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Selfie mit der Handy-Kamera: Die Veranstalter Tristan Niewöhner (v. l.) und Eyüp Aramaz sowie die Unternehmer Andreas Schwaner, Oliver Flaßkämper (vorne), Robert Levenhagen und Eike Diestelkamp mischten sich danach in die Menge, um das zu tun, wofür die Fuck-up-Night auch gedacht war: netzwerken. - © Corina Lass
Selfie mit der Handy-Kamera: Die Veranstalter Tristan Niewöhner (v. l.) und Eyüp Aramaz sowie die Unternehmer Andreas Schwaner, Oliver Flaßkämper (vorne), Robert Levenhagen und Eike Diestelkamp mischten sich danach in die Menge, um das zu tun, wofür die Fuck-up-Night auch gedacht war: netzwerken. | © Corina Lass

Kreis Herford Gescheiterte Unternehmer bei der Fuck-up-Night im Herforder Denkwerk

Bei der Veranstaltung ging es um miese Erfahrungen bei der Existenzgründung. Die unterhaltsame Veranstaltung findet großes Interesse

Corina Lass
26.11.2016 | Stand 26.11.2016, 20:50 Uhr

Kreis Herford. Der Weg zum Erfolg führt übers Scheitern. Das haben die drei Unternehmer erfahren, die anlässlich der jüngsten Fuck-up-Night die Fehler von Gründern am eigenen Beispiel darstellten. Zum Nutzen anderer, die daraus lernen konnten. Und die kamen in Scharen: Mit 250 Gästen sprengte die Veranstaltung des Bielefelders Eyüp Aramaz und des Güterslohers Tristan Niewöhner im Herforder Denkwerk alle Erwartungen. Auch Gastgeber und Unternehmer Oliver Flaßkämper kennt das Scheitern: 1998 gründete er - vor allen anderen, die heute im Internet Partnerschaftsbörsen betreiben - eine Kontakt- und Freizeitplattform. Sie lief. Allerdings interessierten sich ausschließlich Männer dafür. Als er 200 auf seiner Seite hatte, aber keine einzige Frau, gab er auf. "Das war vielleicht doof", sagt er heute schmunzelnd. Andreas Schwaner, geschäftsführender Gesellschafter der Osnabrücker Hermont GmbH, hält heute sechs Beteiligungen. Angefangen hat er mit einem erfolgreichen Start-up im Computerbereich. Aus dem stieg er 1993 wegen eines vermeintlich großartigen Geschäfts aus: Ein Unternehmer hatte ihm seine Firma mit 50 Mitarbeitern und 8 Millionen D-Mark Umsatz im Jahr angeboten. Blöd: Die beiden hatten die Übernahme per Handschlag besiegelt. Und daran wollte sich der Firmenchef später nicht erinnern. Frage nicht danach, wer die Schuld hat, denn das ist rückwärtsgewandt, sagt Schwaner heute. Aber die Erkenntnis kam nicht sofort. Warum ist das passiert?, war die Frage, die er sich danach stellte. Und er zog den Schluss: Lerne, das Richtige zu tun. Schwaner beschloss, aus Fehlern zu lernen - aus denen anderer. Dann brauchte er selbst keine zu machen. Das tat er einige Jahre lang, bevor er erneut die Selbstständigkeit wagte. Eine tolle Idee hatten Eike Diestelkamp und seine Partner: Das vermittelten ihnen jedenfalls alle, mit denen sie sprachen, Freunde ebenso wie Gründerforen, potenzielle Investoren und sogar die KfW-Bank. "Und irgendwann glaubst du es selbst." Add a Wish sollte Menschen zusammenbringen, die gemeinsam mit Freunden Erlebnisgeschenke machen wollen. "Wer ein Start-up gründet, der schmeißt erst einmal Excel an", sagt Diestelkamp. Und mit Excel lasse sich so lange rechnen, bis am Ende ein stattlicher Ertrag stehe. Alles funktioniere - in Excel. Zudem warnt Diestelkamp vor Sätzen von potenziellen Investoren wie "Ich investiere, sobald ihr einen zweiten Investor gefunden habt." Der Bielefelder: "Eine blöde Ausrede." Keiner sage einem, dass die Geschäftsidee Mist sei. Nach Ausgaben von mehr als 120.000 Euro stellten sich die Jung-Unternehmer die Frage, wie lange sie das tote Pferd noch reiten wollten. Die Liquidation sei nicht schön gewesen, sagt Diestelkamp. Heute würde er sich nur noch allein selbstständig machen. Ganz anders Robert Levenhagen. Der 31-jährige Münsteraner entwickelte mit einem Partner seine Idee über viele Umwege weiter. Leider auf einem Gebiet, auf dem er keine Ahnung hatte: Mode. Eine Internetseite, über die User eigene Outfits einstellten, die Besucher der Seite dort gleich nachkaufen konnten, wurde zu ihrer Überraschung fast ausschließlich von Fashion- und Lifestyle-Bloggern genutzt. Also machten die Jung-Unternehmer daraus einen Fashion-Blog in Pinterest-Optik. Die Absicht, Blogger und Unternehmen zusammenzubringen, funktionierte aber nicht. Und "wenn man schon ein halbes Jahr öffentlich ist, gibt es keinen Raum mehr für Fantasie", sagt Levenhagen mit Blick auf potenzielle Investoren. Heute verdient er sehr erfolgreich Geld mit einem technischen Tool für Instagram. Levenhagen und sein Partner gelten als Experten für Fashionblogger. "Gerettet hat uns, dass wir Dienstleistung machen konnten." Die Lehren des Münsteraners: "Gehe schnell online - nicht zum Experimentieren, sondern zum Skalieren. Gründe nicht allein. Und: Substanziell überzeugst du nur, wenn du die Vorarbeit geleistet hast."

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