmann (Bariton) waren vielfältig gefordert. Feth gestaltete mit klarer Stimme als Evangelist die wichtigen Rezitative und Arien wie "Ich will nur dir zu Ehren leben". Tiedemann und Hartmann trugen sicher durch Rezitative und Arien der 1. Kanate. Im Wechselspiel mit dem Chor-Sopran gestaltete Hartmann den Choral "Er ist auf Erden gekommen arm" und darauf die Arie "großer Gott, o starker König". Die 4. Kantate ist die Kantate von Sopran und Tenor. Leyhe und Feth gestalteten neben dem Chor weite Teile der eher ruhigen, teilweise fast meditative Kantate, die erst am Ende mit dem Choral "Jesus richte mein Beginnen" Brücken zum konzertanten Eingang schlägt. Warme Klangfarben des Orchesters bestimmten die 5. Kantate, die mit dem Terzett von Sopran, Tenor und Alt den Bogen vom Warten auf den Herren zu dessen Ankunft schlägt: "Schweigt, er ist schon wirklich hier." Schön des Wechselspiel vom Evangelisten und Bass als Herodes in der 6. Kantate und der Choral "Ich steh an deiner Krippen hier". Kräftig erklang der feierliche Schlusschor, der die Melodie des ersten Chorals der Eingangskantate aufnimmt und feierlich die Gewissheit verkündet, dass das menschliche Geschlecht seine Stelle bei Gott hat. Leistung der Musiker und frohe Botschaft wurden mit herzlichen Applaus belohnt.

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