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Bäckerstraße 5: Die Fenster offen, eine Scheibe eingeschlagen, im Erdgeschoss ein Bauzaun. Fast scheint es so, als plane der nächste Eigentümer hier, den Abbruch herbeizuführen. - © Peter Steinert
Bäckerstraße 5: Die Fenster offen, eine Scheibe eingeschlagen, im Erdgeschoss ein Bauzaun. Fast scheint es so, als plane der nächste Eigentümer hier, den Abbruch herbeizuführen. | © Peter Steinert

Herford Vorentwurf für Bebauungsplan Waisenhausstraße soll vorgestellt werden

Corina Lass
03.12.2016 | Stand 02.12.2016, 22:26 Uhr

Herford. Der Bebauungsplan Waisenhausstraße war zuletzt im Bau- und Umweltausschusses Thema. Dabei kamen zwei Aspekte zur Sprache, die so deutlich zuvor noch nicht geäußert worden waren. Zur Kenntnisnahme stand der Vorentwurf des Bebauungsplans auf der Tagesordnung. Zudem sollten die Politiker der Verwaltung grünes Licht für die frühzeitige Beteiligung der Bürger und Behörden geben. Das taten sie auch. Wie berichtet, geht es bei dem Bebauungsplan Waisenhausstraße" um die 1,3 Hektar große Fläche zwischen Bäckerstraße und Unter den Linden, zwischen Aa und Mönchstraße. Die Überplanung wurde mit dem Abriss des Gebäudes Bäckerstraße 7 und dem Vorhaben akut, das Gebiet für eine Wiederbebauung neu zu ordnen. Sie soll auch die öffentliche Nutzung des Uferbereichs ermöglichen. Stichwort: Herford ans Wasser. Zur Sicherung der Vorhaben verhängte der Rat im Juni eine Veränderungssperre. Die Verwaltung arbeitete zunächst an zwei Planungsvarianten, die sich durch die bebaubaren Flächen (Baufelder) unterschieden. Die eine folgte den Vorstellungen eines privaten Interessenten, die andere denen der Stadt. Die erste fand bei den Politikern keine Akzeptanz: Sie sah unter anderem die Bebauung mehrerer öffentlicher Parzellen vor. "Herford ans Wasser" wäre damit schwierig geworden. Seither hat die Bauverwaltung ihre Variante weiter entwickelt. Darin bleibt die heutige Bebauung- und Nutzungsstruktur im Wesentlichen erhalten: entlang der Bäckerstraße geschlossene Bauweise mit einer Geschoss- und Höhenbegrenzung; entlang der Waisenhaus- und Mönchstraße allgemeines Wohngebiet in zweigeschossiger Bauweise und eine Fläche für Gemeinbedarf für das evangelische Gemeindezentrum. Gegenüber dem früheren Vorentwurf sind auf der Fläche Bäckerstraße 7 das Baufeld und die mögliche Gebäudehöhe begrenzt worden. Zudem hat die Verwaltung die öffentliche Verkehrsfläche auf dem hinteren Teil des Grundstücks Bäckerstraße 5 ausgeweitet. Damit will sie den öffentlichen Zugang zur Aa ermöglichen. Das zieht einen Entschädigungsanspruch nach sich. Wenn der Bebauungsplan rechtskräftig wird, könnte die Stadt ein Vorkaufsrecht ausüben - sofern der Eigentümer verkauft, sagte Maike Wöhler aus der Bauverwaltung. Der Erwerb wäre förderfähig, die Gestaltung der Fläche Bestandteil des freiraumplanerischen Wettbewerbs "Herford ans Wasser", der im Frühjahr 2017 beginnen soll. "Das könnte ein Kleinod werden", sagte Eckhart Klemens (SPD), der sich aber gewünscht hätte, dass der Erhalt von Fassaden im Bebauungsplan festgeschrieben wird. Wöhler entgegnete ihm jedoch, dass die Stadt die Fassadengestaltung relativ genau vorschreiben könne. Auch Marion Maw (CDU) gefiel der Vorentwurf. Aber sie hatte sich auch das Haus Bäckerstraße 5 angesehen, ein unter Denkmalschutz stehendes Haus, in dem früher das Geschäft Heidbreder ansässig war. "Es scheint diesem Besitzer noch nicht zu Ohren gekommen zu sein, dass Eigentum verpflichtet", sagte sie. Die Fenster offen, eine Scheibe eingeschlagen, im Erdgeschoss ein Bauzaun: "Das scheint eine Art Vorbereitung für das neue Abbruchhaus zu sein", sagte sie mit Blick auf das Gebäude Bäckerstraße 5, das der Besitzer so verfallen ließ, dass die Stadt schließlich den Abbruch veranlasste. "Ich schäme mich fremd für diesen Eigentümer." Baudezernent Peter Maria Böhm entgegnete, dass es Gespräche gebe, die optimistisch stimmten. Und die Stadt habe in diesem Fall keine Handhabe, weil von dem Gebäude keine Gefahr ausgehe. Böhm sagte auch noch: "Wir müssen schauen, ob wir den Bebauungsplan bis zur Verabschiedung bringen. Sonst haben wir womöglich einen Investor, der nicht bauen kann, obwohl wir das wollen." Mit anderen Worten: Die Verwaltung zieht das Verfahren durch, ohne den Bebauungsplan rechtskräftig werden zu lassen. Das habe den Vorteil, dass der Plan dann innerhalb von zwei bis drei Monaten zur Rechtskraft geführt werden könne, wenn eine Investor ein Konzept vorlegt, das zwar vom Plan abweicht, aber die Politiker überzeugt, so Böhm.

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