Zutritt verboten: Das blaue Siegel der Mordkommission an der Wohnungstür, an der noch Blutspuren zu sehen sind. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Zutritt verboten: Das blaue Siegel der Mordkommission an der Wohnungstür, an der noch Blutspuren zu sehen sind. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Messerattacke an der Verdistraße Herford

Versuchter Totschlag: 42-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft. Seine beiden Opfer waren zunächst in Lebensgefahr. Die Polizei hat eine Mordkommission gebildet


Herford. Ein rot verklinkertes Neunfamilienhaus an der Verdistraße in Herford. Vor der Tür der mittleren Erdgeschosswohnung klebt das Siegel der Mordkommission. Eine junge Herforderin (25) und ihr Kollege (27) wurden hier in der Nacht zum Freitag lebensgefährlich verletzt. Der Täter, nach den bisherigen Ermittlungen der Mordkommission Verdi: der 42 Jahre alte Ali K. Gestern Nachmittag gegen 13.30 Uhr wurde beim Landgericht Bielefeld Haftbefehl wegen zweifachen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung gegen den Mann erlassen. "Der war voll psycho", erklären Nachbarn auf die Frage nach dem unter anderem wegen Eigentumsdelikten und Körperverletzungen vorbestraften Mann, der seit mehr als einen Jahr keinen Job mehr hatte. Sie schildern ihn als reizbar, aggressiv und gewaltbereit. Andere wollen - offenbar aus Angst vor ihm - gar nichts sagen. Nachbar leistet Erste Hilfe und legt Druckverband an Bisher steht fest, dass der Kriminalfall wohl seinen Anfang in der Spielothek an der Komturstraße nahm. Dort war der 42-Jährige offenbar regelmäßig Gast und kannte auch die 25-jährige Spielhallenaufsicht - sein späteres Opfer - und weitere Beschäftigte. Wegen eines Spielautomaten sollen die Mitarbeiter und der 42-Jährige wohl gegen 22 Uhr in Streit geraten sein. Die Situation eskalierte so sehr, dass K. die Spielothek verlassen musste. Er hatte dabei die 25-Jährige massiv beleidigt. Warum die junge Frau, ihr Freund und ein weiterer Mitarbeiter der Spielhalle dann - als sie Dienstschluss hatten - den 42-Jährigen gegen 1.30 Uhr zu Hause aufsuchten, ist unklar. Wollten sie sich aussprechen und versuchen, ihren Streit beizulegen? Die beiden Schwerverletzten, für die inzwischen keine Lebensgefahr mehr besteht, "können derzeit nicht zu der Tat vernommen werden. Hintergrund der Streitigkeit waren einige Stunden zuvor vorausgegangene Beleidigungen des 42-Jährigen gegenüber der 25-Jährigen", teilte ein Polizeisprecher in Bielefeld mit. Fest steht nach den bisherigen Ermittlungen, dass die Auseinandersetzung wieder eskalierte und K. dann mit einem Küchenmesser noch in seiner Wohnung auf seine Opfer einstach. Entsprechende Spuren finden sich an den Wänden der Wohnung. Die Opfer schafften es, durch den Flur nach draußen zu flüchten, blieben dann aber vor dem Haus liegen. Nachbar Timo Hainfellner (34), der durch die Schreie geweckt worden war, rannte nach unten und leistete bei der 25-Jährigen Erste Hilfe und wurde so offenbar zum Retter der jungen Frau. "Ich habe ihr einen Druckverband angelegt", berichtet der 34-Jährige, der vier Jahre lang bei der Bundeswehr diente und im Auslandseinsatz war. "Da weiß man, was man bei Verletzungen zu tun hat", sagt der ehemalige Landesliga-Spieler des SC Herford, der inzwischen im Immobilienbereich selbstständig tätig ist. Trotzdem war er nicht sicher, ob er alles richtig gemacht hat. "Der Freund der Verletzten hat auch sehr geholfen", sagt Hainfellner, der nach seinem Einsatz zunächst nicht mehr schlafen konnte. Er sei zu aufgeregt gewesen, erzählt er. Die erlösende Nachricht, dass die 25-Jährige über den Berg ist, erhielt der Herforder am Vormittag. "Als die Frau außer Lebensgefahr war, war ich heilfroh und habe mich riesig gefreut."

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